Heiliger John Henry Newman

In Zeiten des „santo subito“ gibt es Personen, deren Heiligsprechung gefühlt längst überfällig war. Kardinal John Henry Newman ist einer von ihnen.

John Henry Newman war zuvor schon in gewisser Weise ein Phänomen. Er war ein Denker und Vorbild, auf das sich die beiden streitenden Flügel der Katholischen Kirche einigen konnten. Für die Progressiven war er eine Leitfigur, weil er als Kritiker des 1. Vatikanischen Konzils den Satz prägte, er folge zuerst seinem Gewissen, dann dem Stellvertreter Christi. Dem Konservativen liegt er am Herzen, weil er es sich mit eben diesem Gewissen nie leicht machte und ein Kämpfer gegen den Liberalismus war.

Leicht hat er es sich überhaupt nie gemacht. Newman war ein Zweifler, er hat die Dinge hinterfragt. Als anglikanischer Priester studierte er die Kirchenväter, was ihn endgültig zum Übertritt zum Katholizismus bewog. Im England seiner Zeit kein leichter Schritt, verband man „katholisch“ damals doch allein mit den Iren, während ein Engländer Anglikaner zu sein hatte. Newmans eigene Schwester soll ihn daraufhin gemieden und nie wieder mit ihm gesprochen haben. Zweifler blieb er aber auch als Katholik, das war wahrscheinlich ein Beitrag zu seine Brillanz. Wenn Kardinal Ouellet ihn zum Kirchenlehrer erheben möchte, dann mag das verfrüht sein, aber ich lege mich da fest, zweifellos wird er einst im gleichen Rang stehen wie Teresa von Ávila, Augustinus oder Thomas von Aquin.

John Henry Newman, wurde gestern gemeinsam mit Marguerite Bays, Dulce Lopes Pontes, Maria Teresa Chiramel Mankidiyan und Giuseppina Vannini, in Rom von Papst Franziskus heilig gesprochen.

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