Mit großer Sorge …

…. sehe ich derzeit auf die Katholische Kirche in Deutschland. Aufgeputscht von allen Seiten, bahnt sich ein nicht mehr heilbarer Bruch an.

Es ist ihre letzte Chance, aber sie gedenken sie zu nützen. Es ist keine unter dem angeblichen Joch des Katholizismus stöhnende Jugend, die den synodalen Weg vorantreibt, es ist die Generation der alten Männer und Frauen, die nun endlich ihre Stunde gekommen sehen. Flankiert von einer Theologie, die sich seit Jahren von jeglichen konservativen Strömungen gereinigt hat, und einer Mehrheit von Bischöfen, die dem Zeitgeist zu huldigen bereit sind. Gemeinsam ist diese eher unheilige Dreifaltigkeit gewillt, ihren Weg, den synodalen Weg, bis zum Ende zu gehen. Was an diesem Wegesende jedoch wartet, mag für manche erstrebenswert sein, katholisch jedoch, ist es nicht mehr?

Vor einigen Wochen schrieb Papst Franziskus einen mehrseitigen Brief an die Katholiken in Deutschland. Ein Ereignis, dass allein aufgrund seiner Seltenheit Aufmerksamkeit erregte und so natürlich auch nicht von den deutschen Bischöfen ignoriert werden konnte. Zu ihrem Glück blieb Franziskus sich auch in diesem Schreiben treu, wie ein sanfter Vater versuchte er den richtigen Weg zu weisen. Aber wie das in Familien so ist, manchmal hätte eine harte Hand besser geholfen. Denn Kardinal Marx und seine Anhänger deuteten die Brief einfach um, das Pippilotta-Prinzip lässt grüßen. Bei manchen in Rom erzeugte das – eigentlich Erwartbare – immer noch Erstaunen, so etwa bei Kardinal Kasper, den der Papst bei der Abfassung seines Schreibens mehrmals zu Rate zog:

„In Deutschland hat man den Brief des Papstes zwar viel gelobt, ihn dann aber zur Seite gelegt und weitergemacht, wie schon zuvor geplant“, wird Kasper zitiert. „Doch ohne Erneuerung aus dem Glauben gehen alle noch so gut gemeinten strukturellen Reformen ins Leere.“ – Quelle: CNA

Die Worte des Papstes abgelegt, begannen DBK und ZdK, Bischöfe und Laien, gemeinsam weiter an ihrem synodalen Weg zu bauen. Sie legten die Themen fest und die Teilnehmer, die angemahnte Neuevangelisierung aus dem Vatikan jedoch, wurde links liegen gelassen. So viel Halsstarrigkeit blieb in Rom nicht unbemerkt, ein kirchenrechtliches Gutachten wurde von Kardinal Marc Ouellet, Leiter der Bischofskongregation des Vatikans, nachdem der geplante synodale Weg nicht mit dem Kirchenrecht vereinbar wäre.

In einer ersten Reaktion versuchte man es einfach abzutun, in dem man darauf hinwies, dass sich das Gutachten auf einen früheren Entwurf berufen würde. Als man jedoch feststellte, dass sich bis zur endgültigen Planung nichts geändert hatte, ging Kardinal Marx zum Kampf über.

„Kardinal Reinhard Marx hat angekündigt, den vom Vatikan als „ekklesiologisch ungültig“ bezeichneten „verbindlichen Synodalen Prozess“ fortzusetzen – und vorgeschlagen, dass der deutsche Weg ein Vorbild für die Universalkirche sein könnte.“ – Quelle: CNA

Die Unverschämtheit seinen Sonderweg jetzt auch noch als Vorbild darzustellen, lässt mal wieder an die alte Weisheit erinnern, dass am deutschen Wesen, die Welt zu genesen hat. Marx jedenfalls legte noch nach, in dem er sich beschwerte, dass man ja auch mal hätte reden können, ehe gleich ein Rechtsgutachten ins Haus flattern würde. Was vor allem offenbart, wie wenig er vom Ablauf der Dinge in der Weltkirche zu wissen scheint. Oder wenn man sich den Verlauf der Dinge ansieht, sollte man wohl besser schreiben, wie viel Marx einfach ignorieren kann.

Mit ihrem Verhalten sorgen die deutschen Bischöfe international für Aufsehen, messerscharf und ihn einer dankenswerten Offenheit schrieb der britische Catholic Herald:

„In Deutschland treiben die Bischöfe gegen den Willen des Heiligen Vaters ein Programm falscher Barmherzigkeit voran. Sie wollen den Zölibat nicht liberalisieren, um das Priestertum zu heiligen, sondern um eine Regel zu beseitigen, die Heiligkeit erfordert. […] Die Bischöfe in Deutschland sollten anfangen auf den Papst zu hören, statt auf jene, die gerne Papst wären. Der Heilige Vater hat ihnen einen Entwurf vorgelegt, der auf Evangelisierung ausgerichtet ist. Leider scheinen die deutschen Bischöfe, wie überall dort, wo Gnade, Freiheit und Barmherzigkeit gefälscht werden, einen selbstzerstörerischen Weg einzuschlagen. Die ‚Priorität der Evangelisierung‘, die sie dem Willen des Heiligen Vaters nach für ihren synodalen Prozess setzen sollen, muss vielleicht bei den Bischöfen in Deutschland selbst beginnen.“ – Quelle: Catholic Herald

Treffende lässt es sich leider nicht ausdrücken.

Unter der Führung von Kardinal Marx wollen die Mehrheit der Bischöfe in Deutschland den Wandel der Römisch-Katholischen Kirche zu einer religiösen NGO vollziehen, in der Hoffnung – ja, in welcher Hoffnung eigentlich. Was für ein Sinn steckt dahinter? Was ist der große Preis, den die Mehrheit der deutschen Bischöfe anstrebt, und damit in großen Schritten auf eine Spaltung, eine Abspaltung zusteuert?

Die Hoffnung, die den deutschen Katholiken bleibt, ist, dass Rom endlich die Notbremse zieht und Marx samt seiner Anhänger daran erinnert, und daran erinnert, dass eine Weltkirche keine nationalen Sonderwege dulden kann, die den Glauben der Gesamtkirche missachten wollen. Das danach die Enttäuschung bei den alten Männern und Frauen des ZdK, von Wir sind Kirche und Maria 2.0 groß sein wird, und die Medien erwartungsgemäß auf die Kirche einprügeln werden, wie sie es noch nie getan haben, wird dann aber allein die Schuld von Kardinal Marx sein, der wider besseren Wissens Hoffnungen geweckt hat, die er nie hat erfüllen können. Man wünscht sich als Finale nur noch seinen Rücktritt, um die Rückkehr der deutschen Bischöfe in den Schoss der Kirche zu ermöglichen. Als Pessimist, und Mensch in einer Zeit, in der Spaltung vor Einheit geht, fürchte ich aber, dass dieses gute Ende nicht kommen könnte, und die deutschen Hirten die Kirche in Spaltung und Untergang führen werden.

Es bleibt nur die Hoffnung auf Rom und das Gebet.

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