Der Konservative — Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

Das Problem der Rechten mit dem Klimawandel

Die Leugnung des menschengemachten Klimawandels durch die Rechte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Sie zeigt aber auch ein Grundübel der Gesellschaft auf.

„Ich will, dass ihr in Panik geratet.“ Nicht erst diese Äußerung machte die schwedische Klimaktivistin Greta Thunberg zur neuen rechten Hassfigur. Dabei dürfte der AfD und ihrem Umfeld die Methodenwahl der Panikmache, zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele eigentlich alles andere als fremd sein. Schließlich steckt sie alle Energie in der Flüchtlings- und Islamdebatte in keine andere Strategie, als Panikmache. Was eine gesellschaftliche Randbemerkung wäre, würde es die (internationale) Rechte dabei belassen diese Panikmache als politisches Instrument zu kritisieren. Sie positioniert sich aber auch als Leugner des menschengemachten Klimawandels.

Greta Thunberg, Klimaaktivistin und Gesicht einer neuen Bewegung

Der Klimawandel ist menschengemacht. Zumindest spricht eine Einigkeit der Wissenschaftler von über 99 % (kaufmännisch gerundet wären es schlicht 100%) für diesen Fakt.

Man müsste also eigentlich annehmen, dass eine politische Bewegung sich selbst ins Abseits stellen würde, wenn sie offensiv die Gegenposition vertritt. Den Klimawandel zu leugnen ist ungefähr so sinnvoll, wie zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe und über dieser liege die Himmelskuppel, an der die Sterne aufgehängt wurden. Ja, es gibt Leute die das glauben, aber niemand außer ihnen selbst nimmt sie wirklich ernst. Na ja, nicht ganz, denn die 99 % der Wissenschaftler spiegeln sich so in der Bevölkerung eben nicht wieder. Zwar vertraut auch hier eine große Mehrheit den Fakten, aber eine signifikante Minderheit eben nicht. Und Schuld daran ist ausgerechnet der gesunde Menschenverstand. Auf diesen berief sich erst kürzlich die CSU-Politikerin Dorothee Bär in einer Talkshow, als sie zumindest bestritt, der Klimawandel sei zu 100% menschengemacht. Das ist im Kern nicht einmal falsch, da es auch eine natürliche CO2-Entwicklung gibt. Angesichts des Ausmaßes ist diese allerdings so vernachlässigbar, das man fürchten muss, hier fischt eine frustrierte Digitalexpertin nach verlorenen Wählern. Sie demonstriert allerdings das Problem des gesunden Menschenverstandes in dieser Frage. Angesichts der Komplexität der Materie verhält sich dieser zur wissenschaftlichen Ansicht allerdings ähnlich wie Bauernschläue zu Intelligenz – stimmt manchmal, hat aber ach viel mit Chuzpe und vor allem Glück zu tun.

Es ist übrigens diese Komplexität, die uns über einen kleinen Umweg zu einem der Gründe bringt, warum gerade die Rechte dem Klimawandel leugnend gegenübersteht. Die Komplexität der Materie ermöglicht es Gegnern auch immer wieder Studien selbst in den etablierten Medien zu veröffentlichen, die die grundlegende wissenschaftliche Erkenntnis in Zweifel ziehen. Eine Mischung aus Recherchefaulheit und Clickbaiting sorgt in diesem Fall dazu, dass Journalisten sich nicht die Mühe machen deren Absender zu prüfen. Obwohl es ein leichtes wäre, herauszufinden, dass die Macher vielleicht sogar ihre Doktor- und Professorentitel haben, diese allerdings in Gebieten erworben haben, die nichts mit der Materie zu tun haben. Doch während der durchschnittliche BILD-Journalist sein Auto sicher lieber einem Kfz-Mechaniker, als einem Doktor der Literatur zur Reparatur geben würde … na ja, er hat ja nicht mal nachgefragt.

Verlust der rechten Intellektuellen

Und er wollte auch nicht wissen, wer die Studien und die dahintersteckenden Institute finanziert. Die Spuren führen in diesem Fall stets in die USA, zu einer libertär eingestellten Geldelite, für die etwa die Koch-Brüder exemplarisch stehen können. Es ist vorwiegend das Geld dieser neuen Elite, die die Klimaleugnung überhaupt am Leben erhält.

Edgar J. Jung, von den Nazis ermordeter Intellektueller

Nachdem sich durch die 68er Bewegung endgültig die Gleichsetzung zwischen Rechts / Konservativ und Faschismus / Nationalsozialismus durchzusetzen begann, verlor die Rechte nicht nur in Deutschland ihren ideologischen Unterbau. Immer weniger rechte Vordenker wagten sich zu positionieren, vor allem wuchsen aber immer weniger von ihnen nach. War etwa gerade die Zeit der Weimarer Republik auch eine Zeit der konkurrierenden Denkströmungen, an denen selbstverständlich auch die Rechte teilnahm, sind deren Vertreter heute zu Wegbereitern Hitlers abgestempelt worden. Dagegen schützte sie nicht einmal, wenn sie etwa wie Edgar Julius Jung zu den ersten gehörten, die nach der Machtergreifung aus politischen Gründen ermordet wurden. Dieser Pyrrhussieg der Linken führte nicht nur dazu, das den Platz dieser großen Köpfe heute weit weniger Begabte für sich vereinnahmen, er lieferte die europäische Rechte auch den sich als konservativ tarnenden Libertären aus. So kommt es dazu das in einem Land, in dem heimatverbundene Menschen eine geradezu mythologisch begründete Liebe zum Wald entwickelt haben, ohne den geringsten Versuch der Hinterfragung US-amerikanische Ideologien übernommen wurden. Das sich weite Teile der Klimaleugner zugleich im antiamerikanischen Lager befinden, ist so gesehen nur die zweite Ironie hinter der ersten.

Insgesamt ist es das aber, was gegen den wirklichen gesunden Menschenverstand spricht. Dieser müsste eigentlich darauf hindeuten, dass man vielleicht die Komplexität des Klimawandels aufgrund mangelndem Expertenwissen nicht selbst durchschauen kann, man aber sich nicht jenen anschließt, die gegen eine wissenschaftliche Meinung opponieren, weil diese ihnen finanzielle Einbußen einbringt. Oder einfacher ausgedrückt: Wer an von US-Industriellen finanzierte Studien glaubt, die behaupten der Klimawandel sei nicht menschengemacht, ist schlicht und einfach ziemlich doof.

Die anderen sind dafür, also müssen wir dagegen sein

In meiner Heimatstadt Würzburg endet heute ein Kongress einer Vereinigung von Psychologen, der aufgrund seiner christlichen Prägung auf dem Radar der Antifa aufgetaucht ist. Der Antifa-Aufmarsch gegen diesen Kongress fand Freitag statt und bekam Unterstützung von den Friday for Future-Demonstranten. Für anständige Konservative stellt sich in Fragen des Kampfes für das Klima also das gleiche Problem, wie im Kampf gegen Nazis. Man vertritt plötzlich eine Position, die ebenfalls von Aktivisten vertreten wird, deren andere Meinungen man ablehnt bis verabscheut. Die Aufgabe des Umweltschutzes durch den Konservativismus, der etwa Dinge wie Nationalparks überhaupt erst erfunden hat, ebnete den Weg für die Okkupation des Themas allein durch die Linken. Weitestgehend unfähig Themen voneinander zu trennen, marschiert nun eine vereinigte Linke für Umweltschutz, in der stillschweigenden Annahme, die Erde sei nicht nur im Kampf gegen Plastik und CO2 zu retten, sondern ebenso wichtig seien freie Abtreibungen, absurde Geschlechterrollen und die Zerstörung des klassischen Familienbildes.

Wenn man demonstriert, dann aber für alles mögliche.

Während auch (oft nur noch vermeintliche) konservative Politiker bei „Bunt statt Braun“-Demonstrationen den Pakt mit dem linken Teufel nicht scheuen, sind die Vorbehalte in Sachen Klimawandel größer. Womit sie ganz nebenbei auch belegen, wie wenig sie inzwischen selbst von jenen Zusammenhängen verstehen, die noch überschaubar sind, verstehen. Löst der Klimawandel doch schon heute Flüchtlingsströme aus, die allerdings nicht einmal als kleiner Vorgeschmack für die Katastrophe gelten können, was uns diesbezüglich noch bevorsteht.

Ohne einen prägenden intellektuellen Unterbau, was gleichbedeutend mit der Entwicklung eigener Ideen ist, setzt sich schließlich, je weiter man nach rechts geht, die simple Ansicht durch: Wenn die dagegen sind, sind wir dafür. Die letzte Portion Vernunft sorgt dann lediglich noch dafür, nicht für den Klimawandel zu sein, sondern ihn schlicht zu leugnen.

Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Dieser Kerngedanke von Immanuel Kant, einem jener eher wenigen, die die Bezeichnung Aufklärer wirklich verdienen, ist beim Klimawandel in weiten Teilen der Rechten völlig verloren gegangen. Zugunsten eines als gesunden Menschenverstand getarnten Unwillens sich mit komplexen Fragen auseinanderzusetzen, und Lösungen, statt einfacher, aber falscher Antworten zu finden. Der kurzfristige Folge davon ist, den gesamten Konservativismus der Lächerlichkeit Preis zu geben, und es der Linken mehr als leicht zu machen sich an ihrer ohnehin kaum zu ertragenen moralischen Überheblichkeit noch weiter aufzugeilen. Der langfristige Preis ist eine durch die Blockierung von Gegenmaßnahmen realistischer werdende Zerstörung der Umwelt. Ein Kampf, in dem Teile der Truppen nicht nur nicht an das Ziel glauben, sondern es sogar verleugnen, sieht einer Niederlage entgegen.

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