Der Konservative — Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

So einfach sind getunte Feindbilder leider nicht

An dieser Stelle möchte ich einmal die eher seltene Gelegenheit ergreifen, meinem Blognachbarn Horst Schulte zu widersprechen – zumindest in weiten Teilen.

Der konkrete Anlass ist wohl die Vergewaltigung einer jungen Deutschen auf Mallorca, bei dem die Tatverdächtigen in den deutschen Medien unkommentiert als „Deutsche“ betitelt wurden. Erst als erste Bilder der Tatverdächtigen auftauchten, begann man staatsangehörig neutral zu formulieren. Weil es allerdings, wie auch Horst Schulte schreibt, „ohne viel Rechercheaufwand“ herausstellte, „dass die mutmaßlichen Täter auf die Namen Serhad, Azad, Yakub und Baran hören“, haben wir es ehe wieder mit einem jener Fälle von Political Corectness zu tun, die Wasser auf die Mühlen der AfD darstellen.

Aber was stört mich nun an dem Artikel Getunte Feindbilder? Im Grunde etwas, was ich auch in meinem Artikel Das Problem mit den Einzelfällen … ausdrücken wollte. Wir dürfen nicht den Fehler begehen, die vorliegenden Fälle zu einem rassistischen Vorwurf auf alle Ausländer zu machen. Wir dürfen daraus aber auch nicht schließen, dass es nicht bestimmte Ursachen gibt, die zumindest überproportional in dieser Bevölkerungsgruppe vorliegen.

Gehen wir vom konkreten Fall weg, und werfen einen Blick in die Statistik:

Aus dieser Statistik kann man einiges an Schlüsse ziehen. Zunächst einmal natürlich, das Horst Schulte mit einem auch absolut richtig liegt. Die verdrehte (explizit immer suggerierte, aber nie ausgesprochene) Schlussfolgerung, Deutsche würden so etwas nicht tun, ist völliger Bullshit. Deutsche Männer vergewaltigen, missbrauchen Kinder und tun ebenso all die grauenvollen anderen Dinge. Sie sind in der Bevölkerung sogar mit 4.945 Tatverdächtigen, die Haupttätergruppe bei Verbrechen mit sexuellem Hintergrund. Dagegen stehen 3.102 Täter mit Migrationshintergrund, von denen wiederum 42% Zuwanderer sind.

Diese Zahlen werden erst dann problematisch, wenn man sie in Relation zum Anteil an der Gesamtbevölkerung setzt. Dann ergibt sich nämlich, dass Männer mit Migrationshintergrund signifikant häufiger zum Täter werden, als – wie es links so schön heißt – sogenannte Bio-Deutsche. Und das hat eben seine Gründe.

Und hier ist das Problem. Wer die Gründe für dieses Verhalten kennt, kann versuchen sie abzustellen. Wenn wir aber das Problem der höheren Täterwahrscheinlichkeit bei Männern mit Migrationshintergrund relativieren, und behaupten es seien so oder so eben Männer, dann können diese spezifischen Gründe nicht existieren, weil sie diese Annahme widerlegen würden.


Einschub: Natürlich gibt es auch bei Männern ohne Migrationshintergrund spezifische Gründe, die ebenso bekämpft werden müssen. Die Allverfügbarkeit von Gewaltpornographie zum Beispiel. Das ist ein anderes Problem, aber kein Gegenargument für meine Argumentation.


Das Prinzip des Multikulti basiert auf einer gemeinsamen Existenz verschiedener Gruppen, die ihre eigenen Traditionen pflegen, ohne von der dominanten deutschen Gruppe beeinflusst zu werden. Das macht in Teilen auch Sinn, bedeutet aber auch, dass das dort herrschende Männer- und Frauenbild nicht angetastet wird. Das klappt innerhalb der Gruppe mehr schlecht als recht, zumindest solange, bis zum Beispiel eine Frau mit arabischen oder türkischen Migrationshintergrund, nicht dieselben Rechte für sich einfordert, die eine Frau außerhalb ihrer Gruppe genießt. Tut sie das, ist das Problem nicht vorprogrammiert, jedoch zu einer leider nicht geringen Wahrscheinlichkeit in der Welt. Was daraus folgt, betiteln wir im schlimmsten Fall als „Ehrenmord“. (Wobei ich mir wenige Dinge vorstellen kann, die noch weniger mit dem Wort „Ehre“ in Verbindung zu bringen sind, als ein „Ehrenmord“.) Für viele junge Männer aus dieser Gruppe tut sich dagegen etwas ganz anderes auf. Erzogen in einer Gesellschaft, in denen ja auch sie in ihrem sexuellen Trieb eingeschränkt sind, weil die jungen Frauen in ihrer Gruppe schon aus Eigenschutz gezwungen sind die herrschende Sexualmoral einzuhalten, stoßen sie auf der anderen Straßenseite auf junge Deutsche, die in Verhalten und Kleidung geradezu provozierend wirken müssen. In ihrer eigenen Gruppe stellt das auch kein Problem dar, da ein knapper Minirock den Deutschen zwar nicht selten zum Voyeur macht, aber er daraus nicht die Botschaft der sexuellen Verfügbarkeit ableitet. Die Schlüsse des jungen Mannes mit Migrationshintergrund hingegen …


Anfang des Jahres kam es in Dresden zu einem bizarren Urteil, obwohl das Gericht den angeklagten Flüchtling für schuldig hielt eine Sozialarbeiterin in seiner Wohnung vergewaltigt zu haben, kam er wieder frei. Die Welt am Sonntag ging der Sache nach, und fand den Grund: Am Ende gab selbst die vergewaltigte Sozialarbeiterin zu Protokoll, sie könne nicht mit Sicherheit sagen, ob der Angeklagte sich darüber bewusst gewesen sei, dass er sie vergewaltige.


Und wie können wir die Ursachen bekämpfen?

Der Islam wird oft als das Problem genannt, aber er ist es eigentlich eher indirekt. Anders als dem Christentum gelang es dem Islam nie die Stammes- und Clanstrukturen aufzubrechen. Deshalb gibt es bis heute etwa die Beschneidung von Mädchen, während sich christliche Fundamentalismen eher in Selbstgeißelungen ausdrücken. Das auf dem Grundsatz „Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist“ basierende Christentum, setzte auf die Ko-Existenz mit dem Staat/Herrscher und war mit diesem einig, kleinere Einheiten – also Familienclans – so gut es ging zu verdrängen. Gleichgültig, ob die Aufklärung dies heute anerkennt, schuf es damit die Grundlage für eine Verbreitung der aufklärerischen Gedanken, die nicht über einen Clan-Patriarchen hinweggehen mussten, sondern sich direkt an das Volk wenden konnten. Das war die Voraussetzung für die in den letzten 100 Jahren erreichten Errungenschaften bei den Frauenrechten und noch einigem mehr.

Mit dem multikulturellem Ideal von nebenher existierenden Gruppen aber, wächst die Anzahl jener Menschen, die aus einer Kultur stammen, die diese Entwicklungen nicht durchlaufen haben.

Jetzt kann man vielleicht darüber diskutieren, ob es ein ethisches Verhalten ist, unsere Wertvorstellungen in Regionen der Welt zu exportieren, in denen diese Entwicklung nie stattgefunden haben. Allerdings könnten wir uns aber auch erst einmal um die Auswirkungen in unserer Nachbarschaft kümmern. Das jedoch gestaltet sich als schwierig bis unmöglich, zumindest im Jahr 2019. Nicht umsonst liegt das Problem vieler integrationswilliger Migranten darin, dass sie relativ hilflos fragen, in was für eine Kultur sie sich denn bitte integrieren können. Eine der Grundideen der modernen liberal-globalistischen Idee ist ja die Quadratur des Kreises, die eigene Kultur hinter anderen Kulturen zurückzustellen bis zur Verleumdung. (Was beim Endsieg die Ideologie vor das Problem stellen wird, dass es keine andere Kultur gibt, die man der eigenen vorziehen könnte. Aber ich komme ins philosophieren.) Wenn heute noch jemand Integration fordert, dann tut er dies in den meisten Fällen ohnehin mehr zur Beruhigung der deutschen Bevölkerung, wohlweislich, dass er zwar Integration fordert, aber kein Angebot machen kann.

Das zeigt sich auch in einem Zurückweichen, wo eine harte Hand gefordert ist. Im Zweifel für den Migranten, weil er doch nicht wissen kann, wann Sex einvernehmlich ist … oder er eine Frau vergewaltigt, weil sie zu zuvorkommend war, oder zu wenig Kleidung am Körper hatte. Ja, streng genommen liegt hier ein Kommunikationsproblem vor. Was der eine als Einladung versteht, war für die andere nur formelle Höflichkeit. Nur das letztere hier gelten muss, und dementsprechend auch durchgesetzt werden sollte. Und das eben in der Sprache des Gegenübers, auch wenn dies einen Balanceakt erfordert.

Nur ist es 2019 nicht mehr schicklich eine klare Grenze zu ziehen. Im Gegenteil, manchmal scheint sogar ein Wettbewerb darin zu bestehen, Grenzen einzureißen, obwohl sich nicht einmal jene daran stören, die auf der anderen Seite standen.

Und ich fürchte deshalb werden noch einige Generationen junger Männer in ihrer eigenen kulturellen Blase groß werden, und bei einem Kontakt mit der Gesamtgesellschaft dafür sorgen, dass sie überproportional nicht nur bei Vergewaltigungen in der Kriminalstatistik auftauchen werden. (Bis man natürlich entscheiden wird, das die gesonderte Auflistung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund „rassistisch“ sei und man es deshalb nicht mehr machen darf.)

  1. Sehr richtig, lieber Thomas. Wir stimmen bei allen Punkten überein. Ich sehe hier keinen Dissens. Ich wollte auf etwas hinaus, das ich (mal wieder) nicht rüberbringen konnte. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Taten krank finde und auch ein Bewusstsein dafür habe, dass Kerle mit migrantischem Hintergrund für diese Art von Verbrecher zweifellos anfälliger sind. Da lasse ich mir auch vom bestmeinenden Linken nicht ein X für ein U vormachen.

    Dieser Faktor führt aber leider auch dazu, dass die Beschreibung eines Teiles unserer Bevölkerung durch solche Unterschiede bestimmt bleiben wird. Das wäre mein Punkt gewesen. Wir sprechen also auf Dauer nicht vom Deutschen, der dieses oder jenes getan hat, sondern bestensfalls vom Deutsch – Türken. Tun die Amerikaner das eigentlich auch, wenn ein Mensch mit türkischem Hintergrund ein Verbrechen begangen hat? Werden diese ethnischen Unterschiede in der Öffentlichkeit derart betont?

    Wie gesagt, ansonsten bin ich total bei dir.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.