Studie beweist: Youtube ist voll der sexistische Scheiß!

Wenn eine Studie für eine Youtube-kritische Stiftung Youtube-kritische Ergebnisse liefert, dann war sie zumindest ihr Geld wert. Sinnvoll war sie allerdings nicht.

Die Otto-Brenner-Stiftung hat vor ein paar Tagen die Studie Unboxing YouTube veröffentlicht, erstellt vom Würzburger Professor Lutz Frühbrodt und Kommunikationsberaterin Annette Floren. Hinter der Otto-Brenner-Stiftung steht die IG Metall, man kann sich am Ende also vorstellen, was in der Studie steht, ohne sie wirklich gelesen zu haben.

Ich habe dann doch mal reingelesen, auf die Gefahr, dass ich mich irren könnte. Nun, habe ich nicht, auch diese Studie erfüllt vor allem eine Voraussetzung, sie gibt das Weltbild der Auftraggeber wieder.

Was in das Weltbild einer Stiftung, die sich der Wissenschaft und Forschung verschrieben hat, nun so gar nicht passt, das sind tradierte Geschlechterrollen. Und weil YouTube eben genau das transportiert, ist YouTube böse.

Nun ist es tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, dass YouTuber eine Art Spiegelbild der Gesellschaft sind. Eine Gesellschaft, in der sich der männliche Teil mehr für kalte Technik begeistert, während der weibliche Teil weniger technikbegeistert ist. (Oder positiv formuliert, der weibliche Teil der Gesellschaft ist sozialer.) Unter den Top 100 der deutschen YouTuber, um die es im folgenden geht, sind dementsprechend über 80% männlich. Das würde ich tatsächlich nicht als Idealzustand bezeichnen, aber entweder man schafft es mehr junge Frauen für ein Leben als YouTuberin zu begeistern – oder man führt eine Quote ein und diskriminiert damit die jungen Männer. (Okay, eine Quote für eine Top 100 einzuführen klingt nicht durchführbar, aber ganz ehrlich, ist sie als Forderung undenkbar?)

Wahrscheinlich könnten die Macher der Studie mit dieser nackten Zahl besser leben, wenn unter den Top 100 auch junge Männer wären, die ihre Zuschauer damit begeistern über ihre feminine Seite zu sprechen. In der Regel tun die YouTuber allerdings eher typisches Jungenzeug, sind also total veraltet und hinterm Zeitgeist zurückgeblieben.

Und das wäre vielleicht für die Macher noch halb so schlimm, wenn die jungen Frauen wenigstens modern wären. Aber was mache Dagi Bee & Co.? Die reden über Make-up und so’n Zeug. Also Sachen, die im heutigen Zeitgeist beim besten Willen nicht mehr als Frauenthemen gelten dürfen. Und noch viel, viel, also wirklich viel schlimmer:

„Unter den führenden Beauty­ und Lifestyle­-Influencerinnen findet sich keine einzige, die z. B. ausschließlich Bio­-Kosmetika verwendet oder sich gar nicht schminkt und einen alternativen Lebensstil propagiert. Es regiert der bürgerlich­-konservative Mainstream.“

Quelle: Unboxing YouTube

Ach du Scheiße, schlimm genug, dass sich da lebendige Barbiepuppen nur Make-up ins Gesicht schmieren, und dann ist das nicht mal Bio!!!

Ok, zurück zum Thema … ist einem da ein entscheidendes Wort aufgefallen? Richtig, da steht „Mainstream“. „Mainstream“, also das, was man so allgemein macht. Das Kernargument der Otto-Brenner-Stiftung lautet also: YouTube ist deshalb schlecht für unsere Jugend, weil es die Gesellschaft widerspiegelt wie sie ist, und nicht wie sie nach dem links-grün-progressiven Wunschvorstellungen sein sollte. Obwohl es eigentlich ja noch viel schlimmer ist, denn die Tatsache, dass keine Bio-Avonberaterin in den Top 100 vertreten ist, zeigt im Umkehrschluss, dass sich die jungen Mädchen da draußen für das Thema nicht interessieren. Hier taugt auch der Verweis auf den Algorithmus nicht, denn wenn genug Leute „Bio Make-up“ in die YouTube-Suche eingeben würden, würde auch der Algorithmus schnell mitziehen, weil sich auch auf solchen Videos Werbung schalten lässt.

Problematisch wird die Sache dann, wenn die alten Medien diese Studie übernehmen und ihren Lesern suggerieren, es handle sich dabei um wissenschaftliche Tatsachen, und nicht um Meinungen. Die hiesige Main Post etwa sieht in der Studie einen „Weckruf für Eltern“ und zitiert
Lutz Frühbrodt auch, was schlimm auf dieser Videoplattform ist:

„Platte Unterhaltung, angereichert mit brachialen Geschmacklosigkeiten und großen Gefühlen. Damit wird den jungen Leuten eine Scheinwelt vorgegaukelt, in der alles schön und easy wirkt.“

Quelle: Main Post

Okay, das trifft zwar selbst auf die Schnulzenserien im Nachmittagsprogramm der Öffentlich-Rechtlichen zu, aber bei YouTube ist es natürlich eine schlimme Sache. Denn hinter YouTube steckt Google, und Google ist der Erzfeind der deutschen Verlage, das ultimative Böse, das eine ausgewogene (früher nannte man das auch „journalistische“) Berichterstattung nun echt nicht verdient hat.


PS: Ja, man kann YouTube nicht nur kritisieren, man sollte es wahrscheinlich sogar. Erst vor kurzem kam ans Licht, dass es YouTube mit der Sperrung von Fake News von Impfgegnern nicht so genau nahm, weil diese Videos natürlich Werbeeinnahmen produzieren. Das sind echte Probleme, die man auch angehen sollte.

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