Naruhito besteigt den Chrysanthemen-Thron

Inthronisierungen in den verbliebenen europäischen Monarchien werden mit großem Pomp gefeiert, in Japan dagegen ist einiges anders.

Es ist nicht allein die Tatsache, dass die vollständige Inthronisierung in drei Etappen stattfindet. So findet die unter dem Namen „Sokuirei Seiden no gi“ bekannte Zeremonie erst im Oktober statt, die dritte, die
Daijosai, folgt im November. Die heutige Zeremonie unterscheidet sich jedoch schon einmal recht stark, von allem, was wir aus Europa kennen:

Die nicht sichtbaren Throninsignien werden dem Kaiser präsentiert … und alles schweigt. Nur die Fußtritte sind zu hören, wie sie vom Boden widerhallen. Während in Europa bei Thronbesteigungen (und Hochzeiten) noch einmal der Glanz der vergangenen Zeit hervorgeholt wird, setzt Japan auf eine stille Würde.

Die von dem Amerikanern erzwungene Verfassung ließ auch den Tenno in die Reihe der offiziell machtlosen (Grüß-)Monarchen Europas hinabfallen. Und dennoch gibt es einen Unterschied zu den monarchischen Schattengestalten Europas, wie sein Vater Akihito, dürfte auch der neue japanische Kaiser seine eigenen, stillen, aber unüberhörbaren Akzente setzen. Nicht gerade zur Freude der aktuellen japanischen Regierung, wie man vernehmen kann, dürfte der Sohn doch die Linie des Vaters fortsetzen. Er kann dies tun, denn Japans Monarchen sind im Vergleich zu ihren europäischen Gegenüber, geradezu unumstritten. Keine nennenswerten Strömungen geschichtsvergessener Radikaler rüttelt ernsthaft am Status Quo.

Man stelle sich vor die britischen Windsors würden ihrer monarchischen Aufgabe gerecht, statt für billigen Klatsch mit Ehen, Scheidungen, Ehen, Scheidungen und hier vielleicht eine kleine Affaire zu sorgen. In Europa sind sie selten geworden, die Monarchen, die ihrer Aufgabe gerecht werden. Hier war mal ein belgischer König, der für einen Tat vom Parlament abgesetzt wurde, weil er ein Gesetz nicht ratifizieren wollte, dort der spanische Monarch – der zum Entsetzen der deutschen Linken – auf die Einheit seiner Nation pochte.

Für Japan bleibt zu hoffen, dass der neue Kaiser sich seiner Rolle als erster Diener seines Volkes und als unabhängige moralische Leitfigur so erfüllen wird, wie sein Vater es getan hat. Etwas, wozu den einst so großen Familien in Europa heute der Mut abhanden gekommen ist. Für den Chrysanthemen-Thron jedoch, besteht Hoffnung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.