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#wikifueralle – Wikipedia als Machoveranstaltung?

Der Gender-K(r)ampf hat nun auch Wikipedia erreicht, eine Petition setzt sich dafür ein Frauen und Nicht-Binäre sichtbarer zu machen.

Das sich die deutschsprachige Online-Enzyklopädie Wikipedia an die geltende deutsche Rechtschreibung hält, hat man nun auch Seitens der Genderideologen festgestellt und prompt eine Petition dagegen eingereicht: #wikifueralle – Öffnet die deutschsprachige Wikipedia

Allein der Titel ist natürlich schon einmal hochgradig unseriös, suggeriert er doch, das Wikipedia Menschen als Autoren ausschließen würde. Viel Fairness kann man dann in der Begründung wohl kaum noch erwarten, ebenso wie Objektivität.

„Allerdings wird es Neulingen oft schwer gemacht, neue Artikel anzulegen, besonders wenn diese nicht dem veralteten Sprach- und Geschlechterverständnis der Wikipedia entsprechen“, heißt es dort zum Beispiel. Das Problem, hier wird die subjektive Sicht der Initiatoren als Fakt dargestellt. Das derzeit bei Wikipedia Anwendung findende Sprachverständnis ist nicht veraltet, sondern entspricht dem aktuellen Sprachverständnis im deutschsprachigen Raum. (Außerhalb eines links-akademischen Milieus, zugegeben.) Und das durch dieses Sprachverständnis ein veraltetes Geschlechterverständnis propagiert wird, ist eine These, kein Faktum.

Der Feind ist natürlich auch in diesem Fall das allgemein verwendete generische Maskulinum: „Wikipedia-Artikel werden standardmäßig im generischen Maskulinum verfasst. Das heißt, dass bei Begriffen wie „Autor“, „Politiker“ oder „Nobelpreisträger“ Frauen und Menschen, die sich in der Zweiteilung der Geschlechter nicht wiederfinden, mitgemeint sein sollen. Das generische Maskulinum kann jedoch zu falschen Annahmen verleiten. Wer den Satz liest: „Im alten Griechenland durften alle Bürger wählen“, weiß damit noch nicht, dass Frauen von der politischen Beteiligung ausgeschlossen waren.“ Nun, hätte man den entsprechenden Wikipedia-Beitrag gelesen, hätte man vielleicht ein anderes Beispiel gewählt. Der Satz wäre auch gendergerecht formuliert schlicht falsch, da nicht nur Bürgerinnen kein Wahlrecht hatten, sondern ebenso wenig Sklaven und noch eine ganze Reihe anderer Gruppen, egal welchen Geschlechts. Aber na ja, es geht um das Thema Gender, nicht um eine Wissenschaft wie Geschichte.

Der große Feind ist wie gesagt das generische Maskulinum: „Die Verwendung des generischen Maskulinums führt nachweislich dazu, dass Frauen und nicht-binäre Menschen in der Wahrnehmung der Leser*innen kaum oder gar nicht vorkommen und von Suchmaschinen nicht gefunden werden.“ Besagte Studie aus dem Jahr 2015 hat rund 600 Grundschulkinder untersucht, und festgestellt, das es Mädchen klassische MINT-Fächer eher attraktiv finden, wenn ihnen gezielt auch die weibliche Variante genannt wird. Wie viele Ingenieurinnen dadurch am Ende aber wirklich ermutigt werden, nennt die verlinkte Zusammenfassung nicht. Was die Vermutung nahelegt, dass diese Zahl – na ja, jetzt auch nicht der Hammer sein wird. Und mal abgesehen davon, ob eine Studie mit Grundschulkindern seriös als allgemeingültig für die gesamte Nutzerschaft von Wikipedia gelten kann, bedarf es für einen Nachweis einer Studienlage, keiner einzelnen Studie. Einzelne Studien, gerade im sozialwissenschaftlichen Bereich, klebt immer der Verdacht des erwünschten Ergebnisses an.

Aber, bei Wikipedia scheint es tatsächlich frauenfeindliche Aktivitäten zu geben: „Als Theresa Hannig versuchte, eine Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen anzulegen, entbrannte innerhalb der Wikipedia eine zweiwöchige Debatte. Obwohl ein Großteil der User*innen die Liste befürwortete, wurde sie von einem Admin gelöscht, da sie „irrelevant“ und „überflüssig“ sei.“ Das gezielt einzelne Begriffe wie „überflüssig“ genannt werden, legt nahe, dass in der Diskussion tatsächlich auch einzelne unsachliche Basta-Argumente gefallen sein könnten. Der Umgangston bei Wikipedia ist bekanntlich auch nicht immer der beste. Allein die entscheidende Frage bezüglich dieses Beispiels wird in der Petition auch nicht beantwortet: Warum hat eine Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen eine Relevanz, wenn es eine Liste aller Autoren gibt. Wahrscheinlich wurde diese Frage auch nie wirklich beantwortet, denn nur „dem unablässigen Engagement der wenigen weiblichen Admins und der Unterstützung weiterer User*innen war es zu verdanken, dass die Liste schließlich doch wiederbelebt wurde.“ Was so viel heißt wie, wer Druck macht, braucht keine Argumente.

Es fallen allerdings noch weitere Argumente, so etwa dass in der Liste der in den letzten 100 Jahren geborenen Persönlichkeiten, lediglich 20 % Frauen sind. Klingt erst einmal problematisch, allein, wollen wir jetzt eine Frauenquote einführen? 50:50? Eine neue Regel, niemand darf mehr hinzugefügt werden bevor eine Person des anderen Geschlechts ebenfalls dazukommt. Und by the way, wo bleiben bei einer 50:50 Quote das Geschlechts Diverses? Werden die den Frauen zugerechnet, oder den Männern? Oder machen wir nicht lieber eine 33,33:33:33:33:33-Quote, was es angesichts der kaum vorhandenen Zahl Diverser (oder Nicht-Binärer) schwierig machen dürfte.

Erst das dritte Beispiel entpuppt sich tatsächlich als Argument: Der Fall der Nobelpreisträgerin Donna Strickland. Ein Artikel über sie wurde von Admins wegen mangelnder Relevanz abgelehnt, was offensichtlicher Schwachfug ist. Nobelpreis mögen zwar allgemein überschätzt sein, aber ehrlich, für einen Wikipedia-Eintrag sollten sie nun wirklich reichen. (Nebenbei wird hier übrigens, leider nur am Rande, das Hauptproblem von Wikipedia angesprochen: die Allmacht einer relativ kleinen Gruppe von Admins. Aber dagegen anzugehen, das wäre ja so, als würde man echte Probleme lösen wollen.)

Man versucht lieber folgende drei Dinge abzuschaffen:

„Es kann nicht sein, dass Frauen und nicht-binäre Menschen in den Artikeln der deutschsprachigen Wikipedia nur mitgemeint sind!“

Warum eigentlich? Mal abgesehen von konstruierbaren Missverständnissen hat noch niemand einen tatsächlichen Beweis vorgebracht, dass die Verwendung der generischen Maskulinums einen diskriminierenden Charakter hat. Und man kann auch nicht wirklich behaupten, dass die deutsche Sprache diesbezüglich seit Generationen Verwirrung stiftet.

„Es kann nicht sein, dass Frauen als „irrelevant“ bezeichnet werden und ihrer Arbeit „kein erkennbarer Mehrwert“ beschieden wird!“

Welcher Mehrwert? Sind Science-Fiction-Autorinnen mehr wert, als Autoren, oder sind die Werke von Männern und Frauen nicht gleich viel wert, was eine einheitliche Liste nach sich ziehen würde. Warum braucht es eine eigene Liste für Autorinnen?

„Es kann nicht sein, dass es die Wikipedia mit ihren unübersichtlichen Regeln neuen Benutzer*innen nahezu unmöglich macht, neue Themen anzustoßen, die Frauen und nicht-binäre Menschen im Fokus haben!“

Lol … Mal ehrlich, wenn es einen unbestreitbaren Nachteil einer gendergerechten Sprachregelung gibt, den man nun wirklich nicht bestreiten kann, dann die Verkomplizierung. Und der Vorwurf Artikel mit Fokus auf Frauen oder Nicht-Binäre (es fällt mir echt schwer keinen „Analog“-Witz zu machen) seien dadurch unmöglich, ist ein Bullshit-Argument. Wenn Artikel mit dieser Thematik es tatsächlich schwerer haben, dann liegt das nicht an einer fehlenden Gendersprache, sondern an der Allmacht der Admins. Aber wie gesagt, das anzugehen, wäre schwerer, weil man damit ein echtes Problem lösen müsste, dass sich allein mit den Werkzeugen des Populismus nicht so einfach aus der Welt schaffen lässt.

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