Der stetige Niedergang der deutschen Medien

Die einen sagen Lügenpresse, die anderen Lückenpresse – dabei haben sich deutsche Medien weit von dem entfernt, was Presse sein sollte.

Es ist unterm Strich eigentlich egal ob die deutschen Medien nun wissentlich lügen oder bewusst Dinge verschweigen, streng genommen tun sie weder das eine noch das andere. Wobei die Betonung oft auf „wissentlich“ und „bewusst“ liegt. Doch der Reihe nach …

Eine komplett neutrale Presse gibt es nicht, und gab es so auch nie. Das war auch nicht weiter schlimm, weil das Medienangebot weit genug gefächert war. Es gab einmal eine Zeit, in der man morgens in der Straßenbahn saß, und anhand der Zeitung des Gegenübers sehen konnte, ob dieser ein Linker, Liberaler oder Konservativer war. Es gab im Fernsehen Politikmagazine, die man sich ansah, und welche, die man sich höchstens ansah, um sich darüber aufzuregen. Damals konnten sich die Zuschauer in viele unterschiedliche Gruppen aufteilen, heute gibt es nur noch jene, die die Einheitssoße löffeln und jene, die sich dagegen wehren. Es ist bedeutungslos geworden, welche Medien konsumiert werden, es gibt keine Unterschiede mehr, sondern nur noch eine Richtung, in die alle marschieren.

Linktipp: In der Basler Zeitung erschien kürzlich der Artikel Die Schande von Connewitz, der besonders drastisch vor Augen führt, wie tief der deutsche Journalismus gesunken ist.

Exkurs: Meine hiesige Lokalzeitung, die Main Post, galt einst als tiefschwarz. Inzwischen habe ich sie sogar schon einmal vor den Presserat gebracht, weil sie Artikel von politischen Aktivistinnen über deren eigene Aktionen veröffentlichen, ohne dies auch nur zu kennzeichnen. Die folgenden lahmen Entschuldigungen führten dazu, das der Presserat deshalb nur einen Hinweis als Tadel aussprach.

Der Niedergang der Alten Medien

Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort ist erschreckend einfach: Zum einen herrscht bei den traditionellen Medien die nackte Angst ums Überleben, zum anderen fand innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte eine politische Vereinheitlichung statt, die jegliche Pluralität von vornherein verhindert.

Es wird gern übersehen, dass der Niedergang der gedruckten Zeitung schon vor dem Durchbruch des Internets begann. Die Gründe sind also an sich komplizierter, aber es ist einfacher nur auf einen Schuldigen zu zeigen. Und es ist auch nicht zu leugnen, dass das Netz für die klassischen alten Medien von Beginn an ein Problem war. Oder eigentlich lag das Problem damals wie heute darin, dass den Verantwortlichen keinerlei Idee kam, wie man im Netz erfolgreiche Geschäftsmodelle aufbauen kann. Selbst Verlage wie Springer, die dank des Netzes erfolgreich sind, verdienen ihr Geld mit anderen Angeboten, nicht mit bild.de oder der Welt. Weder konnten die erhofften Werbeeinnahmen, noch die Bezahlschranken das finanzielle Loch stopfen. Schlimmer noch, seit einigen Jahren gibt es Alternativangebote, die nahelegen, dass man auf die Online-Ausgaben der alten Medien auch verzichten könnte. Statt innovative Ideen zu entwickeln, sah und sieht man vielerorts das Internet nach wie vor als Zweitverwertungsmedium. Das ist natürlich ein Problem, denn das Publikum, welches sich im Netz informieren möchte, ist netzaffin, während die Angebote der Zeitungen nur jene überzeugen könnten, die – na ja, die gedruckte Zeitung kaufen, statt ins Netz zu gehen. Doch die werden immer weniger.

Nun sind Menschen in den Medien natürlich auch Menschen, und wie viele Menschen, scheinen auch sie die Schuld nicht im eigenen Versagen, sondern im Verhalten der anderen zu suchen. Nicht die Zeitung ist schuld, sondern die Leser. Und natürlich vor allem das Internet, wo doch nur Fake-News und Schund zu finden ist. Das es sich mit so einer Einstellung natürlich endgültig mit den innovativen Konzepten erledigt hat, versteht sich von selbst.

Nun ist es aber für die Betreffenden relativ egal, wen sie für den Schuldigen halten, ihnen droht das finanzielle Aus. Eine Stimmung der Angst hat sich in den Medien breit gemacht, die selbst jene in der Branche erfasst hat, deren Pensionen sicher sind:

Die finanzielle Situation vieler Freien ist beim Öffentlichen Rundfunk, und vor allem bei Zeitungen seit Jahren schon nicht mehr beneidenswert. Das war einer der Gründe, warum ich diesen Weg nicht gegangen bin. Wer es jedoch zum „festen“ freien Mitarbeiter oder gar zum angestellten Mitarbeiter geschafft hat, verdient kein Vermögen, ist aber im Vergleich zu den meisten in Deutschland Beschäftigten nicht in der Position sich zu beschweren.

Deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass es genau dieses diffuse Gefühl der Angst ist, das Journalisten antreibt. Eine Angst, die sie selbst nicht gelten lassen wollen, wenn es um die Gründe für die Wahlerfolge der AfD geht.

Deutsche Redaktionen sind ergrünt

Das liegt natürlich auch daran, dass die Grünen eine 2/3 Mehrheit holen würden, könnten lediglich Journalisten zur Wahl gehen. Die Zuneigung zu links-grün unter den deutschen Journalisten ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie selbst in der Welt-Redaktion bei Springer die Mehrheit stellen. Irgendwann in den letzten Jahren scheint das Verhältnis dann endgültig gekippt zu sein. Will sagen, es gab einen Zeitpunkt, ab dem die Gruppe in sich so geschlossen und so zahlreich war, dass sie Andersdenkende ausschloss und sich nur noch selbst vermehrte. Und mit der Abwesenheit des Anderen, verschwanden auch jegliche Chancen auf andere Blickwinkel oder Selbstreflexion. Und wenn dann doch einer ins Zweifel kam, blieb für ihn nur reumütig zurückzukehren oder die Ächtung. Eine Ächtung, die natürlich um einiges härter und brutaler ausfallen muss, als bei jenen, die schon immer der Gegner waren.

In deutschen Redaktionen läuft also genau jener Filterblaseneffekt ab, den sie – ja auch nicht zu Unrecht – den Diskussionen im Internet vorwerfen. Man bestärkt sich gegenseitig selbst, und wer etwas werden will, muss noch eines draufsetzen. Das erklärt Karrieren wie die von Georg Restle, der an sich sicher kein schlechter Mensch oder Charakter, dem aber jegliche Fähigkeit von Selbstreflexion abhanden gekommen ist. Es ist ein Prozess, wie bei einer Sucht, die Dosis muss immer erhöht werden, weil der Stoff sonst seine Wirkung verliert.

Die Spaltung wird vorangetrieben

Diese Entwicklung sollte uns Sorgen bereiten, denn es gibt eben nicht nur jene Konsumenten, die einfach aufnehmen was sie sehen und für bare Münze nehmen. In einer Zeit, in der selbst sogenannte „Faktenchecks“ mit einfachen Mitteln als falsch widerlegt werden können, weil nicht die Fakten, sondern die vorher festgelegte Botschaft übermittel werden sollten, ist der Vorwurf der „Lügenpresse“ oft genug belegbar geworden. Das heißt nicht, dass die Medien an sich lügen, aber je öfter sie einer Täuschung überführt werden, desto weniger Glaubwürdigkeit haben sie generell. Ähnlich ist es mit Vorwürfen der „Lückenpresse“. Klassisches Beispiel ist die Täterherkunft bei Verbrechen, deren Verschweigen heute den negativen Aspekt hat, dass kurze Zeit später die Herkunft dennoch bekannt wird, man den Medien aber vorwerfen kann, sie hätte es absichtlich verschwiegen. Was im Prinzip falsch ist, denn das Verschweigen der Täterherkunft, bis zu einem gewissen Grad, entspricht einer journalistischen Tradition, die auch vor 2015 schon galt. Wenn man aber etwa, wie bei vielen Meldungen des BR’s, eine nicht-deutsche Täterbeteiligung daran erkennt, dass in den anderen Meldungen der deutsche Täter betont wird, bekommt das ganze noch eine andere Note.

Das eigentliche Problem liegt aber in der erwähnten Tatsache, das es oft nicht mehr um die Berichterstattung geht, sondern um eine zu vermittelnde Botschaft. Das Weltbild zählt, nicht das Bild an sich. Im oben verlinkten Artikel der Basler Zeitung zeigt sich ein solcher Fall besonders krass, in der Beschreibung der in einem Video zu sehenden Gewaltexzesse von Connewitz, die Journalisten der Zeit dazu abgaben. Man kann es wie folgt verdeutlichen:

Das sich jemand hinstellt, und wider der zu sehenden Bilder durch seine Verharmlosungen eine völlig andere Botschaft vermittelt, als jene, die in den Bildern dargestellt wird, spricht für eine Realitätsferne, die ihn eigentlich für seinen Job disqualifizieren sollte. Da es aber niemanden mehr zu geben scheint, der nicht die gleiche Botschaft verkünden möchte, kann es auch niemanden geben, der daraus Konsequenzen zieht – oder auch nur darauf hinweist.

Und wenn jemand dann doch ausschert, wie WDR-Intendant Tom Buhrow etwa in der hochgeputschten „Umweltsau“-Casa, bekommt er den Zorn zu spüren. Stellvertretend sei der Ober-Irokese des deutschen Internets zitiert:

„Aber die Debatte hatte auch etwas Gutes, sie hat nämlich offenbart, dass Tom Buhrow komplett untauglich für die WDR-Intendanz ist. Sowohl sein Wissen über digitale Öffentlichkeiten als auch sein Rückgrat bestehen offensichtlich aus Antidiamant, dem weichstdenkbaren Material der Welt. Man stelle sich eine Sekunde lang vor, wie Werk und Leben von Jan Böhmermann verlaufen wären, wenn er derart angstgetriebene Vorgesetzte gehabt hätte. Buhrow hätte Böhmermanns Kopf wahrscheinlich auf einem güldenen Tablett aus purem Gold persönlich in den Präsidentenpalast nach Ankara gebracht und sich bei der Übergabe für die Existenz des WDR, Kölns und der EU entschuldigt.“

Quelle: Sascha Lobo bei Spiegel.de

Mit Diffamierungen dieser Art erhält man natürlich innerhalb seiner eigenen Filterblase, in diesem Fall „Die Guten, die gegen das Böse, also alle anderen kämpfen“, den erwünschten Applaus. Dabei könnte man auch fragen, was Sascha Lobo vom Twitter-Mob unterscheidet, außer dass er durch seine Frisur Farbe in langweilige Diskussionssendungen bringt, und deshalb als „Internetexperte“ eingeladen wurde. Obwohl mir jetzt eigentlich kaum ein Fakt bekannt ist, in dem er sich durch eingetretene Vorhersagen oder eigene Ideen hervorgetan hätte. Das ist heute allerdings auch nicht weiter wichtig. Natürlich ist es sinnvoll die Botschaft durch telegene Gesichter zu vermitteln, im Zweifel könnte aber auch ein wiedergeborener Joseph Goebbels heute mediale Erfolge einfahren, so lange er sich nur für Gender und Multikulti engagiert.

Nicht alle wenden sich nur ab

Menschen wie ich wenden sich deshalb von den etablierten Medien ab. Ich war zum Beispiel lange ein absoluter Fan des Morgenmagazins von ARD und ZDF. Heute ist der belehrende Ton dort so unerträglich, dass ich die Konkurrenz bei SAT 1 sehe. Dort gibt es zwar nur Boulevard und sogar Horoskope, aber zumindest haben die Sterne keine politische Botschaft.

Andere werden radikaler. Und damit meine ich nicht nur kreative Ideen, keine GEZ mehr zahlen zu müssen. Die sich nach oben schraubende Dreistigkeit vieler deutscher Medien, erleichtert es ihren Gegnern die Aggressionen gegen die Medien aufzuputschen. Das wiederum erleichtert es den Medien ihre Feindbilder nicht nur zu pflegen, sondern noch stereotyper zu machen. Was wiederum …

In einer Gesellschaft, die sich nicht nur spaltet, sondern in der es an vielen Stellen schon köchelt, bräuchte es Medien, die durch objektive und ehrliche Berichterstattung versucht durch die Faktenlage Dampf aus dem Kessel abzulassen. Stattdessen betätigen sich allzu viele Journalisten darin, das Feuer kräftig zu schüren – für die gute Sache, als ihre Sache.

Kommentare

Ich habe (zu lange) dagegen gehalten. In den letzten Jahren wurde mir klar, wie verhängnisvoll diese Entwicklung für die Demokratie ist. Mir ist es egal, wenn diese Lappen ihre Existenz verlieren. Sicher haben sie irgendwann mal in dem Glauben damit angefangen, das Richtige zu tun. Aber alle sind mehr oder minder kluge Leute, die wissen sollten, was sie da anrichten. Aber sie sind ihrer so sicher, dass sie keinen Gedanken daran verschwenden. Oder hat sich so einer wie Restle je für einen seiner Ausreißer entschuldigt? Ich glaube nicht. Und gemäßigt tritt er auch nicht auf. Die Sicherheit und der finanzielle Komfort für solche Leute hindert sie offensichtlich.

Schreibe einen Kommentar