Den deutschen Bischöfen mangelt es an Märtyrern

Mit welchem Thema man sich auf seinem synodalen Weg selbstbeschäftigen möchte, haben die deutschen Bischöfe schon festgelegt. Es fehlt nur eine Kleinigkeit.

Der synodale Weg nimmt langsam Fahrt auf, es wird konkret. Elf Frauen und fünf Männer etwa werden im Frauen-Forum arbeiten. Sind mir gefühlt ein bisschen wenig, oder? Na ja, sie sollen auch eher vorbereiten, insofern drücken wir ein Auge zu. Wichtiger ist die Gesamtheit der Themen, diese wurden von den Bischöfen bereits im Frühjahr festgelegt. Es gibt zu folgenden Themen Foren:

  • Macht, Partizipation, Gewaltenteilung
  • Sexualmoral
  • Priesterliche Lebensform
  • Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche

Ein Forum zu Themen wie Evangelisierung, Glaubensverbreitung, Christ sein in der Moderne hingegen ist nicht vorgesehen. Ein Element der Verkündung Christi wird dem Endergebnis dementsprechend fehlen, womit eigentlich klar zu sein scheint, was der synodale Weg wirklich ist, eine gigantische Verschwendung von Kirchensteuern in einer Zeit in der das ein oder andere Bistum durchaus finanzielle Mittel brauchen könnte.

Um nicht falsch verstanden zu werden, natürlich braucht es immer ein Nachdenken über Strukturen und eine Anpassung dort, wo Strukturen sich überlebt haben. Und ich persönlich bin auch größeren Reformen nicht abgeneigt, etwa was das Amt des Diakons angeht. Es zu seiner alten Bedeutung zurückzuführen, könnte eine notwendige Antwort auf die Überlastung der immer weniger werdenden Priester sein. Allein, was die vier genannten Foren für einen Sinn haben, erschließt sich mir nicht immer.

Macht, Partizipation, Gewaltenteilung

Auch wenn Pfarrgemeinderäte ihren Sinn haben und viel Gutes bewirken, sorry, die Katholische Kirche ist keine Demokratie. Gut, wenn man mal davon absieht, dass das Wahlsystem, das zum Zentralkomitee der Katholiken führt, noch überkommener ist, als das der Wahl des Präsidenten der USA, aber, man mag es dem Auftreten des ZdK kaum ansehen, es hat in der Kirche nichts zu sagen. Und inwiefern es tatsächlich für die Laien spricht, da muss man kein Traditionalist sein, um arge Zweifel zu hegen. Natürlich gibt es Alternativen, man blicke in Richtung Evangelische Kirche. Oder sollte man besser sagen, man gehe zur Evangelischen Kirche?

Sexualmoral

Ich gebe zu, mit der Sexualmoral ist das so eine Sache. Die Mehrheit der Katholiken hält sich nicht wirklich daran. Böse Zungen könnten damit aber auch sagen, sie spielt eigentlich keine Rolle mehr. In der heutigen Gesellschaft ist die Sexualmoral der Kirche ein große Herausforderung, an der viele schlicht und einfach scheitern. Aber ist es der richtige Weg ein Ideal an das Scheitern des Menschen anzupassen? Du schaffst es nicht auf Sex vor der Ehe zu verzichten? Ach, kein Ding, streichen wir. Das ist aber nicht der Sinn eines Ideals. Mit dem gleichen Recht könnte man nach der Sexualmoral auch Anfangen all die schweren Dinge zu streichen, die die Bibel, die Jesus uns lehrt. Wie, du kannst die andere Wange nicht hinhalten? Ok, das ist menschlich, ein bisschen zurückhauen ist nicht schlimm.

Priesterliche Lebensart

Auch das Zölibat ist so eine Sache, der überwiegenden Mehrheit der katholischen Priester gelingt diese Lebensform. Man sollte annehmen, dass sich die meisten von ihnen bewusst dafür entschieden haben. Nun gut, wir betonen jene, denen diese Lebensart nicht gelingt, weil wir uns in der durchsexualisierten Moderne ein Leben ohne Sex nur noch schwer vorstellen können. Man könnte jetzt noch auf Dinge hinweisen, wie die Tatsache, dass wohl mehr katholische Laien, als katholische Priester am Zölibat rütteln wollen. Letztlich bleibt aber auch hier nur der Hinweis, das Zölibat ist Bestandteil der Katholischen Kirche. Wem das nicht passt, die Evangelische Kirche leidet auch unter einem Mitgliederschwund, und ist sicher für jedes neue Mitglied dankbar.

Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche

Schwammige Beschreibung. Geht es um weibliche Priester? Dann … ja genau, bleibt die Option evangelisch zu werden. Geht es um weibliche Diakone, da ist das Feld offener, aber eben auch nur in Abstimmung mit der Katholischen Kirche. Also der Römisch-Katholischen Kirche, und nicht der Deutschen-Katholischen Kirche, von der einige des synodalen Weges träumen (müssen, weil sich sonst nichts von ihren Ideen auch nur im Ansatz verwirklichen lässt).

Die zentrale Frage aber bleibt, was soll dieser synodale Weg überhaupt? Die Reformatoren werden sich mit dem Ergebnis kaum zufrieden geben, wenn es sich innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche wiederfinden soll. Die einzige realistische Chance auf deren Verwirklichung ist eine Nationalkirche, die von sich behauptet katholisch zu sein. Oder um es direkt zu sagen, eine Spaltung, ein neues Schisma.

Dabei hatte der letzte Deutsche, der das durchgezogen hat, zumindest seine Gründe. Man mag über die Theologie Martin Luther halten was man will, aber zumindest basierte seine Reformation auf einer anderen Auslegung des Wort Gottes. Gut, er hat später seine Käthe geheiratet, aber er wurde nicht zum Beginn einer nach ihm benannten Kirche, weil er als Mönch unbedingt heiraten wollte. Er hatte andere Ansichten über die Auslegung der Bibel, über die Beziehung des Einzelnen zu Gott. Das sind Grundlagen einer Reformation, nicht dem Zeitgeist widersprechende Strukturen oder eine schwer einzuhaltende Sexualmoral.

Die Katholische Kirche in Deutschland ist in einer schweren Krise, und alles was den Bischöfen und organisierten Laien dazu einfällt, ist ein Neuanstrich der Innenräume. Wie soll der Glaube da nach außen strahlen? Wo bleibt das fünfte Forum „Evangelisierung“?

Ja, das war eine rhetorische Frage. Mir ist schon klar, dass man jemanden, der von Evangelisierung spricht gleich vorwirft ein Missionar zu sein. Und Missionare waren bekanntlich böse Verbrecher die überall auf der Welt edle Wilden zwangsgetauft haben. (Faktisch ist das zwar falsch, aber Fakten spielen im herrschenden Geschichtsbild bekanntlich eine sehr untergeordnete Rolle.) Sprich, Evangelisierung spielt keine Rolle, weil niemand da oben den Mum hat, sich diesem falschen Vorwurf auszusetzen und die Botschaft Christi hinaus zuschreien. Was im Umkehrschluss leider auch bedeutet, das eine Menge Leute vergessen haben, war für einen Auftrag sie gerade als Bischöfe in der Apostelnachfolge vom großen Boss bekommen haben. Und nein, ich meine nicht den Papst, ich meine IHN. An anderen Orten auf dieser Welt sitzen Menschen im Gefängnis, werden gefoltert und verfolgt, weil sie die ihnen aufgetragene Mission erfüllen, hierzulande gibt es nicht einmal mehr genug Courage der medialen Öffentlichkeit entgegenzutreten. Ist der Spott wirklich so tödlich, wie die Steine, mit denen der Heilige Stephanus als erster den Märtyrertod fand? Zu allen Zeiten sind die Christen aber von den Märtyrern inspiriert worden, von Menschen, die für ihren Glauben eintreten. Es sind nicht die prächtigen Bischofsgewänder und eine allsonntagliche mal schlechtere, mal bessere Predigt, die zum Glauben führen, sondern das Leben mit dem und durch den Glauben. Aber ich gebe zu, in einer Gesellschaft, deren oberstes Ziel das individuelle Glück ist, erscheint das Martyrium tatsächlich nicht hip zu sein.

Vielleicht fehlt die Evangelisierung ja aus dem gleichen Grund, warum die Sexualmoral diskutiert wird. Man weiß im Innersten, man würde an dieser Aufgabe scheitern, also klammert man sie besser aus.

Das ist menschlich, ich verstehe das auch. Das Problem ist nur, dass bei der Diskussion über die Strukturen nicht darüber gesprochen wird, was tatsächlich ein Problem darstellt: Das gezielte Aussortieren konservativer Kräfte, zugunsten der Bevorzugung von mainstreamgerechten Karrieristen. Was selbst Priestern blüht, die auf eine der Ordnung gemäßen Messe pochen, hat ja kürzlich hier ums Ecke ein Priester erleben müssen, der in eine von Maria 2.0-Aktivistinnen aufgestellte Falle getappt ist. Eine Ermahnung seines Bischofs, doch nicht so übertrieben und aggressiv zu reagieren. Unter uns, ich hätte von einem Bischof wie den Neuen in Würzburg auch nichts anderes erwartet, er ist ein Produkt der Aussortierung bzw. Bevorzugung. Jemand, der zustimmend seine Hand hebt, wenn es dem Zeitgeist entspricht und schweigt, wenn er sprechen müsste – ob er im Innersten weiß, dass er unwürdig handelt, weiß nur er allein.

Nur eines steht leider fest. Wer so schwach im Glauben ist, der darf sich nicht wundern vor leeren Kirchenbänken zu predigen. Er hat ja eigentlich auch nichts zu sagen.

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