Der Konservative — Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

Maria 2.0 – Ich versteh’s nicht

Die Forderungen von Maria 2.0 und ihren VerbündetInnen bei Kfd & Co. mögen populär sein, sind aber unumsetzbar.

Es gibt in der Katholischen Kirche eine ganze Reihe von weiblichen Heiligen, die sich zu ihren Lebzeiten mit der Autorität der Kirche angelegt oder zumindest tatkräftig Reformen gegen eine männliche Mehrheit durchgesetzt haben. Hildegard von Bingen, die Heilige Teresa von Ávila, um nur zwei zu nennen, die auch außerhalb der Kirche Bekanntheit erlangt haben. Den Aktivistinnen von Maria 2.0 aber waren „normale“ Heilige nicht gut genug, vielleicht hatten sie aber auch nur Angst, die moderne Mediengesellschaft könne mit den Namen nichts anfangen, weshalb es gleich die Muttergottes sein musste – Maria 2.0.

Diese Wahl ist jedoch in mehrer Hinsicht irritierend, schlimmer noch, sie lässt vermuten, dass es mit dem Glaubenswissen der Frauenbewegung nicht allzugut steht.

Rein logisch könnte man zunächst feststellen, das ein Update Marias keinen großen Sinn macht. Was bitte kann man den noch an einer Muttergottes verbessern? Das Hauptproblem jedoch ist die völlige totale Unpassenheit Marias mit einer Bewegung wie Maria 2.0.

„Siehe ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ – Lukas 1,38

Kann man sich die junge Maria als Krawallmacherin vorstellen, wo sie doch demütig und dankbar zur Mutter Jesu wurde? Oder ist sie nicht eher das Gegenbeispiel zu den aufgebrachten, meist älteren Frauen, die laut schimpfend in kleinen Grüppchen auch demnächst wieder vor und vielleicht in Kirchen demonstrieren werden. Aufgebauscht von einer Presse, die sich redliche Mühe gibt die Handvoll Demonstrantinnen als Kirchenvolksbewegung zu zeichnen. Eine mediale Darstellung, die auch viele Bischöfe wieder dazu bringen wird, sich verständnisvoll, gar solidarisch mit einer Krawalltruppe zu zeigen, die schon offiziell verkündet hat, sich am synodalen Weg nicht zu beteiligen – also offenbar auch keinen Gesprächsbedarf zu haben scheint. Was einem Angst machen kann, zielt der synodale Weg der deutschen Bischöfe doch auch auf viele ihrer Forderungen hin. Und wer nicht einmal mehr mit jemanden reden möchte, mit dem man sich einigen könnte, scheint auf alles oder nichts zu gehen.

Doch genau das ist unmöglich. Am Beispiel der Frauen in Weiheämtern lässt sich das recht gut demonstrieren. Ja, man kann in Deutschland dafür demonstrieren, Frauen in Weiheämter der Katholischen Kirche zuzulassen. Der Erfolg allerdings ist etwa so realistisch, wie eine Demonstration gegen die Gravitation. Man kann auch gegen die Schwerkraft demonstrieren, der Apfel wird trotzdem auf den Boden fallen.

Gerade die deutschen Katholiken scheinen, vielleicht als Nebenwirkung der Reformation, oft zu vergessen, dass es sich bei der Katholischen Kirche um eine Weltkirche handelt. Vielleicht müssen sie es aber auch zwangsläufig ignorieren, weil die Tatsache, dass die Katholische Kirche in jenen Regionen der Welt wächst, in denen sie sich betont konservativ zeigt, ihrer eigenen Vorstellung einer liberalen Kirche entgegensteht. Getreu dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Der Papst bereist gerade Afrika. Eine Region der Welt, in der die katholischen Bischöfe offen katholische Positionen vertreten, zum Beispiel, wenn es um das Thema Abtreibung geht. Ein Mann wie Kardinal Sarah könnte sich hierzulande vor Farbbeuteln und Tortenwürfen wahrscheinlich gar nicht mehr retten. Und dennoch spiegelt seine Meinung innerhalb der Katholischen Kirche eine Mehrheit wieder, während der liberale Westen spätestens dann in die Minderheit gerät, wenn man all jene Katholiken abzieht, die sich nicht durch Organisationen wie das ZdK vertreten fühlen.

Der Umstand, dass beide Ansichten, die liberale, wie die konservative, die jeweils andere als radikal ansehen, bereitet mir Sorgen. In düsteren Vorahnungen sehe ich ein Schisma in diesem Jahrhundert auf uns zukommen, bei dem sich die Liberal-Progressiven von der weltumspannenden Römisch-Katholischen Kirche trennen – weil Rom, selbst wenn Rom es wollen würde, was es nicht tut, deren Forderungen gar nicht erfüllen kann. Eine Spaltung, von der weder die Liberal-Progressiven, noch die Romtreuen wirklich profitieren können. Eine Spaltung, ein Schisma war für die am ersten Pfingsten ins Leben gerufene Kirche schon immer eine Niederlage.

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