Wir sind alle Rassisten!

Jeder Mensch trägt rassistische Vorurteile in sich. Die besseren unter uns bekämpfen sie, andere finden ideologische Rechtfertigungen – rechts, wie links.

In Zeiten der Coronapandemie ist eine Bevölkerungsgruppe des Landes von Rassismus getroffen, die sonst vergleichsweise unauffällig zwischen dem nennt, was man – heute schamerfüllt – als Mehrheitsdeutscher bezeichnen könnte. Die Herkunft des Coronavirus aus China hat gereicht, um in Deutschland Menschen mit asiatischen Wurzeln zum vermehrten Ziel rassistischer Angriffe werden zu lassen.

Dabei galt diese Bevölkerungsgruppe als vergleichsweise gut integriert. Niemand hat je von Problemviertel mit Vietnamesen gehört, jeder ging aber gerne bei ihnen essen oder hat sich die Nägel machen lassen. Gerade Vietnamesen gelten als die perfekten Multikultivorzeigeprojekte der Linken, weil sie die Probleme innerhalb ihrer eigenen Community so leise unter sich ausmachen, dass die Öffentlichkeit nur in selten Fällen von sklavenähnlichen Zuständen auf Lebensmittelmärkten oder anderen organisierten Wirtschaftszweigen aufmerksam werden. Ich nenne das gerne linken Rassismus durch Unterlassung … doch das ist eine andere Geschichte.


Ich persönlich unterscheide bei Rassismus in zwei Herkunftsarten, ohne dabei wertend zu werden. In dem einen Fall geschieht etwas, niemand weiß aber warum. Da aber immer irgendwer schuld sein muss, sucht man sich seinen Sündenbock. Über Jahrhunderte hinweg wurden in Europa auf diese Weise Juden mit den absurdesten Anschuldigungen überhäuft und vertrieben oder sogar getötet. Die zweite Entstehungsversion trifft jetzt unsere asiatischen Mitbürger, sie werden für etwas verantwortlich gemacht, was – wenn im Kern auch genauso absurd – mit anderen ihrer Bevölkerungsgruppen in Verbindung gebracht wird. Im Falle der Coronapandemie ist die Argumentationskette der Rassisten ähnlich absurd wie einst bei den angeblich vergifteten Brunnen. In anderen Fällen wird von Einzeltätern auf eine ganze Bevölkerungsgruppe geschlossen.

Derartige Unterschiede halte ich für wichtig, um den Rassismus gezielter bekämpfen zu können. Im Kern gilt aber, jeder Rassismus ist falsch. Rassismus ist stets ein Ausdruck von Schwäche, sowohl des persönlichen Charakters, als auch einer staatlich-gesellschaftlichen Führung. Ein Volk, oder eine einzelne Person, das nicht stark genug ist auftretende Probleme selbst zu lösen, reagiert seinen Frust an schwächeren Minderheiten ab. Eine Führung, die versagt und ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, lenkt mit Schuldzuweisungen an eine Minderheit von ihrem eigenen Versagen ab. Eine Ideologie, die nicht aufgrund eigener Überzeugungskraft an die Macht gelangen kann, tut dies auf Kosten anderer.

Die menschliche Kultur schwankt seit tausenden von Jahren immer zwischen zwei Gruppen. Die einen nutzen den Rassismus für ihre Ziele, die anderen haben den Rassismus als das erkannt, was er ist, unmenschlich. Die Menschen sind nicht alle gleich, sie dürfen auch nicht alle gleich gemacht werden, durch einen ideologischen Rasenmäher, der gleichzeitig die Köpfe all jener abtrennt, die sich ihm widersetzen. Aber der Mensch ist allein durch seine Existenz als Mensch ein Mensch. Nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, unabhängig seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seines Alters oder sonstiger biologische oder kultureller Kategorien.

Wir tragen diesen Kampf auch heute noch tagtäglich aus. Und er ist schwieriger geworden, als jemals zuvor, da Rassismen heute weit besser getarnt werden, als früher. Rassisten argumentierten stets damit, ja eigentlich das Beste zu wollen. Wer allerdings seinem Gewissen folgte, konnte zu allen Zeiten erkennen, dass etwa ein Kampf für die Reinheit einer weißen Rasse nichts Gutes in sich trug, sondern lediglich Ausdruck von Schwäche und Minderwertigkeitskomplexen war. Der Rassismus in dieser Form ist auch heute leicht zu erkennen, und wird – wenn ich es leider auch nicht für unmöglich halte – keine Möglichkeit mehr haben auf die Massen überzugreifen, wie das dem Antisemitismus oder auch den Rassismus gegen Schwarze gelungen ist. Schwieriger liegt der Fall schon, wenn der Rassismus sich erneut seinen alten Musters bedient, ja eigentlich das gute zu wollen, und zum Beispiel den alten weißen Mann trifft. Die Vorverurteilung aufgrund Hautfarbe, Alters und Geschlechts ist nichts anderes als linker Rassismus mit dem Argument den Unterdrücker von einst im Jetzt zu bestrafen. Wie jeder Rassismus trifft er aber nicht die wenigen, für die das vielleicht zutraf. Zum einen, weil diese Generation längst verstorben ist, zum anderen, weil auch alte weiße Männer in ihrer Mehrzahl nichts mit den realen und nicht realen Vorwürfen zu tun haben. Sie werden lediglich aufgrund ihrer Hautfarbe, Alters und Geschlechts angegriffen.

Linke werden diesen Rassismusvorwurf natürlich weit von sich weisen. Aber ähnlich wie auch Stalin Juden töten lies, weil sie Juden waren, oder 40 Jahre antifaschistische Erziehung ihr Finale in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen fanden, zeigt es lediglich, dass Rassismus kein rechtes Problem ist, auch kein linkes, sondern ein menschliches Problem.

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