Schamlosigkeit ist der Schlüssel zum politischen Sieg

Wenn am Ende die Linke gewinnen wird, hat sie das vor allem ihrer Schamlosigkeit sich auch mit den Dreckigsten ins Bett zu legen, zu verdanken.

Das Urproblem des alten Rechts-Links-Schemas ist es wahrscheinlich, dass sich dort kein einheitlicher Block befindet, sondern es dort vor Untergruppierungen oft nur so wimmelt. Schlagkräftig wird eine Seite jedoch nur dann, wenn sie sich vereint und gemeinsam voranschreitet. Oder mit anderen Worten, so wie es aktuell aussieht ist der Sieg den Linken erst einmal nicht zu nehmen.

Während sich konservativ-bürgerliche Gruppen nach rechts abgrenzen, also völlig zurecht keine gemeinsame Sache mit jenen machen, die in der Realität (und nicht in linken Fantasien) als Nazis bezeichnet werden müssen, hat die Linke das öffentlich Sag- und Vertretbare soweit nach links verschoben, dass man selbst Massenmörder wie Lenin weiterhin als Gallionsfiguren nutzen kann, ohne große öffentliche Proteststürme auszulösen.

Mit mörderischen Diktatoren gegen demokratisch legitimierte Politiker zu agieren ist kein neues Verhalten auf Seiten der Linken, es hat Tradition, seit die 1968er Ho-Ho-Ho-Chi-Minh kreischten und Mao-Bibeln hochhielten, als wären es Stickeralben. Der Mangel an Widerspruch, im Gegenteil, sogar die Rechtfertigung einer gewaltbereiten Antifa passt ebenso in dieses Bild.

Die linke Front steht! Und während man auf der Linken bürgerliche Politiker zu Nazis erklärt, sobald sich eine Aussage auch nur irgendwie in diese Richtung falsch verstehen lässt, stößt man eigene Genossen auch für die menschenverachtendsten Dinge nicht aus dem gemeinsamen Bett.

Rechts gibt es weit mehr Abgrenzungen, und zwar nicht, weil man von Linken geforderte Brandmauern hochzieht, sondern weil man sich bewusst ist, nicht mit jedem ins Bett steigen zu müssen, nur weil etwa der gemeinsame Feind eint. Und durchaus auch, weil man aus der Geschichte gelernt hat. Denn während die gemäßigte Linke vergessen hat, wie sie in den Ostblockstaaten von den Kommunisten gefressen und verfolgt wurde, ist uns Konservativen durchaus bewusst, dass auch wir unseren Blutzoll unter den Nationalsozialisten zu zahlen hatten.

Es ist aber auch eine Frage der Vernunft und des Anstandes, sich nicht mit jedem gemein zu machen, nur weil man gemeinsam rechts der Mitte steht. Aktuell sieht man es an rechts-libertären Kräften, die die Anti-Impfbewegung stellen. Eine Impfgegnerschaft aus Prinzip, ist kein Ausdruck von Freiheit, sondern ein Zeichen von Dummheit. Impfen ist keine linke Verschwörungstheorie, sondern eine medizinische Notwendigkeit. Mit derart dummen Menschen auf einer Seite zu stehen, erzeugt bei mir eine Scham, die der Linken weitgehend unbekannt geworden ist.

Es ist allerdings nicht nur die Schamlosigkeit, die der Linken einen Vorteil verschafft. Es ist auch die Tatsache, dass sie ohne jegliche intellektuelle Rechtfertigung existieren kann. Sicher, der Sozialismus ist ein ideologisches Systemgebilde, aber die Tatsache, dass er heute trotz seines vielfach nachgewiesenen Scheiterns mit einer solchen Vehemenz vorgetragen wird, lässt nur einen Schluss zu: die Linke braucht keine Evidenz, sie baut lediglich auf Emotion.

Die Rechte hingegen braucht einen intellektuellen Unterbau, und scheitert daran. Das liegt schon darin begründet, dass sie nicht mehr in der Lage ist, sich des libertären Giftes zu entledigen, dass sich tief in seine Adern gefressen hat, und zum Beispiel dafür sorgt, dass die amerikanischen Republikaner – einst große Konservative – zu einer Lachnummer verkommen sind. Zwischen Konservativen und Libertären kann es aber niemals eine Einigung geben, denn die einen kämpfen für eine „Freiheit für“, die anderen für eine „Freiheit von allem“. Es gibt kein einigendes Band, auch nicht Dinge wie der Patriotismus. Es mag schockieren, aber selbst unter den Linken gibt es aufrichtige Patrioten. Für den Libertären ist Patriotismus allerdings nur ein Deckmantel, unter dem sich die offensichtlichen Fehler ihres Denkgebäudes verbergen lassen.

Ein gemeinsamer intellektueller Unterbau ist so nicht möglich, selbst – ja selbst wenn nicht viele Vertreter der Rechten sich gerade dank der Sozialen Medien tagtäglich als stumpfsinnige Reaktionsmaschinen zeigen würden. Und ihre Reaktionen sind vorhersehbar, weil ihnen kein Nachdenken mehr zu Grunde liegt. Sicher, das gilt für die Linke genauso, aber wenn du nur auf Emotionen setzt, ist es nicht weiter schlimm, wenn du ein Dummkopf bist.

Es ist eine bittere Ironie, dass das rechte Lager deshalb unterlegen ist, weil es zu viele Köpfe aufweist, die noch in der Lage sind zu denken. Die dann mit Vehemenz eine Anti-Haltung vertreten, wenn es die Sache erfordert, die aber nicht gegen alles aus Prinzip sind.

Schreibe einen Kommentar