Manchmal ist ein Comic nur ein Comic

Seit ein paar Tagen schon ist der neueste Asterix im Handel, ein seltenes Ereignis, das nicht überall auf ungeteilte Freude stößt.

Albert Uderzo und René Goscinny sind zwei Namen, die bei vielen Erwachsenen jeden Alters jenes Lächeln ins Gesicht zaubern, an dem jeder sehen kann, man befindet sich gerade wieder in der eigenen Kindheit. Beide Namen stehen für eine ganze Reihe europäischer Comicfiguren, die noch heute ihr Unwesen treiben, in Kombination aber wird jedem zuerst Asterix und Obelix einfallen. Die unbeugsamen Gallier, die mit ihrem Zaubertrank nicht nur die in Aquarium, Babaorum, Laudanum und Kleinbonum stationierten römischen Legionäre, sondern das ganze römische Imperium inklusive des großen Julius Caesar in Schach halten.

Von Beginn an gingen Uderzo und Goscinny jene Gratwanderung des Comicgenres, die manchmal nicht ganz einfach ist. Sie wollte sowohl das klassische junge Publikum ansprechen, aber auch die Erwachsenen. Oft dienten Nebenfiguren dazu aktuelle oder historische Gestalten zu porträtieren, manchmal wurden die Anspielungen in Dialoge geschrieben. Erdacht 1959 spiegelt die Gesamtausgabe der Asterix-Comics somit auch die Zeitgeschichte der letzten 60 Jahre wieder. Das ist nicht immer gut gegangen, gerade die ersten Alben nachdem Uderzo die Verantwortung an ein neues Duo übergab, René Goscinny verstarb bereits 1977, waren oft im Sinne des Zeitgeistes erschreckend flach und leblos. Man erinnere sich mit Grauen an den Besuch von Außerirdischen im antiken Gallien. Als Asterix hingegen auf die Pikten traf, schien die alte Welt wieder in Ordnung. Sicher, an die großen Geschichten von Albert Uderzo und René Goscinny, kommt das neue Duo nicht mehr heran, was sich wohl auch daran zeigt, dass man nicht nur ihren Namen nicht kennt, sondern sich eigentlich auch gar nicht dafür interessiert. Aber, was veröffentlicht wird, kann man getrost wieder als Asterix bezeichnen.

Bedroht scheint Asterix heute eher durch das was kommen musste, der Versuch immer weiter Geld drumherum zu verdienen. Als ich ein Kind war, gab es die Alben, alle paar Jahre einen Film und ein Lexikon. Später kamen Asterix-Hefte in jeglicher Mundart heraus. Und heute kann man sich für schlapper 120 Euro die Superduper-Luxusausgabe des Albums Asterix und die Tochter des Vercingetorix gönnen. Ich persönlich habe mir die Softcoverausgabe für 6,90 Euro gekauft, nicht weil ich geizig bin, sondern weil ich auch die 37 Ausgaben zuvor nie in einer anderen Variante besessen habe. (Okay, strenggenommen hat mein Vater die meisten davon besessen.)

Wer auf die Kritiken in der rechten Presse hört, wird sich wohl aber auch dieses Geld sparen, denn dort kommt der neue Asterix gar nicht gut weg. Ein Wort darf dort in keiner Rezension fehlen: Greta

Nun, die besagte Tochter des Vercingetorix trägt in der Tat Zöpfe wie Greta Thunberg, genauso wie eine Menge anderer Gallier jeglichen Geschlechts. Und ja, zum Leidwesen von Obelix wird die exzessive Jagd auf Wildschweine kritisiert, allerdings eher von den beiden Söhnen der Dorfraufbolde Verlheinix und Automatix. Adrenaline hingegen träumt von einer einsamen Insel, auf der sie heimatlosen Kindern eine neue Heimat schaffen will. Wer in Adrenaline eine Greta hineininterpretiert, für den muss die junge schwedische Umweltaktivistin inzwischen zu einem solchen Feinbild geworden sein, dass er sie auch in alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen von BdM-Veranstaltungen wiedererkennen sollte. Ähnlich verhält es sich auch mit der „MeeToo“-Erwähnung von Harald Tewes in der Preußischen Allgemeinen zum Beispiel.

Wobei auch Tewes wunde Punkte von Asterix und die Tochter des Vercingetorix anspricht, die den Comic auch im linkslastigen Feuilleton zurecht haben durchfallen lassen. Es ist eine nette Geschichte von einer rebellierenden Jugend, die ohne großes erzählerisches Feuer daher kommt. Der alte Witz ist verloren gegangen, schlimmer noch, man muss sogar der Kritik im Spiegel recht geben, die darauf hinweist, dass einiges aus früheren Alben geklaut wurde. (Man will es Seitens der Autoren wohl als Hommage sehen.) Vielleicht ist es aber auch eine gewisse Ironie, das dem 38. Band eben auch die Anspielungen fehlen, das subversive Element, das einst nur die Erwachsenen schmunzeln lies, während die Kids es einfach überlasen. Dann allerdings hätten wahrscheinlich rechte Kritiker wirklich etwas gehabt, worüber sie sich aufregen könnten. So haben sie eben was erfunden.

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