Emil Körner – Der Mann, der Preußen nach Chile brachte

Heute vor 100 Jahren starb Emil Körner, die Spuren des Preußen sind noch heute jeden Tag in der chilenischen Armee sichtbar.

Jeden September erinnert die Steuben Parade in New York an den maßgeblichen Einfluss preußischer Offiziere in der amerikanischen Geschichte. Eine andere historische Gestalt ist Emil Kröner, der 1885 als Hauptmann als Militärberater nach Chile kam, und am Ende dort zum Oberbefehlshaber des Heeres aufstieg.

Gleichwohl siegreich aus dem Saltpeterkrieg hervorgegangen, beschloss die chilenische Regierung 1884/85 sein Militär grundlegend zu reformieren. Der preußischen Siege in den Einigungskriegen, und der Sieg 1871 über Frankreich hatte in der Welt damals Eindruck hinterlassen, weshalb die Chilenen auch in Berlin um Militärberater baten. Es war der strategische Kopf hinter diesen Siegen, Generalstabschef Helmuth von Moltke, der damals den knapp 40jährigen Hauptmann und Lehrer an einer Militärakademie Emil Kröner empfahl.

Mit Körners Ankunft in Chile begann eine Beratungstätigkeit und schließlich auch ein Dienst in der Armee, der noch 100 Jahre deutlich sichtbar ist. Die Militärreform wurde nicht zu Unrecht bald als prusianización bezeichnet, die chilenische Armee wurde nach preußischem Vorbild neugeschaffen. Noch heute lässt sich in Chile ein Eindruck davon gewinnen, wie es wohl auch hierzulande aussehen würde, wäre Preußen nicht untergegangen. Nicht nur durch die Präsidentengarde, deren Uniformen denen der alten preußischen Dragoner gleichen.

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Von Ministerio Secretaria General de GobiernoFlickr: Izamiento gran Bandera Nacional, CC BY 2.0, Link

Körner gründete die erste Militärakademie und Unteroffiziersschule, er schuf einen Generalsstab nach deutsch-preußischem Vorbild. Im chilenischen Bürgerkrieg, der sich zwischen Anhängern des Parlaments und des Präsidenten abspielte, schlug er sich – wohl aus familiärer Verbundenheit – gegen den Willen von Wilhelm II auf die Seite des Parlaments. Dort stieg er zum General auf und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Anhänger des Parlaments am Ende den Sieg davon trugen. Angesichts dessen änderte dann auch der Kaiser seine Meinung wieder, und verlieh ihm den Kronenorden des Königreichs Preußens.

Als Körner 1910 nach Deutschland zurückkehrte, hatte er es in der Zwischenzeit bereits zum Oberbefehlshaber des Heeres gebracht. 25 Jahre prägte er das dortige Militär wie kaum ein anderer, und war eine maßgebliche Gestalt der chilenischen Geschichte. Und auch im 1. Weltkrieg war es wohl nicht zuletzt seinem Einfluss zu verdanken, dass Chile dem Druck der Alliierten standhielt und sich nicht nur neutral, sondern durchaus auch deutschlandfreundlich verhielt.

Am 25. März 1920 starb Emil Körner in Berlin, begraben wurde er in einem eigens für ihn errichteten Mausoleum in Santiago de Chile.

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