Angler sind die neuen Superschurken

Nachdem sich die Fuchsjagd in Deutschland nie durchgesetzt hat, brauchen Tierschützer andere Bösewichte: Angler

In Lokalzeitungen gibt es sie, seit ich denken kann. Immer wieder präsentieren Angler stolz einen überdurchschnittlichen Fang. Von ein paar Leuten kriegen sie dafür Respekt, die meisten interessiert diese Nachricht allerdings ebenso wenig, wie der 101. Geburtstag von Gertrude Wasweißich.

Doch diese Zeiten des Desinteresses scheinen vorbei zu sein, wie ein 25-jähriger Angler bei Bad Kissingen einen 1,20 Meter Hecht aus dem Main gezogen hat. Und sein Bild kam natürlich auch in die Zeitung. Großer Fisch, muss man zugeben. Das Foto jedoch sorgt inzwischen nicht nur für Respekt oder Desinteresse, sondern pures Entsetzen. Und nein, auch wenn ich finde, der junge Mann hätte sich für das Foto ruhig ein T-Shirt anziehen können, es geht natürlich um den Fisch.

Nun weiß jeder der angelt, oder sich dieses Extrem-Fishingzeugs bei DMAX ansieht, einen Fisch angelt man nicht mit einem Zug. Je größer der Fisch, desto länger der Kampf ihn am Hacken zu haben und an Land zu bringen. In diesem Fall sprechen wir von 20 Minuten. Was einem der Kommentatoren unter dem Artikel zu dem Gedankenspiel veranlasste, man möge sich doch vorstellen schwer verletzt bei einem Autounfall 20 Minuten mit dem Tod zu ringen. Das sich jemand dieses Zeug anguckt und sogar ließt, hat offenbar auch die Redaktion der Main Post total überrascht. Denkt ja keiner dran, dass die Artikel auch gelesen werden. Man sah sich zu einem weiteren Artikel gezwungen, in dem man fragte „Ist Angeln ein grausames Hobby?„. Damit da nichts schief gehen kann, hat man sicherheitshalber niemanden vom örtlichen Anglerverein gefragt, sondern beim Tierschutzbund nachgehackt. Dort konnte die Expertin leider aber auch nur sagen, dass an der Sache nichts illegales sei. Das war natürlich nicht ganz im Sinner einer ergrünten Redaktion, deshalb hat man den Artikel sicherheitshalber doch folgend beendet:

„Das stolze Präsentieren des Angel-Erfolgs ist allerdings ethisch fragwürdig.“ Es scheine hier fraglich, ob der Fisch tatsächlich einzig zu Nahrungszwecken gefangen wurde.  – Main Post

Herr Gott, als ob der Typ einer Giraffe mit einem Beil den Kopf abgeschlagen hätte, um ihn anschließend stolz in die Kamera zu halten. Ob er die Giraffe im Anschluss wirklich gegessen hätte, wäre übrigens wirklich fraglich gewesen. Wie man aber bei dem Fisch auf diese Mutmaßung kommt, hätte man auch begründen können. Aber dann wäre das moralisierende Ende nicht mehr Zack-Zack, sondern langweilig-langweilig.

Ärger wegen der „ethisch fragwürdigen“ Präsentation von Fischen hat übrigens auch Claudia Darga. Ok, kannte ich bisher auch nicht, aber laut BILD ist sie Hamburgs Karpfen-Queen.

Sie hat allerdings auch etwas getan, was man nicht tun darf. Sie hat – dummerweise im Fernsehen – erzählt, dass sie ein paar der gefangenen Fische auch wieder freilässt. Das ist eine unter Sportanglern weltweit übliche Sitte, hierzulande aber darf man eben nur angeln, was man auch verzehrt. Und das die Tierschutzorganisation Peta nicht nur dafür bekannt ist blutüberströmte nackte Menschen (freiwillig natürlich) in Käfige zu stecken, sondern den Feind auch medial im Blick hat, hatte Darga auch prompt eine Anzeige am Hals.

Mal unter uns, ja, man weiß inzwischen das die Geschichte von den schmerzunempfindlichen Fischen ein Märchen ist. Aber Fische sind Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung, und Fische werden geangelt – oder in für die Tiere stressigen Zuchtfarmen geangelt. Ich habe nämlich den Verdacht, wenn wir warten bis die Fische eines natürlichen Todes sterben, wird die Fischversorgung langsam zusammenbrechen.

Das sich Leute 2019 über so etwas aufregen, zeigt zwei Dinge. Zum einen, dass der Anteil von militanten Ideologen unter den Veganern überdurchschnittlich hoch sein muss, denn entgegen der veröffentlichten Meinung sind Veganer und Vegetarier immer noch in der Minderheit. (Scheiße, hoffentlich kommen die nicht auf die Idee „vegan“ zu einem Geschlecht zu erklären, dann kann ich ja gar nicht mehr böse über sie herziehen?) Zum anderen deutet das aber darauf hin, dass wir tatsächlich in einer Gesellschaft leben, in der das Fleisch in den Kühltheken auf wahrscheinlich magische Weise zu Wurst und Steak mutiert. Berichte über Massentierhaltungen mögen uns kurzzeitig schockieren, aber im alltäglichen Leben ist die Verbindung zwischen Tier und Salami verloren gegangen. Was übrigens auch für die Leute gilt, die glauben es sei ein Menschenrecht und eine heilige Verpflichtung jeden Tag einen Braten in der Röhre zu haben. Bei den einen fehlt der Realismus, bei den anderen der Respekt.

Nüchtern betrachtet steht es jedem frei sich für eine vegane Ernährung zu entscheiden. Veganer präsentieren ja auch gerne Studien, dass ihre Ernährungsform gesund sei. Das der Mensch, hätte er sich von Beginn an nur vegan ernährt, wahrscheinlich nie ein Gehirn entwickelt hätte, dass solche Studien erstellt … Details, Schwamm drüber. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn alle Veganer dem Rest der Bevölkerung zugestehen würden, dass sich ein Mensch auch frei entscheiden kann ein Steak auf den Grill zu werfen. Und wenn sie weder den Anblick oder den Geruch ertragen, können sie sich ja zurückziehen und ihre Avocados essen. Nebenbei bemerkt verschlingt der Avocadoanbau für den deutschen veganen Hipster Unmengen von Wasser, in Chile leidet deshalb die Natur und die Menschen. Was aber egal scheint, weil a) Avocados sind hippstermäßiggeiles Superfood, und b) Chile liegt doch irgendwo am Arsch der Welt. Ich meine, da gibt’s nicht mal mehr bedrohte Urvölker, die im Amazons gerade mit den Flammen kämpfen. Aber der Typ mit dem 1,20 Hecht ist ja ums Eck, darüber regt man sich dann auf.

Kommentare

Für viele scheint sowas wie Verhältnismäßigkeit nicht mehr zu existieren. Ihnen wird ein Köder hingehalten und sie schnappen zu. Die Dürftigkeit vieler Kommentare, nicht bloß ihre „Länge“, deuten auf ein hohes Aggressionspotenzial. Das zeigt sich themenübergreifend und spiegelt vielleicht eine unumkehrbare Veränderung in unseren Gesellschaften wider.

Die Art wie unsere Medien heute arbeiten, glaube ich, spielt der Entwicklung meines Erachtens in die Hände. Das wissen alle Verantwortlichen natürlich. Sie scheren sich nicht drum, weil sie glauben, ihre Existenz nur auf diese Art und Weise sichern zu können. Dass dabei leider viel mehr den Bach heruntergeht, interessiert scheinbar niemanden. Die AfD wäre ohne die von mir beanstandete Leichtfertigkeit der Medien nicht in der Lage, ihre Ernte im Osten einzufahren.

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