Pferde kotzen nicht, Menschen schon

Hand auf’s Herz, wer hat schon mal den Spruch benutzt, er hat schon Pferde kotzen sehen? Und wer hat das wirklich? Niemand? Dacht ich’s mir.

Wir benutzen das Sprichwort, „man habe schon Pferde kotzen sehen“, wenn wir ein Gerücht, das besonders absurd ist, doch nicht ganz abtun wollen. Aber tatsächlich hat wohl noch niemand, der dies sagt, ein Pferd gesehen, das sich übergeben musste. Der Grund ist die Biologie der Pferde, sie können es einfach nicht. Dazu ist ihr Hals zu lang, ihr Magen zu klein und der Klappmuskel am Mageneingang zu stark.

Aber man weiß ja nie …

In der aktuellen Ausgabe der Tagespost zitiert Lorenz Jäger die Gender-Aktivistin Annika Spahn, die auf Facebook neulich eine dringende Bitte hatte:

„Könnt ihr eventuell auch von ’schwangeren Personen‘ statt ‚werdenden Müttern‘ sprechen? Es werden nicht nur Frauen schwanger.“ – Annika Spahn

Gut, als Katholik ist man in Sachen seltener Schwangerschaft geprägt. Stichwort: Jungfrauengeburt. Da wir aber von den künstlichen Gebärmüttern der „schönen neuen Welt“ von Aldous Huxley noch einige Jahr entfernt sind, stellt sich die Frage, wer außer Frauen wird denn schwanger? Es gibt das berühmte Seepferdchen und ein paar Froscharten, die in gewisser Weise dem Weibchen die Schwangerschaft abnehmen, aber zum einen müsste man auch hier die Definition von Schwangerschaft zurechtbiegen und zum anderen – na ja, Frösche sind Frösche, keine Menschen.

In der schönen neuen Genderwelt hat Spahn natürlich aus ihrer Sicht doch Recht. Wenn eine Frau für sich entscheidet keine Frau mehr zu sein, sondern – was weiß ich – irgendein Dingsbums, dann ist die Aussage „Das Dingsbums ist schwanger“ korrekt. Solange man natürlich davon ausgeht, das ein Dingsbums ein eigenes Geschlecht ist.

Die Aufklärung hat Gott als den Mittelpunkt vertrieben, und den Menschen an seine Stelle gesetzt. Die Gendertheorie denkt diesen Gedanken in letzter Konsequenz zu Ende, in dem sie dem Menschen als Maß aller Dinge auch zugesteht, über das eigene Geschlecht entscheiden zu können. Da Geschlechtsumwandlungen zum einen aber teuer und zum anderen nur dazu führen, das Geschlecht von Mann zu Frau bzw. Frau zu Mann zu wechseln, musste dies mit Hilfe der Definitionshoheit geschehen. Insofern mag dieser Vorgang aus christlicher Sicht auch ein Verstoß gegen die göttliche Schöpfung sein, es ist aber auch ein Verstoß gegen die Wissenschaft der menschlichen Biologie. Die Gendertheorie ist eine Quadratur des Kreises, insofern sie es schafft, den Menschen quasi über den Menschen zu stellen. Im Grunde ist das aber nichts anderes, als wenn alle behaupten würden, der Himmel sei nicht mehr blau, sondern pechschwarz. Wenn jemand aber nach oben deutet, und voller Inbrunst behauptet, der Himmel sei pechschwarz, ist er trotzdem noch blau. Das der Himmel blau gefärbt ist, basiert, wie die beiden Geschlechter, auf der Natur.

Womit wir ganz nebenbei die Frage beantwortet hätten, ob man bei der Gendertheorie von einer wissenschaftlich fundierten Theorie reden können. Da dies ganz offensichtlich nicht der Fall ist, müssen ihre Anhänger fast gezwungenermaßen den nächsten Schritt gehen, und ihre Theorie zur Ideologie umformen. Anders ist sie selbst für überzeugte Anhänger schwer aufrechtzuerhalten.

Das sich früher oder später eine Gendertheorie entwickeln würde, war an sich vorhersehbar. Wir leben in einer erzwungenen durch-individualisierten Welt, in der man bei zwei Geschlechtern nicht mehr von der notwendigen Vielfalt sprechen kann, um das Trugbild aufrecht zu erhalten, jeder könne für sich allein seine eigene Welt bilden. Da das Geschlecht aber vielleicht sogar das grundlegendste Merkmal des Menschen ist, war es folgerichtig, auch das Geschlecht zu individualisieren. In einer Welt, in der Fakten, wie auch immer sie begründet oder belegt sind, als Hindernisse der individuellen Persönlichkeitsentwicklung gesehen werden, ist die Festlegung auf das Schema „Mann“ oder „Frau“ offenbar für einen großen Teil der Elite schier unerträglich geworden. Das auch wissenschaftlich fundierte Einwände gegen die neue schöne Genderwelt postwendend nicht mit Argumenten, sondern mit Verurteilungen wie z.B. Faschismusvorwürfen, beantwortet werden müssen, ist ein für die Anhänger der Ideologie eine logische Konsequenz.

Die Frage ist natürlich, welche Konsequenzen hat es für die menschliche Gesellschaft, wenn die Geschlechtsfrage keine Frage der menschlichen Biologie mehr ist, sondern der aktuellen Stimmungslage?

Gut, wenn jemand glaubt, er sei Dingsbums, dann kann er das ja eigentlich meinetwegen auch tun. Es gibt ja auch Menschen, die glauben sie seien ein Alien. Und so lange sie nicht anfangen Menschen in selbst gebastelten Ufos Analsonden einzuführen, ist mir auch das egal. Und in der Tat lautet ein viel genutztes Argument ja auch, was betrifft dich das, wenn man als Gegner der Ideologie in Erscheinung tritt. Das Problem ist, dass im Zuge der Genderideologie durchaus auch Analsonden zum Einsatz kommen. Also nicht sprichwörtlich, Gott sei dank.

Cartman, der einzige Junge, der mit einer eigenen Analsonde spielen darf.

Die Weigerung an vordefinierte Geschlechter zu glauben, führt am Ende nämlich dennoch zu medizinischen Eingriffen. Ein bisschen Praxis muss dann doch sein, man braucht ja zumindest ein paar „lebende“ Belege für seine Ideologie. Missbraucht werden dazu jene, die sich nicht wehren können: Kinder. Sei es durch die Gabe von Hormone, oder auch ganze Geschlechtsumwandlungen. So machte Anfang des Monats die Kündigung von Ärzten einer Londoner Klinik die Runde, die feststellen mussten, dass nicht mehr medizinische Diagnosen ausschlaggebend sind, sondern der erzeugte Druck der Lobbygruppen, die mit „Lebendexperimenten“ ihre eigene Ideologie bestätigen wollen. Das erinnert mich an eine Zeit in der deutschen Medizin, aber ich kann ja jetzt schwerlich die Nazikeule rausholen, wo ich mich beschwert habe, dass die Vertreter der Genderideologie immer die Nazikeule rausholen. Schade eigentlich.


Exkurs: Das Pferde nicht kotzen können, stimmt so eigentlich gar nicht. Es gibt Krankheiten, die – vorausgesetzt die aufgenommene Nahrung war besonders flüssig – durchaus dafür sorgen können, dass Pferde sich doch übergeben können. Diese Fälle sind allerdings extrem selten. Ebenso selten gibt es auch tatsächlich Menschen, die auch medizinisch betrachtet „im falschen Körper“ geboren sind. Das ist ein schweres Los, weshalb die Betroffenen Hilfe benötigen und den Respekt der Gesellschaft. Und in letzter Konsequenz auch eine Operation, die ihr inneres und äußeres Geschlecht angleicht. Nur mit der Gendertheorie hat das so rein gar nichts zu tun.

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