Die NFL-Halftimeshow und der Abgang der Republikaner

Bei all dem hübsch-hässlichen Powackeln von Shakira und Jennifer Lopez ist viele eines entgangen, in den USA steht ein politscher Wandel an.

Ich persönlich schätze die Chancen auf eine zweite Amtszeit von Donald Trump auf rund 60 bis 70 % ein. Die Chancen, dass seine Partei in den nächsten Jahrzehnten von der Bildfläche verschwindet, dürften aber auch nicht schlecht sein.

Die „Grand Old Party“ ist jünger als die Demokraten

Die Liste der republikanischen Präsidenten ist lang, und zum Leidwesen der Linken beginnt sie mit einem gewissen Abraham Lincoln, seines Zeichen jener Mann, der der Sklaverei in den USA ein Ende machte. Schlimmer noch, die Republikaner wurden 1854 unter anderem deshalb gegründet, um die Sklaverei zu bekämpfen. Während die Demokraten, damals auf der anderen Seite standen. Was wir heute als Gegensatz zwischen Republikanern und Demokraten sehen, also mehr oder weniger ein Rollentausch, ist historisch betrachtet noch gar nicht so lange her. Auch Theodore Roosevelt, Präsident von 1901 bis 1909 war Vertreter einer progressiven Partei, der Wandel setzt mehr oder weniger erst in den 1930er Jahren ein.

Doch trotz dieses politischen Wechselspiel sind die Republikaner im Kern immer eines geblieben, die Partei der weißen protestantischen Oberschicht. Und ehe die Demokraten, nun auf die linksliberale Seite gewechselt, ihre Liebe zu den Minderheiten entdeckten, waren auch sie nichts anderes. Dieser Wandel hat dafür gesorgt, dass es die Demokraten waren, die nicht nur einen Katholiken ins Weiße Haus schickten, sondern auch einen Schwarzen. Zu ihren jeweiligen Zeiten war das eine kleine Sensation. Und die Republikaner, sie blieben eine Partei der weißen protestantischen Oberschicht.

Für eine Veränderung bestand in den letzten 100 Jahren auch kein Anlass, reichte diese Kernwählerschaft doch immer wieder einmal als Grundlage für eine Mehrheit.

Wer sich die Karte der letzten US-Präsidentenwahlen ansieht, hat jenseits der beiden Küsten sichere rote Staaten gesehen. Aber es dominierte doch das Blau der Demokraten. Das am Ende der Präsident Donald Trump wurde, war dem amerikanischen Wahlrecht geschuldet, nicht einer Mehrheit der Bevölkerung. Oder mit anderen Worten, auch wenn die Zahl der Wahlmänner am Ende eine klare Mehrheit vorgaukelte, es war doch knapp. Hier ein Staat, da noch einer, und es hätte ganz anders aussehen können.

Die Spaltung der US-Gesellschaft ist abgeschlossen

In gewisser Weise verdankte Donald Trump seinen Sieg Barack Obama, dessen Wahl der Spaltung der politischen amerikanischen Gesellschaft den Schwung gab, der Trump reichte, jene Spaltung zu zementieren. Eine Spaltung, die zur Radikalisierung führt, die wiederum Trumps Wiederwahl sichert. Im Grunde haben die Demokraten nur die Wahl zwischen einem schwachen Gegenspieler, oder Bernie Sanders, der allerdings soweit links steht, dass die weiße Mehrheit sich erneut hinter Trump versammeln wird.

Also alles in Butter für die Republikaner? Nope, denn es gibt einen Faktor, der erbarmungslos am Ende der „Grand Old Party“ arbeitet. Die Demografie.

Amerika ist ein weißes Land, doch diese Zeiten neigen sich dem Ende zu. Die üblichen linksgrünen Verdächtigen haben die Halftimeshow beim Superbowl in der Nacht auf den Montag als eine Show der Vielfalt gefeiert. Dabei haben sie zwei Dinge komplett übersehen, das Fehlen von schwarzen oder asiatischen Amerikanern zum Beispiel. Und eine Botschaft, die – wenn vielleicht auch nicht so im Detail beabsichtigt – Jennifer Lopez aussandte, als sie hinter sich eine große puerto-ricanische Flagge ausbreitete, um zusammen mit ihrer Tochter „Born in the USA“ zu singen. Die Botschaft, die dahinter steckt, könnte auch einfach lauten: Wir sind die Zukunft!

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Es ist eine Frage der Zeit, bis die Mehrheit der Amerikaner nicht mehr von europäischen Einwanderern abstammen wird. Viele Prognosen deuten daraufhin, dass es bereits 2050 soweit sein wird. Zwar werden auch die Anteile der schwarzen und asiatischen Bevölkerung dann gestiegen sein, aber eher moderat, entscheidend ist eines: der Anteil der Latinos in den USA wird sich fast verdreifachen. Das wird dafür sorgen, dass das weiße Amerika nicht nur unter 50% fällt, sondern auf absehbare Zeit nicht einmal mehr die größte Bevölkerungsgruppe stellen wird.

Heute wählt die Mehrheit der Latinos die Demokraten, mit Alexandria Ocasio-Cortez haben sie eine neue Repräsentantin, die, egal was man von ihr hält, tatsächlich eine große politische Zukunft haben dürfte. Der einzige Haken, Ocasio-Cortez mag ihre Wurzeln betonen, aber in erster Linie ist sie keine Vertreterin der Latinos, sondern des linksgerichteten Blocks der Großstädte an der Ostküste und in Kalifornien. Die Mehrheit der Latinos ist – na ja, konservativ. Doch wie einst die Katholiken mag man zwar konservativ sein, aber die Realpolitik der Republikaner ließ einem oft keine andere Wahl, als die Demokraten zu wählen. Viele Katholiken haben sich aus dem linken Getto aufgrund der zunehmenden Radikalisierung in Wertefragen inzwischen ins republikanische Lager geflüchtet. Das viele Bewerber bei demokratischen Vorwahlen tatsächlich katholisch sind, täuscht. Sie sind nicht nur katholisch, sie sind vor allem auch alt. Sie werben auch nicht damit katholisch zu sein, was für manchen schon allein deshalb ein Problem wäre, weil Priester in den USA ihnen aufgrund ihrer Haltung in der Abtreibungsfrage die Kommunion verweigern. Je kirchentreuer, je republikanischer ist inzwischen eine Faustregel unter den weißen Katholiken in den USA geworden. Das alles heißt aber auch, sie wählen nicht republikanisch, weil sie plötzlich überzeugte Republikaner wären, sie tun es, weil sie nicht mehr vertreten können die Demokraten zu wählen.

Trump und die Republikaner nehmen sie gerne, ziehen aber nicht die richtigen Schlüsse daraus. Das breite Feld der Latinos liegt unbeackert brach. Wahltaktisch ist das schon heute eine Dummheit, könnte man hier doch das entscheidende Übergewicht gewinnen, um an jene Epoche der republikanischen Dominanz anknüpfen, die es nach Lincoln gegeben hat. Mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung ist die Ignoranz allerdings selbstmörderisch.

Kann es eine neue Partei geben?

Unser Blick auf die USA ist bezüglich des Parteiensystems oberflächlich. Vielleicht weiß mancher, dass es selbst dort Grüne gibt, gar Kommunisten, manchmal mischt ein dritter Kandidat bei den Präsidentenwahlen mit. Aber im Grund erscheint es von der anderen Seite des Atlantiks so, als hätte es in den USA immer nur Republikaner und Demokraten gegeben. Historisch ist das zu kurz gedacht, es gab gar mal eine Republikanisch-Demokratische Partei, der etwa Präsidenten wie Thomas Jefferson angehörten. Es gab Federalists, die George Washington stützten. Aber es ist auch richtig, das es in den USA noch um einiges schwerer ist, sich als neue Partei zu etablieren, als beispielsweise in Deutschland. Außer den Grünen und der AfD gelang dies keiner Partei, und beide hatten immer wieder Momente, in denen sie drohten doch wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Es gehörte beiderseits des Atlantiks zu den Stärken der Linken, über Differenzen hinweg als ein geeinter Block aufzutreten. Europa unterscheidet sich historisch nur darin, das sich früh mehrere linke Parteien bildeten, die zwar koalitionsfähig sind, einen gemeinsamen Block bilden, aber parteipolitisch auf ihre Unabhängigkeit achten. In den USA ist das anders, dort versammelt sich bei den Demokraten, was hierzulande von den Linken, über die Grünen bis zu den Resten der Sozialdemokratie reichen würde. Das dem Demokraten eine Konkurrenz erwachsen wird, ist extrem unwahrscheinlich. Bei den Republikanern allerdings …

War es schon immer die Schwäche der Republikaner Minderheiten (oder künftige nicht-weiße Mehrheiten) zu integrieren, befindet sich die Partei heute in einem Zustand, den man selbst amerikanischen Verhältnissen nach nur mehr schlecht als recht als Partei im eigentlichen Sinne bezeichnen könnte. Es mag einen Ted Cruz geben, der als Konkurrent von Donald Trump bei den letzten Vorwahlen antrat, allerdings kann man die kubanische Gemeinde aufgrund ihrer Geschichte hier als die berühmte Ausnahme bezeichnen, die die Regel bestätigt. Es mag junge Hoffnungsträger wie Ben Shapiro geben, denen eine Integration glaubhaft gelingen könnte. Aber, es gibt eben auch Donald Trump, der vielleicht als Totengräber der Republikaner in die Geschichte eingehen könnte.

Denn auch die Republikaner haben mit der europäischen Rechten, den Konservativismus eingeschlossen, ein Problem. Sie decken anders als die Linke zwei komplett widersprüchliche Ideologien ab. Auf der einen Seite stehen verantwortungsbewusste Sozialkonservative, auf der anderen Seite Libertäre. Während die einen zwar keinen Staat wollen, der den Bürgern vorschreibt, was sie zu tun haben, aber dennoch die Verantwortung anerkennen, die der Staat für seine Bürger hat, träumen Libertäre von einem – wie soll man sagen – staatenlosen Staat. Blickt man auf Deutschland, sieht man eine CDU und CSU, die dieses Problem halbwegs ausgleichen können, und eine AfD, die ein ums andere Mal ihren anstehenden Rentenparteitag verschiebt, um nicht Gefahr zu laufen Gräben aufzureißen. In den USA jedoch dürfte seit der „Tea Party“-Bewegung klar sein, das der libertäre Spaltpilz die Republikaner befallen hat und wächst.

Mag das republikanische Washington in dieser Woche in Form seiner Senatoren ihre Treue zu Trump in Form eines Freispruchs des Impeachment Verfahrens erneut unter Beweis gestellt werden, nicht wenigen ihrer Wähler wird das klammheimlich unangenehm sein. Das konservative Amerika wird gerade in den deutschen Medien einzig und allein durch Trumpisten dargestellt. Der durchschnittliche Trump-Wähler hat aus Sicht deutsche Medien kein Anrecht darauf, dass man sich mit seiner Ansicht auseinandersetzt, sondern darf bloßgestellt werden. (Und lässt sich allzu oft auch allzu einfach bloßstellen.) Konservative Köpfe wie den bereits erwähnten Shapiro findet man hierzulande nur in den wenigen verbliebenen nicht linksgrünen Medien.

Eine endgültige Spaltung der heutigen Republikaner in eine konservative und eine libertäre Partei ist möglich. Und es genügen einfache Grundlagen der Mengenlehre, um zu wissen, was dabei herauskommen wird. Eine Dominanz der geeinten Linken. Eine Integration der Latinos hingegen wäre vielleicht die einzige Möglichkeit die – nicht selten vor allem durch das Kapital erkaufte – Stärke der Libertären innerhalb der Republikaner wirksam bekämpfen.

Die Ironie der Geschichte allerdings, wird vielleicht darin liegen, dass die Wiederwahl von Donald Trump zu einem Pyrrhussieg für die Republikaner wird, die diese Chance auf Jahrzehnte hinaus verspielen kann.

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