Der synodale Weg – Die Geister werden bleiben

Nun also hat es begonnen, doch egal wie der synodale Weg des deutschen Teils der Katholischen Kirche enden wird. Es wird eine große Verliererin geben.

Von welcher Seite man den synodalen Weg auch betrachtet, er scheint schon jetzt etwas ultimatives an sich zu haben. Für die alten weißen Männer und Frauen ist es vielleicht die letzte Chance ihre eigenen Interpretationen des II. Vatikanischen Konzils endlich offiziell durchsetzen zu können. Für andere ist es ein Alptraum, an dessen Ende nicht weiter als ein neues Schisma eine Wunde in den Leib der Kirche treiben wird. Das Ende mag offen sein, aber ebenso kann es als sicher gelten, dass die Gewinner nicht zufrieden, und die Verlierer gedemütigt von dannen ziehen. Egal, wer nun welche Rolle bekommen wird.

Wenn man Kardinal Marx wohlwollend interpretiert, und ich gestehe, leider fällt mir das von Mal zu Mal schwerer, dann ist zumindest bei ihm zu Beginn der auf zwei Jahre angelegten Veranstaltung ein wenig Realismus eingekehrt. Spricht er doch im Zusammenhang bei den erwünschten Reformen von einem „realistischen Plan“, und gesteht, das die Priesterweihe für Frauen nun nicht im Bereich des Möglichen liegen würde. Man hört sie im Hintergrund rufen, die alten Frauen von Maria 2.0: „Das wollen wir erst einmal sehen.“ Vielleicht ist Marx jetzt endlich bewusst geworden, dass sein Weg des geringsten Widerstandes, der zwanghafte Versuch nirgends auch nur scheinbar anzuecken, bei den Ewiggestrigen unter den sogenannten Progressiven Hoffnungen geweckt hat, die zu erfüllen er nicht in der Lage ist. Man könnte ihn fast bedauern, diesen Zauberlehrling, der sich übernommen hat und vielleicht insgeheim nach Rom sieht, in der Hoffnung, man würde ihm helfen die Geister wieder einzufangen. Goethe’s Herr, die Not ist groß! / Die ich rief, die Geister / Werd ich nun nicht los. als Stoßgebet, sozusagen.

Auch der Gegenwind ist dem Kardinal inzwischen bewusst geworden, so scheint er mit dem Vorsitzenden des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, vereinbart zu haben, den Gesprächsbereiten zu geben.

„Wir wollen nicht mehr gegeneinander, und der eine über den anderen reden“, sagte Kardinal Reinhard Marx während der Pressekonferenz zur Eröffnung am Donnerstag in Frankfurt. 

Quelle: katholisch.de

Wie man dagegen miteinander reden will, bleibt ungeklärt, sind jene 230 Mitglieder der Synodalversammlung, die für sich in Anspruch nehmen über die Zukunft des Katholizismus in Deutschland zu bestimmen, doch vor allem das Ergebnis eines Jahrzehnte langen Aussiebprozess von allem, was modernistischen, dem Zeitgeist entsprechenden Interpretation des II. Vatikanischen Konzils widerspricht. Dem Zeitgeist huldigende Theologen, eingeschüchterte, glaubensschwache Kleriker und die versammelte Wucht des deutschen Verbandskatholizismus. Die Konfliktlinien in dieser Versammlung werden nicht anhand von Meinungen gezogen, sondern zwischen jenen, die wissen war ohne einen Bruch mit Rom möglich ist, und jenen, denen das gleichgültig ist.

Den Bad Cop mimt mit zunehmender Begeisterung weiterhin Thomas Sternberg, dessen Zentralkomitee der Katholiken mit 69 Teilnehmern eine bedeutende Gruppe stellt. Die Art und Weise, inwiefern das ZdK für die deutschen Katholiken spricht ist kompliziert. Eine demokratische Legitimation lässt sich mit ganz viel Wohlwollen ableiten, auch wenn den wenigsten Katholiken ihre Rolle dabei bewusst sein dürfte. Im Grunde stellt das Zusammenkommen des ZdK vor allem sicher, das nur Verbandskatholiken eine Rolle spielen. So das, egal wie man zum ZdK steht, das zwar offiziell von der Deutschen Bischofskonferenz als Laienorganisation der deutschen Katholiken anerkannte Gremium, spiegelt die Meinungen unter den deutschen Katholiken in keinster Weise wider.

Aber zurück zu Thomas Sternberg, der bekanntermaßen mit dem Schlagwort „Rechtskatholizismus“ gerne die kaum getarnte Nazikeule schwingt, um Kritik im Keim zu erschlagen. Opfer solcher Attacken sind katholische Laien, die es seinem Verständnis nach gar nicht geben dürfte. Aber auch widerspenstige Bischöfe nimmt er vorsorglich schon einmal ins Visier:

Mit Blick auf die nötige Zweidrittelmehrheit von Bischöfen bei der Beschlussfassung sagte Sternberg: Wenn es zu so einer Mehrheit komme und einzelne Bischöfe die Beschlüsse dennoch nicht umsetzten, müsse man „die Frage nach deren Verständnis von Synodalität stellen“.

Quelle: katholisch.de

Nun mag Synodalität an sich durchaus ein hohes Gut sein, es ist aber nicht die oberste Instanz für das Handeln eines einzelnen Bischofs. Darüber stehen schon noch ein paar ganz andere Dinge, das Gewissen, die Lehren der Kirche, der Glaube – und wäre ja noch einer, der so gar keine Rolle im vorgefertigten Programm des synodalen Weges spielt. Wie hieß er gleich, richtig, Gott.

Der große Geburtsfehler der gesamten Veranstaltung ist, dass sie voraussetzt, was nach den Befürchtungen vieler am Ende dieses Prozesses stehen könnte: eine weltliche, gar säkulare Kirche. Ein eigetragener Verein, so wie es das ZdK heute schon ist, nur mit Weihrauch und Vereinsgedenktagen, an denen man frei hat. Es geht um die Organisation der weltlichen Kirche, um Geschlechtergerechtigkeit, um einen Anteil an den Geldtöpfen. Die Abwesenheit des Evangeliums, des Glaubens ist vielsagend. Der Fingerzeig von Papst Franziskus wurde umgedeutet wo es ging, verschwiegen, wo es nötig war. Die gleichgeschalteten offiziellen Bistumsmedien waren dabei ebenso hilfreich, wie eine säkulare Presse, die sich auch in dieser Frage lieber einer Seite zugeschlagen hat, als objektive Berichterstattung zu betreiben. In den Hochzeiten von Maria 2.0 war dies überdeutlich zu sehen, wenn man schon berichtete, konnte man Reporter und Aktivisten kaum voneinander unterscheiden. Und manchmal gab es auch keinen Unterschied.

Was den Katholiken in Deutschland nun bevorsteht, sind zwei lange Jahre des Selbstzerfleischung. Zwei lange Jahre, in denen es nicht darum gehen wird, was Kirche wirklich ist, und schon gar nicht, um Jesus Christus, dessen Kirche sie ist. Durch und durch in der diesseitigen Weltlichkeit verwurzelte Interessensgruppen werden versuchen ihre egoistischen Agenden durchzubringen, und am Ende wird der Kirche ein schmerzhafter Aderlass bevorstehen, bei dem nur die Frage offenbleibt, wer sich gezwungen sieht die Kirche zu verlassen. Jene, die feststellen, dass Fragen wie jene des Zölibats für die Katholische Kirche selbst nicht zur Diskussion stehen. Oder jene, die an die eine Katholische Kirche glauben, und nicht an ihre nationalkirchliche Variante. Im Detail mag noch nicht feststehen wer alles zu den Gewinnern und Verlieren zählen wird. Nur eine Verliererin steht bereits vom ersten Tag an fest, die Kirche selbst.

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