Der synodale Weg ins Nirwana

Die Katholische Kirche hat ein Problem. Alte weiße Frauen (und ein paar Männer auch).

Es ist ein altes Problem des Menschen, dass er sich selbst für den Normalfall hält und die anderen für die Abweichungen. Wenn man sich die Katholische Kirche in Deutschland ansieht, ist es ähnlich. Ob Bischöfe oder Maria 2.0-Aktivistinnen, sie glauben ihre Probleme, seien die Probleme der Kirche. Dabei sind wir in Deutschland der Sonderfall, ein trauriger allerdings.

Als vor einigen Monaten Notre Dame brannte, sahen nicht wenige darin ein Fanal. Ein Symbol für den Untergang des Christentums in Europa. Es blüht andernorts, hier nicht mehr. Dabei kann man manchen Bischöfen nicht vorwerfen, sie würden nicht in blinden Aktionismus ausbrechen, angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen. Die katholischen Bischöfe haben gar beschlossen einen synodalen Weg zu gehen. Wohin dieser Weg geht, manche befürchten das schlimmste.

Die Sonderwege der deutschen Bischöfe sind inzwischen Legion, aber der Verdacht steht im Raum, man möchte sich doch am liebsten lossagen von Rom, damit man seinen eigenen Weg gehen kann. Den Weg des Erfolges, der vollen Kirchen und Scharren von Gläubigen. Man möchte sozusagen eine evangelische Kirche werden, nur mit mehr Marienverehrung. Obwohl, doch lieber nicht zu viel Marienverehrung. Eine demütige Magd des Herrn entspricht ja nun eigentlich gar nicht dem heutigen Frauenbild.

Die Sache hat nur eine Problem, und damit meine ich nicht die Tatsache, das Martin Luther himself ein großer Marienverehrer war. Das Problem liegt eher darin, dass die evangelische Kirche in Deutschland wahnsinnig Mainstream ist, Homosexuelle unter die Haube bringt, kein so großes Problem mit Abtreibungen hat, ihrer Pfarrer nicht nur auch Pfarrerinnen sein dürfen, sondern auch heiraten können. Allein: Nix mit vollen Kirchen, nix mit Zuwachs der Gläubigen. Das der Protestantismus mancherorts blüht, liegt nicht an den Evangelen, sondern an den Freikirchen. Freikirchen haben Erfolg, auch gerade bei jungen Menschen. Freikirchen, die einen Glauben leben und eine Ethik prägen, bei denen dem katholischen Theologen von heute die Haare zu berge stehen.

Das der synodale Weg sich etwas von diesem Erfolgsmodell der freikirchlichen Mission in Europa abgucken wird, scheint mehr als fraglich. Die führenden Bischöfe wollen lieber mit Aktivistinnen von Maria 2.0 sprechen, alten Frauen, die im Grunde nur der wieder aufgegossene Sud von Wir sind Kirche sind. Ein lautstarkes Grüppchen von alten Frauen, die glauben zu kurz gekommen zu sein, weil katholische Priester ausschließlich Männer sind, und deshalb schuld an allen Übeln in der Kirche. Also wirklich allen!


Wir sind Kirche war/ist eine Laienorganisation, die Reformen in der Kirche fordert, wie zum Beispiel Frauenpriesterum und die Abschaffung des Zölibats. Mengenmäßig waren sie immer eine Randerscheinung, sind inzwischen aber derart wenige, dass es selbst den Medien zu blöd ist die wenigen noch zu hypen.


Halten wir aber erst einmal fest, die Marschrichtung, die Kardinal Marx vorgibt, führt nur zu noch weniger Gläubigen und schlimmer noch, zu noch weniger Glaube. Was die evangelische Kirche hinlänglich bewiesen hat. Aber statt nachzudenken, möchte man lieber mit Vollgas gegen die gleiche Wand fahren. Ich würde das als bedingt klug bezeichnen.

Abgesehen davon, wir brauchen keine zweite deutsche Nationalkirche. Wir wissen, dass das eine dumme Idee ist, die in der Stunde der Bewährung zu Deutschen Christen und der Notwendigkeit einer Bekennenden Kirche geführt hat. Als Katholik in Gemeinschaft mit Katholiken auf der ganzen Welt zu stehen, ist doch auch irgendwie reizvoller. Und würden manche Bischöfe aufhören nach Rom zu zeigen, wie manche Politiker nach Brüssel, wäre schon viel gewonnen. In der Realität sagt nämlich Rom nicht bei jeder Kleinigkeit, wo es lang geht, es geht eben nur nicht an Rom vorbei.

Die suchenden Menschen sind doch da

Sinn suchende Menschen gibt es übrigens auch in Deutschland noch reichlich, das beweisen nicht allein die Freikirchen. Gerade in unserer heutigen Zeit, die schneller ist, als jemals zuvor, suchen Menschen Halt im Glauben. Allerdings wandern nicht wenige davon in esoterische Zirkel ab, oder zimmern sich ihr eigenes Gebilde, das bei der ersten Belastungsprobe zusammenbricht. Man muss ihnen allerdings zugute halten, was sollen sie auch anderes machen? Es ist ja nicht so, dass ihnen die Kirche Angebote macht. Es geht um das Zölibat, es geht um Frauenpriestertum? Es geht nicht darum Gottes Wort zu verkünden, die Botschaft zu verbreiten, das Jesus Christus da ist, um jeden der Furcht hat, in seine Arme zu nehmen.

Maria, der sich seit Jahrhunderten verzweifelte Menschen zuwenden, wie man sich seiner Mutter zuwendet, bekommt ein Update und wird als Vorkämpferin für den eigenen Egoismus missbraucht.

Der Leib Christi, die Wandlung, die reale Anwesenheit, einer der Kerne des katholischen Glaubens, wird relativiert, damit auch ja jeder zur Kommunion nach vorn gehen kann. Als fürchtete man, die erste Diskriminierungsklage sei schon vorbereitet. Nur wie wirkt es auf Suchende, wenn man den Leib Christi verscherbelt? Möchte man wirklich zu einer Kirche gehören, deren Glaube so schwach ist?

Die Wahrheit ist doch, dass die Kirche dort noch lebendig ist, wo sie an katholischen Traditionen festhält, die deutschen Theologen heute regelrecht peinlich sind. Die Wahrheit ist auch, dass die großen Stunden der Kirche immer dann waren, wenn sie nicht stromlinienförmig mit geschwommen ist. Die Katholische Kirche in Deutschland ist in einer schweren Krise, die ihre Entsprechung in dunklen Zeiten hat, als man sich Bischofstitel kaufen konnte. Was es braucht, ist aber kein Machtpolitiker wie Kardinal Marx, der das 1. Gebot missachtet und den Zeitgeist an die Seite Gottes gestellt hat, sondern jemanden, der aufsteht und Stopp sagt. Der eine Reform anstößt, die nicht auf die Sicherung der Pfründe oder Kirchengebäuden abzielt, sondern auf den Kern des Glaubens: Jesus Christus. Man mag es kaum aussprechen, aber was es braucht, ist wahrscheinlich wirklich eine Heilige oder ein Heiliger – nur ist das in unserer Zeit heute überhaupt noch denkbar?

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