Werte Union – Langsam seid ihr peinlich

Sie sind nicht zahlreich, aber sie sind laut und mitunter argumentativ überfordert, auch deshalb werden sie von den linken Medien geliebt.

Die Werte Union innerhalb der CDU/CSU ist wohl so etwas wie der gescheiterte Versuch dem Konservativismus innerhalb der beiden Unionsparteien wieder zu mehr Bedeutung zu verhelfen. Es ist ein kleines Grüppchen, den man allerdings auch Bewunderung zollen kann, da dieses Unternehmen innerhalb der Merkel-CDU, was die Union trotz AKK letztlich immer noch ist, von Beginn an zum scheitern verurteilt war. Die klügeren Köpfe unter den verbliebenen konservativen Köpfen in der Union, halten sich bedeckt und beginnen die Strippen für die Nach-Merkel-Zeit zu ziehen.

Die Werte Union unterdessen tut sich vor allem durch Lautstärke hervor, weniger durch real spürbaren Einfluss auf die Führung der Partei. Man ist aber leider nicht nur laut, sondern oft auch argumentativ überfordert. Das sind negative Merkmale, die natürlich die links-liberalen Medien magisch anziehen. Bieten solche Gruppierungen doch die einfache Möglichkeit sich keinem argumentativ gewachsenen konservativen Gegner stellen zu müssen, dafür aber den Feind vorführen zu können.

Die bayerische Sektion der Werte Union hat heute wieder so ein Meisterwerk vollbracht, das bürgerlich-konservativen Kräften die Fremdschamröte ins Gesicht treibt:

Nun kann zwar niemand leugnen, dass die Sonne auf das Klima der Erde einen wesentlichen Einfluss ausübt, ebenso aber eben auch der CO2-Gehalt in der Atmosphäre. Die Werte Union sieht das anders … das kann man, aber ist dann halt falsch.

Dieser Fall lohnt sich aber dennoch, denn man kann an ihm exemplarisch sehen, wie es mit den „quantenphysikalischer, atmosphärischer und astronomischer Studien“ wirklich steht, die vom Leugner der menschengemachten Klimawandels ins Feld geführt werden. Die bayerische Werte Union suggeriert zwar, dass sich immer mehr Wissenschaftler der These anschließen, der Klimawandel sei nicht vom Menschen gemacht, in der für Klimaleugner relativ mickrigen Linkliste finden sich jedoch lediglich die üblichen, alten und längst widerlegten Klassiker.

Martin Durkin’s Fantasydokumentation „The Great Global Warming Swindle“ darf natürlich nicht fehlen, die Widerlegung findet sich z.B. hier. Und da wäre natürlich Michael Limburg, studierter Elektrotechnik-Ingenieur, der sich im Rentenalter selbst zum Klimaforscher weitergebildet hat, und im Europäische Institut für Klima & Energie, kurz EIKE e.V., eine führende Rolle spielt. EIKE wiederum wird vom US-Amerikanischen Heartland Institut finanziert, ein sogenannter Think Tank, dessen eigentliche Aufgabe es allerdings zu sein scheint den Klimawandel zu leugnen, ohne jedoch wissenschaftlich haltbare Beweise zu liefern. Wer allerdings von Phillip Morris und der Koch Foundation finanziert wird, dürfte das mit einem verdammt hohen Marketingbudget ausgleichen können. Ach ja, und dann wäre da noch irgendein Physiker, der 2009 mal was gesagt hat, von dem man aber seit 2009 auch nix mehr gehört hat. Das übliche Blabla eben.

Als Konservativer irritieren mich ja immer jene, die behaupten konservativ und liberal zu sein. Ich bin der Ansicht, das geht nicht. Man kann ja auch nicht Atheist und Christ sein, oder Kapitalist und Kommunist. Da schließen sich zwei Dinge einfach aus. Allerdings ist das immer ein Hinweis auf die Beweggründe solcher Akteure, und in der Tat befürchtet die Werte Union auch eine „Deindustrialisierung“ und ein Ende der Marktwirtschaft. Jetzt könnte man natürlich den Schocker loslassen, und daraufhinweisen, dass wir in einer Dienstleistungsgesellschaft leben, die unter den Druck der Digitalisierung steht. Will sagen, die Deindustrialisierung ist seit Jahrzehnten im Gange. Und man muss auch kein Sozialist sein, um zu bemerken, dass der immer ungezügeltere Kapitalismus und die bloße Finanzwirtschaft ohne sachlichen oder dienstleisterischen Gegenwert dazu führt, dass ein derart großes Ungleichgewicht zwischen den Marktteilnehmern entsteht, welches die Marktwirtschaft, zumindest im eigentlichen Sinne des Marktes, unmöglich macht. Wie viele andere, spielt auch hier die Werte Union lediglich das Spiel der globalen Finanzelite, wenn sie vorgibt für die Marktwirtschaft einzutreten, sich aber defacto zumindest propagandistisch an ihrer Zerstörung beteiligt.

Eine interessante Frage, die mich dabei immer umtreibt, habe ich im obigen Tweet polemisch formuliert. Wissen diese Akteure von den realen Hintergründen, profitieren aber davon, und vertreten sie deshalb nach außen? Oder sind sie selbst Opfer der durchschaubaren Lügen geworden?

Zweifellos herrscht in der Klimafrage in der Gesellschaft eine künstlich erzeugte Hysterie. Im Gegensatz zu vielen anderen Rechten halte ich das aber für ein notwendiges Übel, da die letzten zwei bis drei Jahrzehnte, in denen vor allem die Wissenschaft es immer und immer wieder auf dem Wege der Vernunft versucht hat, ganz offensichtlich völlig wirkungslos geblieben sind. Der Mensch hält sich für ein von der Vernunft geleitetes Wesen, die menschliche Geschichte widerlegt diese Meinung denke ich doch recht deutlich. Das eigentliche Problem liegt in der Unfähigkeit der Regierung dieses Momentum zu nutzen. Statt wirkungsvoller Entscheidungen, setzt man auf reine Symbolpolitik, die doch niemanden wehtut.

Das diese Hysterie von linken Kräften getragen wird, die sich dem ursprünglich konservativen Wert des Bewahrens von Gottes Schöpfung bemächtigt haben, für die rechte Contra-Position sein. Und ist man erst einmal dagegen, nimmt man willfährig jedes noch so lächerliche Argument auf, um die eigene Position zu stützen. Engelbert Recktenwald stellte kürzlich in der Tagespost mit Bezug auf Robert Spaemann zurecht fest, dass zwar an der Instrumentalisierung Anstoß nehmen kann, wenn man aber die Sache aus den Augen verliere, oder unter Ideologieverdacht stelle, verfalle man derselben Korruption des Denkens wie der Gegner, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Der Klimawandel ist ein Paradebeispiel dafür, dass eine Gruppe ihn allein deshalb für ein Hirngespinst hält, weil der politische Gegner von diesem Thema profitiert.

„Solches Denken war Spaemann fremd. Er war ein kontemplativer Mensch, der unvoreingenommen auf die Sache blickte. Diesen Blick wollte er sich nie aus taktischen Interessen trüben lassen. Es sind gerade unsere eigenen Interessen, die die größte Gefahr für die Unbestechlichkeit unseres Blicks darstellen. Wir sind uns selbst der größte Feind. Wir sind selber das erste Opfer jenes Selbstbetrugs, der in der Vernachlässigung einer sachlichen Einstellung besteht, die Josef Pieper, ein Geistesverwandter Spaemanns, als unaufgebbaren Teil der Klugheit herausgearbeitet hat.“

Quelle: Die Tagespost, 22.12.2019

Freilich ist das heute schwerer denn je, diese Sache mit der Unvoreingenommenheit. Wir leben in einer Zeit, in der Wahrheiten nicht mehr aufgrund ihres Wahrheitsgehaltes gültig sind, sondern es von ihrer Gefälligkeit abhängt. Das gilt für alle Seiten, bekanntlich haben auch die Grünen immer noch das Problem in Sachen Klimawandel zurecht auf die wissenschaftlichen Belege zu pochen, in Sachen Homöopathie aber dem Grundsatz zu frönen, „Wer braucht Wissenschaft, es funktioniert doch“. Allein, solange die Kosten für Homöopathie nicht der Allgemeinheit auferlegt werden, ist es jedermanns eigenes Problem überteuerte Zuckerpillchen oder bis ins physikalische Nichts verdünnte Wässerchen zu schlucken. Die Sache mit dem Klimawandel allerdings, ist ein ganz anderes Problem. Davon sind wir alle betroffen.

Kommentare

Es ist längst so, dass mir die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel viel mehr Sorgen macht als die möglichen Folgen. Das mag etwas kurz gesprungen sein, ist aber so.

Die meisten Menschen sind offenbar nicht dazu in der Lage, aus Erkenntnissen vernünftige Handlungen abzuleiten. Oder wie es jemand kürzlich gesagt hat: Jeder Mensch versteht, was gegen den Klimawandel zu tun wäre, die Menschheit versteht es nicht.

Thomas Matterne sagt:

Ich glaube umgedreht wird ein Schuh draus. Die Menschen an sich haben schon begriffen, dass der Klimawandel existiert und das gehandelt werden muss. Aber jeder für sich handelt nicht. So ähnlich wie in der Organspendenfrage. Die Mehrheit hält es für sinnvoll einen Organspendeausweis zu haben, aber der Erkenntnis folgt nicht die Tat, und man trägt eben keinen Organspendenausweis mit sich. Beim Klimawandel ist es doch ähnlich. Ja, wir müssen handeln, jetzt! Aber das Kind muss doch die 1000 Meter in die Schule gefahren werden, und der All-Inklusiv-Urlaub in Hurghada ist doch ein Schnäppchen, das man sich nicht entgehen lassen kann.

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