Der Konservative — Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

Kurz vs. Kleber – Mit Journalismus hat das ZDF nix mehr zu tun

Wenn jemand Mist baut, und andere ihm sagen, dass er Mist gebaut hat, bemüht er sich keinen Mist mehr zu bauen. Es sei denn, es handelt sich um das ZDF.

Bei seinem Kreuzzug gegen die AfD hat sich das ZDF mit dem von Björn Höcke abgebrochenen Interview bereits selbst ins Bein geschossen. Selbstverliebt stellte man das Video online, ignorierend, das nicht auf links eingeschworene Betrachter das merkwürdige Gefühl bekamen, das Höcke in diesem Spiel der Anständige war, während der Interviewer ein zwischen fordernd und unverschämt hin und her wechselte, sich nicht wie sonst üblich an die Absprachen hielt, und zielsicher auf die Eskalation hinarbeitete. Man hätte daraus lernen können. Wer das kürzlich von Claus Kleber mit dem ÖVP-Obmann und Wahlsieger Sebastian Kurz geführte Interview im Heute Journal sieht, muss allerdings feststellen, die Lernkurve beim ZDF tendiert gegen Null.

Was ist geschehen?

Claus Kleber gab von Beginn an den Kämpfer. Schon bei seiner ersten Frage, die eigentlich nur aus „warum nicht?“ besteht, ist klar, hier will einer den ÖVP-Obmann und Wahlsieger Sebastian Kurz grillen, weil dieser mit allen Parteien, also auch der FPÖ über eine mögliche Koalition reden will. Kurz reagiert zuerst souverän, weist unter anderem daraufhin, dass die ÖVP-FPÖ-Regierung bei den Österreichern beliebt war, aber am Ibiza-Skandal um den ehemaligen Vorsitzenden Strache zerbracht. Und dann schiebt er, durchaus genüsslich nochmal hinterher, wie groß der Sieg der ÖVP war – was man letztlich maßgeblich auch seiner Person zu schreiben kann.

Doch Kleber lässt nicht locker, statt einer Frage wirft er Sebastian Kurz eine als Frage verkleidete Forderung an den Kopf, es sei Zeit, so der heute journal-Moderator, eine „klare Ansage“ zu machen – damit meint er natürlich ein Nein zur FPÖ. Und was sagt Kurz? Er sagt: „Ja, vielleicht würden sie besser wissen was ich tun sollte, als ich das selbst weiß.“ Souveränität, wie man sie bei den meisten deutschen Politikern nicht mehr findet. Ebenso wie die folgende Argumentation, dass er jetzt nichts übereilen möchte. Und – hier wird es traumhaft – er will doch tatsächlich auch nach der Wahl immer noch das tun, was er vor der Wahl gesagt hat. Felix Austria! Felix Austria! Da übersieht man gerne das Eigenlob, das er hier und da einfließen lässt.

Claus Kleber wird zunehmend verwirrter, weil er ja eigentlich geplant hatte, Kurz bis zu diesem Zeitpunkt längst geknackt zu haben. Also holt er sich Hilfe und erzählt, dass die deutsche und andere europäische Regierungen hoffen würden, die ÖVP würde nicht erneut mit den „Rechtsnationalen“ koalieren. Dazu könnte man natürlich anmerken, das es die Regierung eines anderen Landes nichts angeht, mit wem ein Wahlsieger in einem anderen Land koaliert. Und das es ein grober anti-diplomatischer Akt wäre, dies öffentlich zu tun. dem „ausländischen Journalisten“ Kleber sei das aber nachgesehen. Kurz zögert ein wenig, ehe er ein klares „Nein“ antwortet, und sich souverän dagegen verwahrt, von Medienvertretern „Tipps“ zu bekommen, wie er zu handeln hat. Das hat Claus Kleber sicher hart getroffen. Stattdessen wiederholt er, was er bereits zuvor gesagt hat, was Kleber dann schließlich so nervt, dass er ihm ins Wort fällt und wissen will, wann denn die nächster österreichische Regierung steht.

Und wieder reagiert Sebastian Kurz souverän, spricht erst zu ende und beantwortet dann Klebers Frage – ja, ohne Scheiß, Klaus Kleber hat diesmal tatsächlich eine Frage gestellt. Das war allerdings wahrscheinlich ein Versehen, den Claus Kleber wollte Sebastian Kurz noch unbedingt eins reinwürgen, in dem er betonte, dass die Österreicher mit der „unpolitischen“ Expertenregierung so zufrieden seien.

Das für mich weiter mit am erstaunlichsten ist auch hier wieder, dass das ZDF derart von sich und seiner heiligen Mission die Menschen zu erziehen überzeugt ist, dass es selbst das gesamte Interview zur Verfügung stellte. Als hätte man auf das Desaster mit dem Interview mit Björn Höcke nichts, aber auch wirklich gar nichts gelernt. Man ist fast schon besessen davon Claus Kleber als den Journalist gewordenen Gutmenschen zu präsentieren, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, wie unverschämt und respektlos er für Nicht-Gutmenschen rüberkommt. Für objektive Beobachter ist dieses Verhalten fast schon unglaublich, und mit der Frankfurter Allgemeinen griff sogar ein deutsches Medium das Thema auf, um Kritik am Verhalten des ZDF zu üben: Arroganz und Überheblichkeit, sie haben im deutschen Fernsehen viele Namen. (Paid)

Mit persönlich hat ja besonders Kurz‘ Reaktion „Ja, vielleicht würden sie besser wissen was ich tun sollte, als ich das selbst weiß.“ gefallen. Für Sebastian Kurz war das relativ kurz angebunden, aber eben Klartext. Bei diesem Tiefpunkt deutscher Fernsehgeschichte, geht der künftige österreichische Kanzler souverän als Sieger hervor. Noch ein Punkt, der zeigt wie wenig Bodenhaftung man im ZDF noch hat, weil man das Interview selbst noch promotet. Wie gesagt, mir ist das nicht mehr ersichtlich. Entweder sind aller verantwortlichen Redakteure beim ZDF auf einen Schlag dumm wie Brot geworden, oder – und das ist wahrscheinlicher – derart durchideologisiert, das sie es selbst nicht mehr erkennen, wie einseitig sie arbeiten und wie sie selbst ihren Auftrag plötzlich als Erziehungsauftrag sehen. Über die deutschen Grenzen hinaus will man jetzt schon das Nachbarland Österreich missionieren. Frei nach dem Motto, am deutschen Medienwesen, soll die Welt genesen. Aus der Reihe ernst zunehmender journalistisch arbeitender Medien hat sich das ZDF mit diesem Interview nun offiziell verabschiedet.

  1. Ich habe das Gefühl, dass die AfD-Leute bei allen möglichen Gelegenheiten im Fernsehen (nicht nur beim ZDF oder der ARD) besser wegkommen, als die Journalisten (Interviewer) oder Gesprächspartner. Hoffentlich ist das nicht auf mein Unterbewusstsein zurückzuführen, ich im Grunde meines Herzens also ein Nazi bin.

    Im Ernst: Dass sich das ZDF (vielleicht auch die ARD?) bei dieser Art von Interviews so verhält, hat wohl etwas mit dem „Bildungsauftrag“ der ör Sender zu tun.

    Ich versuchs noch mal: ARD und ZDF wissen (wie z.B. der ADAC) zu Beginn des Jahres genau, was sie an Einnahmen kriegen. Sie kennen die Kosten und können wunderbar wirtschaften. Leute wie Kleber bekommen Vorwürfe, keine richtigen Journalisten zu sein, weil sie nicht so krass nachhaken, wie es z.B. in GB oder den USA normal ist. An dem Vorwurf ist etwas dran. Aber welcher Journalist, der was auf sich hält, möchte damit leben? Also pickt „man“ sich bestimmte Personen heraus (die Grünen können es nicht sein), die man als Vehikel für guten Journalismus perpeduiert. Dabei kommt dann das raus, was wir mit Höcke oder zuletzt mit Kurz erlebt haben. Dass beide aber (nicht nur für Rechte oder Konservative) gestärkt aus diesem Versuchslabor hervorgingen wird den verantwortlichen Journalisten wenig ausmachen. Sie sind sicher. Sowohl, was Stellung als auch Gehalt anlangt.

  2. Wahrscheinlich wäre das Problem tatsächlich geringer, wenn man sich die Interviewpartner, die man grillen will, nicht aussucht, sondern jeden Gesprächspartner auch mal härter angeht. Das Problem hast du ja erfasst. Es gibt drei Gruppen, die über dieses Interview nachdenken. Die linke Filterblase findet es gut, die rechte Filterblase findet, es sein ein Angriff auf die Meinungsfreiheit blablabla. Aber die vielen Leute in der Mitte fühlen sich plötzlich verwirrt, weil sie sich plötzlich auf der anderen Seite befindet. Bei Höcke war das zumindest bei mir extrem. Ich musste mir in Erinnerung rufen, wer Björn Höcke ist und für was für welchen nationalistisch-völkischen Unsinn er eintritt, um nicht Sympathien für ihn zu entwickeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.