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Feministinnen lassen ihren Schwestern sterben

Der indische Bundesstaat Uttarakhand ist bei Yoga-Reisenden äußerst beliebt. Jenseits der Ressorts jedoch, ist die Realität ein bisschen härter.

Auch in Indien gibt es Behörden, und Behörden legen nun einmal überall auf der Welt gerne Statistiken an. Manche sind nützlich, manche überflüssig, manche … sagen aus, dass in 132 zusammenliegenden Dörfern im indischen Uttarakhand in einem Zeitraum von drei Monaten 216 Kinder geboren wurden. (Quelle: The Independent) Was daran bemerkenswert ist? Na ja, es waren 216 Jungen und – richtig – kein einziges Mädchen. Man muss keine besondere Fantasie an den Tag legen, um darauf zukommen, was diese statistische Anomalie erzeugt hat.

Indien hat ein auf dem Papier relativ striktes Abtreibungsgesetz. Seit 1994 steht dort zum Beispiel ausdrücklich, dass ein Kind nicht nur deshalb abgetrieben werden darf, weil es ein Mädchen ist. Eine Regelung die nicht auf indische oder internationale Feministinnen zurückgeht, sondern auf der schlichten Tatsache beruhte, dass damals wie heute ein Todesurteil für unzählige Ungeborene ist, wenn sie weiblichen Geschlechts sind. Problematisch an dem Gesetz ist nur, es wird weit weniger strikt durchgesetzt, als es formuliert wurde. Ob man den oder die Ärzte ausfindig machen wird, die über Monate hinweg jedes Mädchen abgetrieben haben, steht in den Sternen. Die indischen Behörden ermitteln. Ohne großen Druck im eigenen Land, und da man die Nachricht über diesen vom Independent zurecht mit „female foeticide“ bezeichneten Vorfall in westlichen Medien mit der Lupe suchen muss, dürfte internationaler Druck nicht zu befürchten sein.

Dabei ist die Situation in vielen asiatischen Ländern inzwischen dramatisch. Ein Mädchen bedeutet mehr als ein bloßes finanzielles Risiko. Die Familie muss es ausbilden – natürlich in Sachen Haushalt, nicht was wir jetzt denken – und eine Mitgift zusammensparen, die von der Familie des späteren Bräutigams akzeptiert wird. Die Folge ist nicht schwer auszumachen: Mädchen werden zuhauf abgetrieben.

Und was daraus folgt, kann man sich auch an fünf Fingern abzählen. Unter natürlichen Bedingungen ist das Geschlechterverhältnis nicht ganz 50:50, ab so ungefähr. In Ländern wie Indien oder Vietnam, aber auch in China, das deshalb aber zumindest seine Ein-Kind-Politik beendete, oder hochentwickelten Ländern wie Südkorea kann man von diesem 50:50-Verhältnis allerdings nur noch träumen. Dort herrscht Frauenmangel, denn wer im Mutterleib getötet wird, kann nicht geboren werden und zur Frau heranwachsen. In Deutschland würde man jetzt sagen, na dann kann sich die Frau ja ihren Mann aussuchen. In Asien blüht der Frauenhandel in Form von Entführungen und Versklavungen. Unter den Abtreibungen leiden also selbst zahlreiche Frauen, die ihr entkommen sind.

So sieht man Indien gern. Zwei Wochen in der Tourismusblase durchs Land streifen, um dann zu glauben es zu kennen.

Offensichtlich liegt hier ein Problem vor! Und ganz offensichtlich war die KP Chinas die einzige, die es lösen will. Wenn sie es auch freilich maßgeblich in China mit verursacht hat. Was ich allerdings nicht sehe, sind UN-Organisationen, die angesichts einer Zahl von 200 Millionen abgetriebener Mädchen Alarm schlagen, statt dessen aber munter weiter daran arbeiten Abtreibung als normales Instrument der Bevölkerungsplanung und gar als Menschenrecht zu etablieren. Was ich auch nicht sehe ist ein Außenminister Heiko Maas, der sich über den kleinsten, unwichtigen Scheiß echauffieren kann, der diesen female foeticide zur Sprache bringt. Oder einen CSU-Entwicklungsminister Müller, der angesichts der Tatsache das Indien Millionen Euro Entwicklungshilfe kassiert, darauf pocht, dass dort die eigenen Gesetze in Abtreibungsfragen durchgesetzt werden. (Davon abgesehen, dass man sich natürlich auch fragen könnte, warum ein Land mit eigenem Raumfahrtprogramm überhaupt noch Entwicklungshilfe erhält.) Und was ich überhaupt nicht sehe, sind feministische Gruppen, die zum Beispiel vor der indischen Botschaft in Berlin demonstrieren, angesichts der Tatsache, dass hier Kinder im Mutterleib nur aus einem Grund getötet werden: Weil sie weiblich sind.

Diese reale und gnadenlose Selektion passt aber wohl nicht in das Weltbild von deutschen Feministinnen, die im Vergleich zu ihren indischen Geschlechtsgenossinnen geradezu in paradiesischen Umständen leben. Was sich wohl auch dadurch zeigt, dass ihre Parolen bekanntlich nur das Recht am eigenen Körper einfordern – nur für sich selbst zu kämpfen ist kein Ausdruck übertriebener Solidarität, nicht wahr. Wenn man bedenkt, dass schon heute in Deutschland nicht einmal 4% der Abtreibungen auf medizinische Indikation zurückgehen, kann man zudem vermuten, es geht ihnen auch wenig um Gesundheit und Leben der Frauen, sondern eher darum, im Fall der Fälle lieber ihren individuellen Lebensplan weiterverfolgen zu können.

Das angesichts der deutschen Gesetzesregelung auch hierzulande immer mehr Abtreibungen auf das weibliche Geschlecht des Fötus zurückzuführen sind, darf angenommen werden. Da das allerdings in der Hauptsache auf jenen Teil der Bevölkerung zurückzuführen ist, die aus patriarchalischen zu uns migriert oder geflüchtet sind, kann man diesen Hinweis natürlich nur sehr leise aussprechen, ohne deshalb Rassismus vorgeworfen zu bekommen. Auch deshalb, weil die westlichen Feministinnen eine weitere unheilige Allianz eingegangen sind, die sie ja auch zum Schweigen in Sachen Frauenbild muslimisch-arabisch geprägter Gemeinschaften zwingt und den Ausschluss alter Vorkämpferinnen wie Alice Schwarzer zur Folge hat, die ihren Überzeugungen treu geblieben sind und diesen Missstand auch benennen.

Dabei ist das Fehlen von Millionen Frauen in Asien nicht allein ein asiatisches Problem. Während die USA mit sich selbst beschäftigt sind, und Europas sich seiner selbst nicht einmal mehr sicher ist, nimmt die Bedeutung der asiatischen Länder massiv zu. Ich weiß nicht wie das mit meinen Lesern ist, aber ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Frauen knapp sind. Und damit meine ich nicht einmal die Tatsache von allein gebliebenen Männern, die nun sicher auch kein stabilisierender gesellschaftlicher Faktor sind, sondern das Vorhandensein von Frauen an sich. Denn selbst in patriarchalischen Gesellschaften ist das Wirken von Frauen ein enorm positiver Faktor. Das sich Gesellschaften mit einem derart großen Frauenmangel positiv entwickeln, dürfen wir hingegen wohl ausschließen.

Aber das kümmert ja scheinbar niemanden …

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