Vom Winde verwehte Negerkönige

Wir müssen über rassistische Stereotype diskutieren, aber gerade die Linke will genau das eben nicht. Sie will Scheiterhaufen brennen sehen.

Mit Kunst und Unterhaltung ist das so eine Sache, sie sind stets gegenwartsbezogen, weil ihr Publikum zum größten Teil nun einmal dort lebt. Jedes Buch, jeder Film, jedes Gemälde oder jede Serie spiegelt immer die jeweilige Entstehungszeit wider, da sich Zeiten aber ändern, bleibt das nicht immer ohne Folgen. Und wenn wir in Zeiten eintreten, die wie die aktuelle in Bilderstürmen ausartet, heißt es wachsam bleiben.

Es ist ja kein neues Phänomen, dass vor allem Bücher umgeschrieben werden sollen. Das Meisterwerke der Weltliteratur plötzlich Warnhinweise bekommen, als handele es sich dabei um billige Pornos ist zumindest auf der anderen Seite des Atlantiks inzwischen derart üblich, dass es mich ehrlich gesagt überrascht in Deutschland manches Buch nicht nur noch unter der Ladentheke zu bekommen. Und auch wenn ich es pauschal ablehne so zu handeln, kann es im Einzelfall durchaus berechtigt sein. Ja, wir müssen über rassistische Stereotype reden, wir müssen darüber diskutieren, und am Ende kann durchaus das Ergebnis stehen, in neuen Auflagen eines Buches Änderungen, oder zumindest erklärende Fußnoten einzufügen.

Für mich ist der „Negerkönig“ in Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf-Geschichten ein gutes Beispiel. Es macht für mich Sinn dieses Wort zu streichen und durch „Südseekönig“ oder etwas in der Art zu ersetzen. Fußnoten, die erklären, das in der Entstehungszeit des Buches ein solches Wort zwar nicht minder rassistisch war, es aber in der literarischen Einordnung an sich noch nicht so verwerflich war wie heute, machen in Kinderbüchern keinen Sinn. Während der Sinn der Geschichte dadurch in keiner Weise beeinträchtigt wird.

Wenn allerdings, wie heute gemeldet wurde, HBO Vom Winde verweht aus seiner Mediathek entfernt, und die BBC und Netflix die Comedyserie Little Britain, treten wir langsam in ein Stadium ein, das einer freien und offenen Gesellschaft nicht gut zu Gesicht steht.

Aus zwei Gründen: Zum einen basieren diese Entscheidungen nicht auf einem gesellschaftlichen Konsens. Sie sind nicht das Ergebnis einer Diskussion oder des Abwägen von Argumenten. Sie sind die umgesetzten Ziele einer linken Elite, die den rassistisch motivierten Tod eines Amerikaners ausnutzt, mit einem marodierenden linken Pöbel Druck von der Straße auszuüben, weil es ihr trotz massiver medialer Unterstützung nicht gelingt, demokratische Mehrheiten für ihre zerstörerische Ideologie zu gewinnen.

Zum anderen reden wir hier nicht von Kinderbüchern, sondern von zeitgeschichtlichen Kunstwerken, deren Interpretation und Einordnung einem durchschnittlichen Erwachsenen durchaus zuzutrauen ist. Da aber dabei natürlich dennoch das Ergebnis offen ist, und jemand, der zum Beispiel Vom Winde verweht sieht, am Ende vielleicht nur still und heimlich eine Träne ob des tragischen Endes verdrückt, aber nicht wutentbrannt auf der nächsten Anti-Rassismusdemonstration die nächstbeste Statue umstürzt (egal welche, die meisten zeigen ja sowieso weiße Männer), muss so gut es geht verhindert werden, dass eines solche freie Interpretation überhaupt geschehen kann. Bei Little Britain ist der Fall noch ein wenig anders gelagert, neben dem „Blackfacing“ geht es dort auch um die Darstellung von Transsexuellen. Objektiv betrachtet liegt dort zwar nichts vor, was durch Kunst- oder Satirefreiheit nicht gedeckt wäre, allerdings ist die Entscheidung sich fern ab eines naturwissenschaftlich-biologischen Zwangs sein eigenes Geschlecht aussuchen bzw. erfinden zu dürfen ein Lieblingskind linker Ideologen, und somit darf man sich auch nicht darüber lustig machen. Satire entblößt bekanntlich Absurditäten, das darf in diesem Fall allerdings nicht sein. Also weg damit!

Ich befürchte, dass wir in Sachen Kunst und Unterhaltung inzwischen in ein Stadium der Hexenverfolgung eingetreten sind. Ein Zustand in der keine Diskussion mehr stattfindet, sondern es genügt auf etwas zu zeigen, laut „Rassismus“ oder „Sexismus“ zu schreien, um sich dann nicht mal mehr die Mühe eines Scheinprozesses zu machen, sondern gleich mit der Fackel den Scheiterhaufen anzuzünden. Nur um sich dann berauschend um das Feuer herum in den nächsten Wahn zu tanzen, Sinn und Verstand wären nur hinderlich. Eine Reflexion des eigenen Tuns ist überflüssig, gar gefährlich, denn dadurch könnte man zum Abweichler von der reinen Lehre werden. Und man weiß, Abweichler landen nicht minder schnell auf dem Scheiterhaufen.

Kommentare

Hallo Thomas, mein Artikel ist von 2017 und beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema. Es ist einfach verrückt, was wir heute machen. Und es kann einen auch wütend machen. Das kann ich nur zu gut verstehen. Auf der anderen Seite steht eine gesellschaftliche Tendenz, die ich allerdings ebenso wenig unterstützen kann. Sie geht von Konservativen aus. Diese Art von Gegenöffentlichkeit bringt die Gesellschaft auch nicht weiter, meine ich.

Ach, hier noch der Link zu meinem Artikel von 2017: https://horstschulte.com/2017/welcher-irre-setzt-fruehstueck-bei-tiffanys-auf-den-index/

Ja, das „Blackfacing“. Es gibt doch TV-Werbung, in der für Bräunungscremes geworben wird. Zugegeben, da stehen immer nur sehr attraktive Frauen im Fokus. Vielleicht ist manche(r) da nachsichtiger. Aber streng genommen sollte man die doch alle wegen Rassismus anklagen. Ich meine, um im Bild zu bleiben.

[…] ist ein Rad, das sich längst in Bewegung gesetzt hat, das sich mit all den gefühlten und realen Tabuverstößen der Gegenwart kaum […]

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