Jean Raspail (geb. 1925 – gest. 2020)

Mit 94 Jahren starb vor zwei Wochen der französische Autor und Monarchist Jean Raspail, zu Unrecht ein Liebling der Neuen Rechten.

Nur eine Handvoll der Bücher von Jean Raspail haben es in die deutsche Übersetzung geschafft. Sein bekanntestes Buch dürfte zweifellos Das Heerlager der Heiligen sein, 1973 erschienen beschreibt er dort die Anlandung einer Million Flüchtlinge aus Indien in Frankreich. Man wird sich schnell erklären können, warum er damit zum Star einer Neurechten Bewegung wurde, der er nie zugehörig war. Im Grunde lässt sich das Missverständnis recht schnell aufklären, indem man die Intention hinter Das Heerlager der Heiligen genauer betrachtet. Der in seinem Leben die Welt mehr als einmal bereisende Raspail schrieb kein Buch das Grundlage eines nationalistischen Kampfes gegen das Fremde sein will, sondern eine Warnung über die selbstzerstörerischen Kräfte der Aufklärung. An deren Finale eine westliche Gesellschaft steht, die sich nicht nur aufgegeben hat und in einen tiefen Selbsthass verfällt, sondern aktiv an der eigenen Zersetzung arbeitet. Die Dystopie, die Raspail in diesem Werk beschreibt, ist also keineswegs, wie es die Neurechten sehen, mit der Flüchtlingskrise 2015 ff eingetreten, sondern zeigt ihr hässliches Gesicht gerade in diesen Tage in Form einer großangelegten Säuberungsaktion, bei der gestürzte Statuen nur der offensichtlichste Teil der Revolution sind.

Jean Raspail war ein Intellektueller, wie er in Deutschland selten (wem fallen schon mehr Namen ein, als jener von Ernst Jünger) und seit einigen Jahren nicht mehr möglich ist. Ein kluger, weltgewandter Kopf, der sich zugleich gegen die selbstzerstörerischen Kräfte des Kommunismus, wie des Liberalismus wandte. In Frankreich, in dem man trotz aller Mängel und europäischer Gleichmacherei noch zu differenzieren weiß, war er nicht konservativ, nicht rechts, er war ein Reaktionär. Ein Utopist, dessen Utopie die wiederauferstandene katholische Monarchie war.

Gerade in Deutschland, dessen meinungsbestimmende Linke sich durch ein besonders großes Mass an Bildungsallergie auszeichnet, würde man Männer wie Raspail als Monarchist nach ganz rechts schieben, quasi noch rechter als die Nazis. Ein Vorwurf, gegen den Alexander Pschera den Verstorbenen in seinem Nachruf in der Tagespost zurecht in Schutz nimmt:

„Raspail war kein Rechter, sondern ein Reaktionär und Monarchist. Die Rechte ist eine menschenverachtende, revolutionäre Bewegung, die an der Vernichtung der Eliten arbeitete und arbeitet und die mit Gott wenig am Hut hat, obwohl übereifrige Publizistinnen hierzulande ihre ganze Lebensenergie daransetzen, genau das zu widerlegen. Die Monarchisten streben das Gegenteil einer rechten Diktatur an: Sie verteidigen eine strukturierte, gerechte Gesellschaft, in dem jedem das ihm Eigentümliche zukommt.“

Quelle: Die Tagespost

Und tatsächlich wäre es auch falsch Jean Raspails Werk auf die Dystopie des Heerlagers der Heiligen zu beschränken. Tatsächlich war er eben auch ein Utopist, wenn seine Utopien auch nicht gerade einem linksliberalen Massengeschmack empfanden, weil in ihnen etwas die Krönung eines neuen Königs von Frankreich (Sire, 1999) im Mittelpunkt stand.

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