Jan Böhmermann, Pausenclown der Generation Merkel

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. Aber die Frage ist ja auch nicht, ob Jan Böhmermann witzig ist, sondern über was und mit welchen Mitteln er seine Witze macht.

Wer über Jan Böhmermann schreibt, kommt nicht um die alte Falle des Konservativismus herum, die bekanntlich in den Worten formuliert ist: Früher war alles besser. Aber Vergleiche seien erlaubt, auch wenn der Vergleich zwischen Jan Böhmermann und Loriot, wie es das Corona Blog tut, natürlich hochgradig unfair ist. Jeder, der mit beiden Namen etwas anfangen kann, und sie vergleicht, weiß wie meilenweit ein Böhmermann vom Grandseigneur deutscher Unterhaltung entfernt ist. Ich würde mal schätzen, die Entfernung von der Erde zum supermaßereichen schwarzen Loch in der Mitte unserer Galaxie könnte die Entfernung ungefähr wiedergeben.

Aber genug der Albernheiten, denn bekanntlich bin ich nicht links, und lediglich dort hat man Narrenfreiheit bezüglich der Dinge über die man sich lustig macht und auch, wie man sich über diese Dinge lustig macht.

Nun muss man sagen, das Kabarett war bekanntlich immer links. Doch Größen wie Dieter Hildebrandt vergaßen nie, dass man sich der Missstände an sich anzunehmen hat, egal ob sie nun ein Franz Josef Strauß zu verantworten hatte, oder ein Helmut Schmidt. Man war links, aber weder auf dem linken Auge blind, noch einem Fetish gleich auf das Konservative fixiert. Hier und da macht gutes Kabarett dem alten Meister noch alle Ehre.

Nun ist Jan Böhmermann aber kein Kabarettist, er ist eher ein Komiker. Allerdings nicht im Sinne der Unterhaltung, sondern im politischen. Das Komiker, oder heute nennen wir sie Comedians, hier und da auch politisch wildern ist auch nicht neu. Rudi Carrell hatte seine Tagesschau, ein bedingt ähnliches Konzept wie die heute show, ähnlich, weil die Lacher im Vordergrund standen. Lacher über Politiker. Ob das witzig ist, darüber kann man streiten, aber auch Carrell hielt sich an den Grundsatz, wenn schon, dann kommen alle mal dran.

Aber was ist nun das Neo Magazin Royal? Weder das eine, noch das andere. Am besten beschreibt es wohl die Feststellung, dass es sich dabei um ein oft als Comedy-Sendung getarntes Politmagazin handelt. Wobei „magazin“ irrigerweise journalistische Grundzüge suggeriert, die bei Rudi Carrell doch ausgeprägter waren. Ich glaube die Sendung und ihr Moderator sind in mehrerer Hinsicht ein Sinnbild für unsere Zeit. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der von der Überzeugung beseelt ist, genau dort auch hinzugehören. Eine One-Man-Show zur Verbreitung der einzigen Botschaft. Ein Mann auf Mission, die Mission die Welt von all jenem zu befreien, was nicht ins eigene Weltbild passt.

Mitunter passt dort auch jemand nicht hin, bei dem man sich in Punkto Abneigung durchaus einigen könnte. Recep Erdogan wäre eine solche Person, man muss schon türkischer Nationalist oder Islamist sein, um ihn sympathisch zu finden. Nichts davon allerdings muss man sein, um zu finden, dass man auch einen Erdogan nur dann als „Ziegenficker“ bezeichnet, wenn man den Applaus des Pöbels will. Der findet so etwas natürlich saukomisch. Und da Satire von links ja bekanntlich alles darf, wurde im Anschluss sogar ein Gesetz geändert. Man kann also nicht behaupten Jan Böhmermann hätte keinen Einfluss in Deutschland. Welcher Comedian kann das schließlich sonst noch von sich behaupten?

Nun ist einzuwenden, das es aufgrund dieser Geschmacklosigkeit nicht nur juristischen Gegenwind aus der Türkei gab, sondern türkische Nationalisten Böhmermann wissen ließen, dass sie auch anders könnten. Das er sich für eine Zeit zurückziehen musste, ist so natürlich auch keinesfalls zu rechtfertigen. Daran darf kein Zweifel gelassen werden. Gelernt hat er daraus wohl auch ein wenig, denn seit damals sucht er sich seine Opfer gezielter aus. Wie im verlinkten Artikel von Corona beispielsweise, trifft es die Hohenzollern. Also eher Menschen, die anders als Erdogan drüber stehen können.

Die „Ziegenficker“-Causa ist allerdings nicht nur für das allgemeine Niveau eines Böhmermanns exemplarisch, sie ist es auch von ihrer Herangehensweise. Das Ziel ist es möglichst viel Applaus zu bekommen, die Lacher auf seiner Seite zu haben – oder um es exakter auszudrücken: Quote Ein Jan Böhmermann ist schließlich davon überzeugt, dass ein Jan Böhmermann nicht in einen digitalen Spartensender gehört, sondern ins ZDF-Hauptprogramm. Wobei die ganzen alten Zuschauer des ZDF ihn wahrscheinlich weit weniger witzig finden, als die Generation Merkel, die es inzwischen gewohnt ist, dass für dieses Ziel eine differenzierte Betrachtung oder der aktuelle Stand der Geschichtsforschung zwangsläufig hinten runter fallen müssen. Für objektive Medienwissenschaftler wäre die spannende Frage, ob es sich bei diesen Stücken nur um selektives Wiedergeben von Teilwahrheiten, unter Weglassen störender Aspekte handelt, oder man eigentlich schon von Fake News sprechen kann.

Gepaart wird das alles, wann immer möglich, mit Angriffen auf greifbare, reale Personen. Als Comedian weiß Böhmermann natürlich, dass es viel besser ist eine reale Person anzugreifen, als eine mehr oder weniger anonyme Masse. Auch im Mittelalter warf man bekanntlich kein faules Obst auf die Diebe an sich, sondern den Dieb am Pranger. (Disclaimer: Ich gebe zu, ich habe an dieser Stelle nicht nachrecherchiert, ob man tatsächlich Obst auf Menschen am Pranger geworfen hat. Nehmen wir das also einfach als Bild. 🙂 ) Das diese reale Person, na ja, eine reale Person ist, wird dabei in Kauf genommen. Da man ihn angreift, ist es per Definition ein Feind. Und allein dieses Bild im Hinterkopf entmenschlicht die Person bereits, zumindest hilft es dabei Ausreden zu finden, warum man es hier mit der Würde des Menschen im Allgemeinen nicht so speziell nehmen muss. Denn seine Feinde lieben, das ist doch etwas für abgehobene Christen.

Diese Herangehensweise ist natürlich kein USP von Jan Böhmermann, sondern allgemeiner Konsens eines linken Kulturkampfes, der am Ende jedoch als Rohrkrepierer nur dazu führt, in der eigenen Bubble Applaus zu erhaschen. Im Grunde also eher Mastrubation, als wirklicher Geschlechtsverkehr. Das Böhmermann hier sozusagen exemplarisches Aushängeschild ist, liegt daran, dass über die sogenannten alten Medien zwar seit Jahren ein Abgesang der Bedeutungslosigkeit gesungen wird, man aber natürlich selbst mit einer Spätabendssendung eines Spartenkanals immer noch eine enorme mediale Wirkung verzeichnen kann.

Jan Böhmermann ist also Aushängeschild, und bedauerlicherweise Vorbild zugleich. Das altbekannte Muster greift, wenn der das darf, dann dürfen wir das doch auch! Das dem natürlich oft noch wesentlich brutalere Tabubrüche folgen, liegt ebenso in der Natur der Sache. Wobei man natürlich anmerken muss, auch ein Jan Böhmermann liefert nicht die schlimmsten Perversitäten in der Reihe der linksliberalen Clowns. Hat doch heute das Zentrum für politische Schönheit einen neuen Maßstab in der langen Reihe von PR-Aktion zur Steigerung der Geilheit auf sich selbst gesetzt.

Kommentare

Gestern war ich ungefähr 15 Minuten Gast bei Böhmermann. Mir hat das gereicht. Ich habe auch vorher noch nie eine ganze Sendung durchgehalten.

Hinsichtlich der Einschätzung der Bedingungen und des Gesamtumfeldes dieser Komikergeneration weiß ich nicht, wie ich sie bewerten soll. Mir fehlt der Zugang zu dieser Art selektiven Humors. Wohl doch vor allem aufgrund meines Alters. Allerdings hat auch das Beispiel Nuhrs gezeigt, mit welchen Maßstäben heute operiert wird. Was heißt Maßstäbe? Mit welcher Willkür von Links geurteilt wird, sollte es besser heißen. https://horstschulte.com/2019/xavier-naidoo-und-dieter-nuhr-haben-was-gemeinsam/

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