Gesinnungsjournalismus wird die AfD auch nicht verschwinden lassen

Georg Restle ist so etwas wie die Dunja Hayali des WDR. Mit journalistischen Ethos, nimmt er es allerdings nicht sehr genau.

Die Räumung des Rheinbades in Düsseldorf hatte in den letzten Wochen selbst in Mainstreammedien derart Schlagzeilen gemacht, dass man eigentlich auf einen „War halb so schlimm, regt euch nicht so auf“-Beitrag von Monitor hätte wetten können. Stattdessen strahlte Monitor gestern einen „Es ist nichts passiert, ihr solltet euch schämen“-Beitrag aus.

Wenn Georg Restle am Ende noch einmal auf das hohe moralische Ross steigt, um seinen Berufskollegen ins Gewissen zu reden, zeichnet sich eine der bittersten Ironien der letzten Monate ab. Denn der rund 8 Minuten lange Beitrag zuvor, kann als Musterbeispiel für Gesinnungsjournalismus ins Lehrbuch eingetragen werden.

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ – Hans Joachim Friedrichs

Sich nicht mit einer Sache gemein machen, und sei es auch die gute Sache, über dieses Stadium ist Restle bekanntlich schon lange hinaus. Sein Kommentar bei den Tagesthemen, war sachlich Unsinn, aber immerhin ein Kommentar. (Und damit übrigens kein Grund den Mann an Leib und Leben zu bedrohen.) Der Monitor-Beitrag allerdings ist ein triefendes Stück Gesinnungsjournalismus, der so vor falscher Moral trieft, dass es kein Wunder ist, das immer mehr Zuschauer Sendungen wie „Monitor“ nicht mehr ernst nehmen können.

Fakten werden klein geredet, der geradezu genussvoll zelebrierte Hinweis, dass nur gegen „zwei Deutsche“ Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden, nicht hinterfragt. (Migrationshintergund?) Das Zurückrudern des auf Parteilinie gebrachten Düsseldorfer Oberbürgermeisters wird im melodramatischer Breite dargestellt. Man lässt ihn sagen, dass dort keine „organisierte Bandenkriminalität“ stattgefunden hätte. Nur das das auch niemand ernsthaft behauptet hat? Wenn Oberbürgermeister Geisel die Situation aber gar derart verharmlost, dass da nur „Quatsch“ gemacht worden sei, würde ich mich als Rheinbad-Angestellter allerdings von meinem obersten Dienstherr doch ein wenig im Stich gelassen fühlen. Immerhin hat man dort die Lage als so bedrohlich empfunden, dass man die Polizei um Hilfe gerufen hatte. Eine Zeugenaussage nimmt der Bericht zur Kenntnis, die ins zu zeichnende Bild passt. Ironischer Weise von einem privat dort anwesenden Polizisten? Warum ironisch? Weil sich Restle in seinem moralischen Anfall zum Schluss nicht einmal zu schade ist, seine Kollegen zu warnen, man dürfe nicht alles glauben, was die Polizei sage.

Das schnell klar wurde, dass die zum Beweis der „Es gibt nichts zu sehen“-These gefilmten Bilder aus Berlin, ausgerechnet aus einem wohlhabenden Viertel, in dem kaum Migranten wohnen, stammen, rundet das Bild ab. Der einzig störende Faktor ist eine Wortmeldung aus dem Innenministerium. Die Gegenseite zu Wort kommen lassen ist ein journalistischer Grundsatz, den nicht einzuhalten man sich noch nicht traut. Also greift man zu einem schäbigen Trick. Günter Krings, parlamentarischer Staatsekretär, weißt daraufhin, das Migranten an der Situation beteiligt waren. SCHNITT Ein Experte erklärt, dass man so etwas heute nicht mehr sagen darf, weil es nur die Situation aufheizen würde. Nicht minder schäbig die Verächtlichmachung der Kollegen, die in grau und mit melodramatischer Musik hinterlegt als das Böse dargestellt werden, während der restliche Bericht Ruhe und Sicherheit ausstrahlt.

Sie selektiv die Rosinen heraus picken, die Gegenseite schlecht machen, billige melodramatische Filmtricks anwenden und friedliche Bilder zeigen, die mit der Situation nichts zu tun haben – damit hat sich das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen einmal wieder keinen Gefallen getan. Für Rechtspopulisten ist der Bericht nur ein weiterer Beweis für ihre „Lügenpresse“-These, für den Rest ein Beleg, wie tief manche Journalisten schon gesunken sind, die sich nicht mehr als vierte Macht im Staate begreifen, sondern als Erfüllungsgehilfe eines vereinfachten Weltbildes, in dem immer die Sonne scheint und Hinweise auf die Realität in die rechte Ecke verwiesen werden. Zweifellos sind Negativbeispiele für ihre Zunft wie es Georg Restle ist, so selbstverliebt und stolz auf ihre Taten, dass sie sich als Vorkämpfer gegen die rechte Bedrohung auf die vor Stolz fast berstende Brust klopfen, dass derartiger Gesinnungsjournalismus aber ein Problem ist, auf die Idee würden sie nicht kommen. In der Tat ist er aber ein Problem, und zwar nicht nur für jene, die sich noch als echte Journalisten begreifen, sondern weil ejakulatische Berichte wie dieser, Wasser auf den Mühlen der AfD sind.

Kommentare

Das ist Wasser auf die Mühlen der AfD. Ich habe die Äußerungen des OB von Düsseldorf in voller Länge angehört und mir meinen Teil gedacht (auch aufgeschrieben). Ich hatte den Eindruck belogen zu werden. Andere sehen es exakt anders herum und bieten Links an, die „Ihre Sicht“ belegen. Keine Seite wird dem gerecht, was eine Gesellschaft normalerweise brauchte. Eine nüchterne und sachliche Betrachtung der Wirklichkeit. Dass die Video-Aufnahmen (aus Datenschutzgründen) gelöscht und der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wurden, spricht für mich eine klare Sprache. Aber auch das wird von Linken freilich ganz anders gesehen.

[…] kann nur all denen beipflichten, den Monitor-Beitrag barsch kritisiert haben. Dass die Tagesschau den […]

Horst sagt:

Es sollte ein weiterer Kommentar vorhanden sein. Hat er sich in der Moderationsschleife verheddert oder hast du ihn absichtlich nicht freigeschaltet?

Thomas Matterne sagt:

Nein, eigentlich werden deine Kommentare schon automatisch freigeschaltet. Ich finde auch keinen im Backend …

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