Ursula von der Leyen soll EU-Kommission führen

Ich habe mich mein halbes Leben lang für einen Pessimisten gehalten, aber im Angesicht dieser Entscheidung, war meine Einschätzung geradezu optimistisch.

Nach dem nach dem erste EU Gipfel klar war, dass man sich nicht auf Manfred Weber als neuen EU-Kommissionspräsidenten einigen würde, war das – vorhersehbare Worst-Case-Szenario eingetreten. (Zumindest in Deutschland, wo man das Spitzenkandidatenmodell, anders als in den meisten anderen EU-Staaten aktiv als solches verstanden hatte.) Was darauf folgen würde, war klar. Eine lange Nacht, Geschachere, noch mehr Hinterzimmerdiplomatie, all das, wofür die EU eben so steht. Aber am Ende würde ein Kandidat stehen, der nach ein paar Monaten sein Standing bei allen Europäern erreicht hätte. So jemand wie der französische Brexit-Vermittler Michel Barnier zum Beispiel. Ein kluger, ausgleichender Mann der Mitte.

Doch es kam anders. Angela Merkel, klammheimlich froh Manfred Weber endlich über die Klippe springen zu lassen, dachte sich, da gab es doch noch diesen Niederländer, wie hieß der gleich, egal, nehmen wir den. War ja auch Spitzenkandidat. Polen, Ungarn und Tschechien würden wahrscheinlich reagieren wie Graf Dracula bei einer Weihwasser-Dusche, aber geht schon irgendwie.

Dummerweise dachten sich eine ganze Reihe Staatschefs aus dem EVP-Lager allerdings, seit wann entscheidet Angela Merkel eigentlich im Alleingang.

Also gab es eine Extra-Runde Hinterzimmerdiplomatie. Namen wurden genannt, verworfen. Andere Namen wurden genannt, verworfen. Die Namen gingen Donald Tusk langsam aus, trotzdem verworfen. Und dann:

Die Reaktion darauf war recht eindeutig:

Dann haben aber immer mehr Menschen begriffen, nein, die meinen das ernst.


Also, ganz ehrlich, gibt es schon einen Wikipedia-Eintrag für „Die haben nichts verstanden“? Und hat einer das Bild der Staats- und Regierungschefs der EU da schon eingefügt. Wissen die überhaupt wer Ursula von der Leyen ist? Zu Gunsten der Staats- und Regierungschefs gehe ich mal davon aus, dass sie es nicht wissen. Denn irgendjemanden, den man nicht kennt zur EU-Kommissionspräsidentin machen zu wollen, ist immer noch besser, als sich bewusst für Ursula von der Leyen zu entscheiden. Ich meine:

Ich meine, ich habe ja von Anfang an gesagt, das die EU-Wahlen die Mühe nicht wert sind die Wahlkabine aufzusuchen. Aber jetzt tun mir die armen Idioten, die mit der Überzeugung ihre Stimme würde zählen, eben jene abgegeben haben, fast schon ein bisschen leid. Zumindest kann ich mir im Augenblick nur schwer einen brutaleren Schlag ins Gesicht für die Wähler vorstellen, als dieser Vorschlag. Und braucht übrigens keiner glauben, dass sich das EU-Parlament quer stellt. Wird vielleicht ein bisschen laut, aber abnicken werden die EU-Parlamentarier auch diese Personalentscheidung. Schließlich werden sie ja auch für’s Abnicken bezahlt.

Aber am Ende muss man sagen, auch nach gefühlten 100 Jahren der Regierung Merkel, kann uns Mutti immer noch überraschen. Wenn mir gestern einer gesagt hätte, Ursula von der Leyen auf den Sitz des EU-Kommissionspräsidenten zu heben, wäre das politische Vermächtnis Angela Merkels – ne, ich hätte ihn ausgelacht.

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