Der Burkini – Zu sexy für diese Welt

Leser, die mich noch als intellektuelles Weichei kennen, werden sich vielleicht an einen alten Eintrag zum Thema Burkini erinnern. Durch das muslimische Model Halima Aden ist dieses für manche kontroverse Kleidungsstück wieder im Gespräch.

Die bei Männern heiß ersehnte Bademodenausgabe der Sports Illustrated muss sich inzwischen schon was einfallen lassen, um in einer oversexten Welt noch Aufmerksamkeit zu erhaschen. Die Standardmethode sind Sportlerinnen wie Tennisspielerin Serena Williams oder Ski-Ass Lindsey Vonn, die kurzerhand in teils nur aufgemalten Badeanzügen abfotografiert werden.

Die Lösung: Die erste Frau im Burkini!

Halima Aden wurde in einem Flüchtlingslager in Kenia geboren, ehe sie als Kind mit ihrer in die USA immigrierte. Aus dem überwiegend muslimischen Somalia stammend, machte sie schon einmal von sich reden, als sie eine Modellaufbahn einschlug und als erstes Model mit einem Hijab auf dem Laufsteg auftrat. Wenn nicht schon damals manche wieder einmal den Untergang des Abendlandes verkündeten, hätten sie es jetzt wohl gerne getan, weil Halima Aden als erstes Model mit Burkini in die Sports Illustrated kam.

Als anti-feministisches Kleidungsstück verschrien, besonders etwa in Frankreich, ist der Burkini bekanntlich eigentlich als genau das Gegenteil gedacht und kreiert worden. Er ermöglicht es Frauen in der islamischen Welt schlicht und einfach schwimmen zu gehen.

Sieht man sich aber den konkreten Fall an, na ja, das Foto ist doch in der Sports Illustrated und – sagen wir es, wie es ist – Halima Aden sieht viel zu sexy aus, als das nicht einige Moralwächter in der islamischen Welt Krampfanfälle bekommen würden. Wäre der Burkini tatsächlich, wie Kritiker fälschlicherweise glauben, von konservativen Muslimen erfunden, er wäre spätestens jetzt nicht mehr im Sinne der Erfinder. Islamkritische Stimmen zielen auch folglich darauf ab, das man das Model in einigen islamischen Ländern steinigen würde, was etwa Birgit Kelle schrieb, woraufhin ihr die Chefredakteurin von edition f „Gendernationalismus“ vorwarf. Der moderne Feminismus hat bekanntlich ja nix mehr mit Frauen zu tun, sondern mit Gender. gendereverything Das Birgit Kelle natürlich trotzdem Recht hat, ist leider nicht abzustreiten. Es ist zum Beispiel für die Gesundheit von Burkiniträgerinnen sehr positiv, dass Afghanistan keinen Strand hat. In der großen Ratsversammlung ermahnte man dort Frauen, die das Wort ergreifen wollten, bekanntlich erst kürzlich, sie sollten den Mund halten und sich hinsetzen.

Aber irgendwie finde ich es auch schön, dass sich jetzt manch einer positiv über Burkinis äußern muss, der sie letzten Monat noch als sicheres Zeichen für die fortschreitende Islamisierung gesehen hatte und Forderungen nach Burkiniverboten in deutschen Schwimm- und Freibädern auf die Tagesordnung bringen wollte. Wenn ich mich an meinen Beitrag in dem inzwischen eingestellten Blog des intellektuellen Weicheis richtig erinnere, wäre ich eher für ein Verbot von Mikrobikinis, die zwischen molligen Fleischmassen vollkommen verschwinden und oben gerade mal genug Masse haben, um kleinere Brustwarzen zu bedecken. Das Gleichberechtigung und Freiheit der Frau im Westen in der Bademode von einer Abnahme der verwendeten Stofffläche begleitet wird, spricht fast schon für eine männlichen Verschwörung. Unter dem Gesichtspunkt einer gesellschaftlich erwünschten Fleischbeschau, wäre ein Burkini eigentlich auch im westen ein geradezu feministisches Kleidungsstück.

Und unter uns Männern, eine Frau im Burkini hat eine weit erotischere Ausstrahlung, als eine Frau im Mikrokini. Erotik hat bekanntlich auch etwas mit geschicktem Nicht-Zeigen zu tun.

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