Rezension: The Outpost – Überleben ist alles

Es mag in unserer heutigen Gesellschaft überraschen, aber diejenigen, die am besten wissen, dass Krieg die Hölle ist, sind immer noch Soldaten.

Die Schlacht von Kamdesch vor rund zehn Jahren gehörte zu den blutigsten Auseinandersetzungen im Afghanistankrieg. Sie steht im Mittelpunkt des Antikriegsdramas The Outpost – Überleben ist alles von Filmregisseur Rod Lurie, basierend auf dem Buch über das Geschehen des CNN-Journalisten Jake Tapper. Im Zentrum steht ein Außenposten der US-Army in Afghanistan. Eingekesselt zwischen Bergen und unter ständigem Beschuss wird er von manchen schon mal Camp Custer genannt. In Erinnerung an General Custer, der in den Indianerkriegen mitsamt all seinen Soldaten in der Schlacht von Little Bighorn aufgerieben wurde.

Von den Bergen her greifen die Taliban jeden Tag an, doch es sind nur Nadelstiche, um die Lage auszukundschaften. Der große Angriff, dem die dort stationierten Soldaten wie ihr Armageddon erwarten, steht bevor, dass wissen sie alle.

Rod Laurie bringt einen Film in die Kinos, der abseits der üblichen Kriegsfilme über den noch immer andauernden Afghanistankrieg aus Hollywood daher kommt. Er stellt ganz die Soldaten in den Mittelpunkt, die sich ihrer alltäglichen Lebensgefahr bewusst sind und dennoch ihren Job erledigen. Neben Schauspielern wie Orlando Bloom, als einer der beiden Kommandanten des Camps, die im Einsatz sterben, und Scott Eastwood, sind übrigens nicht nur professionelle Schauspieler zu sehen, sondern spielen sich Soldaten teilweise selbst.

Eigentlich hätte die Schlacht von Kamdesch nicht einmal stattfinden müssen. Nachdem der zweite Kommandant des Camps bei einem Talibanangriff ums Leben gekommen war, wollte die US-Army das Camp bereits schließen. Aus politischen Gründen wurde die Schließung noch einmal hinausgeschoben. Und tatsächlich kam der Angriff der Taliban nur wenige Tage vor der endgültigen Schließung des Camps.

Nicht wofür wir kämpfen, ist das Wesentliche, sondern wie wir kämpfen.

Ernst Jünger

Auch wenn der Zuschauer das Gefühl hat den Angriff in Echtzeit zu sehen, handelt es sich um eine verdichtete Darstellung. In der Realität dauerte der Angriff 12 Stunden. 12 endlose Stunden, in denen die Soldaten die Stellung hielten ehe die Luftunterstützung die Schlacht zu Gunsten der Amerikaner wendete.

Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Heldengeschichte, auch wenn gerade in deutschen Kinos so manch schnippischer Kommentar von sesselfurzenden PazifistInen zu erwarten ist. Rod Laurie zeichnet das Bild allerdings in einer solch realistischen Weise, dass The Outpost – Überleben ist alles zumindest bei der professionellen deutschen Kritik gut aufgenommen wurde. Wohl auch weil Laurie seine Akteure nicht als Ruhm suchende Kämpfer für Gott und Vaterland darstellt, sondern als Menschen die in einer Extremsituation 24/7 stecken. Gefühlsausbrüche, Verzweiflung inklusive.

Der Film ist eine Erinnerung daran, dass Soldaten Menschen wie du und ich sind. Die im Gegensatz zu den meisten allerdings bereit sind ihr eigenes Lebens für ihr Land und seine Menschen zu opfern. Er ist auch eine Erinnerung daran, dass die wenigsten Soldaten kriegslüsternde Gesellen sind, sondern im Gegenteil nichts mehr zu schätzen wissen, als den Frieden.

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