Von Polymutterschaften und Schwangerschaftskommunismus

Das Verhältnis zur Familie ist bei queeren Aktivisten seit je her gestört. Ob es nun an eigenen Erfahrungen liegt, oder nicht – die Familie ist ihr Feind.

Was mich wirklich pessimistisch stimmt, mir zumindest große Sorge bereitet, ist die unverblümte Offenheit, mit der queere Aktivisten inzwischen in seriösen Medien und unwidersprochen bejubelt werden. Der in der Zeit erschienenen Artikel Die elternlose Gesellschaft von Lukas Hermsmeier ist ein besonders krasses Beispiel.

Die Heldin dieser Geschichte ist die Britin Sophie Lewis, die in der britischen Akademikerszene offenbar gerade gehypet wird. Ihr neues Buch handelt von einer elternlosen Gesellschaft. Kinder sollen nicht mehr von den Eltern erzogen werden, sondern von der gesamten Gesellschaft. Eine unverkennbar linke Idee, die, wie Hermsmeier auch schreibt, ihre Wurzeln schon im Marxismus hat. Allerdings auch eine linke Idee, die nicht einmal in der Sowjetunion oder der DDR so versucht wurde umzusetzen. Warum? Na ja, selbst ein Josef Stalin war im Gegensatz zu Sophie Lewis kein Theoretiker, sondern ein Praktiker.

Aber spielen wir den Advocatus Diaboli, was also spricht dafür? Das heutige Familienbild ist tatsächlich relativ jung. Es entstand während der Industrialisierung und wurde erst im 20. Jahrhundert endgültig zementiert. Das Ideal von Vater, Mutter, Kind mag bereits durch Martin Luther endgültig in die Welt gekommen zu sein, doch außerhalb von Pastorenfamilien war dennoch die Großfamilie die Regel. Durch die von Industrialisierung ausgelöste Landflucht war dieses System aber mehr und mehr zum Aussterben verurteilt. Heute ist es schon so etwas, wie eine alternative Lebensform geworden. Allerdings, es handelte sich dabei halt immer noch um Familie, insofern bin ich dieses Mal ein schlechter Advocatus Diaboli.

Was ich Sophie Lewis allerdings tatsächlich anrechne, ist die Offenheit, in der sie ihre Ideen äußert. Schon beim Untertitel weiß man, was von ihrem Buch zu erwarten ist: “ Feminismus gegen die Familie“ In einer Zeit, in dem die Argumente für die Familie schon mal vom Gegner als Verschwörungstheorien abgetan werden, sind Aktivistinnen wie Lewis Zeuginnen der Anklage. Ebenso wie Zeit-Autor Hermsmeier, ihr neue Fanboy:

„Wie wir uns fortpflanzen und organisieren, wie wir über Erziehung, Natur, Arbeit und Beziehungen nachdenken – all das könnte fundamental anders sein, schreibt Lewis. Und müsste es auch, im Sinne einer emanzipatorischen Revolution. Kern dieser Revolution ist die Überwindung der Familie, eine Forderung, mit der Lewis längst nicht allein ist.“ – Quelle: www.zeit.de

Ansonsten ist er allerdings intellektuell offenbar keine sonderliche Leuchte, den statt Argumente für die Revolution zu nennen, begründet er die Abschaffung der Familie mit einer selektiven Auswahl deren Befürworter. Viktor Orban etwa, dessen Familienpolitik im Gegensatz zur deutschen tatsächlich zu funktionieren scheint. Ungarische Maßnahmen wie eine Befreiung von Müttern von der Einkommenssteuer ab dem vierten Kind, dürften hierzulande allerdings mit einem Hinweis auf das von den Nazis verliehene Mutterkreuz abgewehrt werden. Ja, auch die AfD tritt für die Familie ein! Und, wo ist das Gegenargument? Wenn die AfD morgen aufhören würde den Klimawandel zu leugnen, würden wir dann aufhören zu versuchen ihn aufzuhalten?

„Ja, manchmal lässt sich eine Idee am besten durch ihre Gegner verstehen.“ – www.zeit.de

Da die Familie nun aber noch immer das häufigste Modell ist, und die Menschen diesem Modell so lange folgen, solange man sie nicht daran hindert, müssen sich auch Hermsmeier und Lewis die Frage stellen, ob man denn nichts wichtigeres zu tun habe, als die Familie abzuschaffen? Und ob die Familie angesichts der Ungerechtigkeiten dieser Welt nicht doch etwas gutes sei? Und überhaupt, war das einzige, was die „Ehe für alle“ tatsächlich gesetzlich geregelt hat, ein uneingeschränktes Adoptionsrecht auch für Schwulen- und Lesbenpaare? Womit ja eigentlich nahe liegen würde, dass auch hier der Wunsch nach Familie im Herzen der Menschen brennt. Die Antwort auf diese Fragen der anderen Seite lautet:

„Doch Theoretikerinnen wie Lewis verschieben die Perspektive: Wer über die Familie, vor allem wie wir sie im Westen kennen, nicht reden will, soll über soziale Ungerechtigkeiten schweigen.“ – www.zeit.de

Das ist Intellektuellensprache für „Haltet euer Maul, ihr habt nix zu sagen“.

Kommunismus 2.0?

Das Ideen wie eine elternlose Gesellschaft dem biologischen Wesen des Menschen widersprechen ist hinreichend offensichtlich. Die Bindung zwischen Mutter und Neugeborenen wird von der Wissenschaft als enorm wichtig für eine gesunde Entwicklung des Menschen betrachtet. Das Mütter auf das Schreien ihrer Kinder quasi programmiert sind, usus. Im Augenblick geht die Wissenschaft eher in die Richtung, dass auch die Väter biologisch bedingte Prozesse durchleben, die die Bindung zu ihrem Nachwuchs sicherstellen sollen. Nur ist das eben alles Biologie, mit derartigen Fakten hat es die queere Welt allerdings nicht so, die durch ihren Genderwahn kulturell beheben will, was sie als Mangel empfindet.

Was mich tatsächlich aber auch überrascht, ist wie schnell der Kommunismus wieder zu einer Utopie werden konnte. Viele Opfer des realen Kommunismus leben noch. In Nordkorea sieht man, wie der Kommunismus heute noch Opfer fordert. In Venezuela konnte man wie in einem perversen Versuchslabor sehen, dass der Kommunismus nicht einmal dann funktioniert, wenn er, wie von Marx ja vorgesehen, eine kapitalistische Gesellschaftsordnung abgelöst hat.

Ein Grund dafür ist sicher aber auch der Kapitalismus, der zweifelsohne die Hauptschuld an der aktuellen Weltlage trägt. Ein System, dass auf einen verbrauchenden Fortschritt setzt, aber nur endliche Ressourcen zur Verfügung hat, ist eine vorprogrammierte Vernichtungsmaschine. Das der Kapitalismus nach einer kurzen Zeit der Liebäugelei mit autoritären Systemen verstanden hat, dass sich die Demokratie für seine ungebremste Ausweitung wesentlich besser eignet, ist das zweite Problem. Es gibt keine kapitalistische Weltverschwörung, in der in einem Rat alter, weißer und verdammt reicher Männer, die Weltgeschicke geleitet werden, und dennoch sind politische Entscheidungen Mangelware, die den Kapitalismus einschränken. Die Idee ein kaputtes und schädliches System, durch ein System abzulösen, das ebenfalls schon bewiesen hat, nicht zu funktionieren und den Menschen zu schaden, erscheint mir aber, mit Verlaub, eine äußerst dumme Idee zu sein.

Letztlich offenbart sich durch Denkerinnen wie Sophie Lewis aber die hässliche Fratze der queeren-gender Ideologie. Einer Ideologie, die kaum noch etwas zu tun hat mit dem Kampf für Frauenrechte oder Homosexuelle und Trans-Menschen, und diesen Kampf nur noch vorschiebt, und die betroffenen Menschen damit schlicht und einfach missbraucht. Theoretikerinnen wie Lewis wollen die Menschen in ein totalitäres System führen, denn sie sind zumindest klug genug zu wissen, dass Gewalt die einzige Möglichkeit ist, den Menschen ihr ideologisches Weltbild aufzuzwingen.

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