Wer hat’s erfunden …

Wenn es um den Klimawandel geht, versagen Konservative und weite Teile der Rechten völlig. Warum eigentlich?

Man mag es kaum glauben, aber die ersten Naturschutzmaßnahmen haben nicht die Grünen in die Wege geleitet. Es waren Konservative, die schon vor über 100 Jahren die Notwendigkeit von Naturschutzgebieten erkannten. Und selbst in jüngerer Geschichte hatten beispielsweise deutsche Umweltminister in den Ländern zuerst ein CDU/CSU-Parteibuch.

Das allerdings war vor der Zeitenwende, die mit dem Ende des Kalten Krieges hereinbrach. Bevor zum Beispiel in Deutschland die Grünen das Monopol auf Umweltschutz erwarben und der Liberalkonservativismus endgültig in einer libertäre Perversion mutierte. Seit jeher hatte der Konservativismus schwerer gegen den Einfluss des Kapitals zu kämpfen, als andere politische Überzeugungen. (Wenn man davon ausgeht, dass der Liberalismus im Prinzip von vornherein der politische Arm des Kapitalismus war. Schon Voltaire wollte bekanntlich nie im Leben Bauern befreien, sondern den Adel verdrängen, damit seine eigene Klasse bessere Geschäfte machen konnte.) Auch in der Geschichte des deutschen Konservativismus waren die Grenzen immer fließend, und es gab zahlreiche Richtungsentscheidungen, bei denen der Einsatz für die freie Marktwirtschaft nicht mehr auf Vernunft, sondern auf Kapitulation vor dem Kapital basierte. Nach 1989, im Rausch des Sieges und der daraus gezogenen Schlussfolgerung, das beste aller Wirtschaftssysteme zu haben, begann der Anteil der Sozialkonservativen, der als Herz-Jesu-Sozialisten verspotteten Konservativen vielleicht nicht zu schrumpfen, aber ihr Einfluss und ihre Lautstärke nahmen deutlich ab. Libertär und Konservativ waren für einige zu austauschbaren Begriffen geworden, basierend allein auf der Tatsache, dass der Libertäre einen starken Staat benötigt, um all die Dinge zu leisten, für die er selbst nicht bezahlen möchte.

In dieser Erniedrigung vor dem Kapital liegt nun auch das Problem in Sachen Klimawandel. Man springt sozusagen ein, weil es sich dabei um ein Thema handelt, bei dem die sonst so reibungslos laufende Allianz zwischen linksliberalem Establishment und kapitalistischer Elite nicht funktioniert. Ansonsten nicht zimperlich, wenn es darum geht Tatsachen zu Gunsten der eigenen Ideologie zurechtzubiegen, folgt das Establishment beim Klimawandel doch Fakten und der Vernunft. Das es bei anderen Themen, wie Gender beispielsweise, fern wissenschaftlicher Vernunft agiert, haben rechte Agitatoren ein leichtes Spiel, dies auf den Klimawandel zu übertragen und die Belege in Zweifel zu ziehen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht …

Dabei ist der Klimawandel weniger eine Frage des Glaubens oder der gesellschaftspolitischen Einstellung, sondern schlicht eine Frage der Vernunft. Und bei aller Liebe, was die Hand voll Wissenschaftler anführt, die den Klimawandel leugnen, hat oft eine Qualität die auch Menschen ohne eine ausführliche wissenschaftliche Ausbildung glauben lassen, dabei handle es sich um Realsatire. So mancher Klimawandelleugner glaubt wahrscheinlich er hätte mit seinem Argument überzeugt, weil er das fassungslose Schweigen seines Gegenübers missinterpretiert, der sich nur noch fragt, wie blöd ein Mensch werden kann.

Wobei nicht alle, die sich Maßnahmen das Klima noch zu retten, geistige Tiefflieger wären, vielen ist das Problem durchaus bewusst. Allein ist ihr Blick auf das Jetzt fokussiert, der Druck Seitens des – entgegen der eigentlichen kapitalistischen Theorie – nur noch zu kurzfristigen Denkansätzen fähigen Kapitals zu stark, als dass sie in der Lage wären vernunftgemäß zu handeln. Hinzu kommt noch ein Effekt, den am besten mit der Eigenschaft von Rauchern vergleichen könnte, die die Gefahr durch den Tabakkonsum in ihrem Kopf minimieren. (Was ich nachvollziehen kann, paffe ich doch auch gerade genüsslich an meiner Pfeife.)

Peter Altmeier von der CDU mag als exemplarisches Beispiel dienen, der den demonstrierenden Schülern rät, sie sollen erst einmal eine gute Ausbildung absolvieren und dann könnten sie als Erwachsene die Dinge ändern.

Allein die Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung ahnen nicht nur instinktiv, dass es dann zu spät sein wird, sie können dafür auch wissenschaftliche Belege anführen. Wir befinden uns in einem sich schließenden Fenster, in dem ein Kurswechsel noch möglich ist. Was die Schüler von heute später als Erwachsene tun können, wäre nicht mehr als Schadensbegrenzung für Umweltkatastrophen die auch ein Peter Altmeier durch sein Nichtstun mit verursacht hat.

Nebenbei bemerkt, dass die Demonstrationen der Schüler während der Schulzeit stattfinden, dient nicht nur der Steigerung der medialen Aufmerksamkeit. Es scheint auch ein Zeichen zu sein, dass die Jugend instinktiv begriffen hat, dass Politik, Verbände und Parteien inzwischen so fest in Händen des Kapitals sind, dass das System Bestandteil des Problems geworden ist. Das System ist nicht auf Klimaschutz ausgerichtet, es dient allein den kurzfristigen Gewinninteressen seiner Beherrscher. Und auch wenn es die Neue Rechte nicht hören mag, gerade hier zeigt sich, wie eng sie mit dem System verbandelt ist, sie ist sogar bereit den Bluthund für seinen Herrn zu geben. Während die Schüler begriffen haben, dass sich das System nicht reformieren lässt, wenn man nach seinen korrumpierten Regeln spielt.

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