Der Konservative — Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

#Steltergate – Aber sonst geht’s euch noch gut, oder?

Was haben Karneval und Feminismus gemeinsam? Richtig, absolut keinen Sinn für Humor.

Ich bin ja bekannt für meine Abneigung gegen Karneval und Fasching, vor allem die deutschen Varianten davon. Humor auf Befehl, nenne ich sowas immer, „Fasching“ und „Faschismus“ klingen schließlich nicht umsonst recht ähnlich. Deswegen ging #Steltergate auch an mir vorbei, bis mich heute ein Kollege drauf aufmerksam gemacht hat. Also mal nachgucken, was denn da passiert ist:

Die Szene stammt aus einer Aufzeichnung, und auch wenn der WDR sie hier bei Twitter zur Verfügung stellt, ob man sie in der Ausstrahlung später sehen kann, hat der Sender noch nicht entschieden (welt.de). Das man darüber überhaupt nachdenkt, sagt auch schon viel aus, aber das ist ein Nebenkriegsschauplatz. Blicken wir auf das Schlachtfeld:

Bernd Stelter, Kölner Urgestein und frühere TV-Comedian-Größe, tritt bei einer Prunksitzung auf, und macht Witze über umständlich klingende Doppelnamen. Namentlich den der CDU Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, die ja in CDU und Medien nicht umsonst kurz AKK genannt wird. Bernd Stelter macht das, was er über Jahrzehnte hinweg gemacht hat, mittelmäßige Witze, die bei seinem Publikum aber immer wieder ankommen.

Und dann … Auftritt der zweiten Kriegspartei (oder heißt es „KriegsparteiIn“?)

Bernd Stelter macht also schlechte Witze über komische Doppelnamen, da kommt eine Frau auf die Bühne gestürmt. Zuerst denkt sich Stelter sicher, ein Fan, doch dann kann man an seiner Miene ablesen, dass er aus der Miene der Frau abgelesen hat, dass diese – nun – nicht gerade die Vorsitzende des „Bernd Stelter Fanclubs – Weimar“ ist. Und obwohl man der absonderlichen Kleidung der Frau ansehen kann, dass sie das Grundprinzip des Karnevals durchaus verstanden hat, beginnt sie sich über Stelters Witze zu beschweren. Die Grundthese: Sich über komisch klingende Doppelnamen lustig zu machen ist Sexismus, weil in aller Regel eben Frauen komisch klingende Doppelnamen tragen.

Es ist wieder einmal Zeit für Captain Picard:

Ich habe diesbezüglich eine Frage an die Gesellschaft, in der solche Dinge passieren. Und ich möchte diese Frage mit weise gewählten Worten formulieren, die ich mit Bedacht hier niederschreibe:

Habt ihr Wichser den Arsch offen!!! Du darfst unter dem Label Satire alles und jeden beleidigen. Du darfst einen Papst in eingenässter Kutte zeigen! Du darfst den übelsten Abschaum von dir geben, solange du Satire drauf schreibst. Aber wenn ein alter weißer Comedian einen schlechten Witz nach dem anderen über Doppelnamen reißt – im Gott verfluchten Scheiß-Karneval, wo jeder Depp selbst für den ältesten und bescheuertsten Witz aller Zeiten Applaus bekommt – dann springt eine Ober-Feministentante in einem absurden Matrosenkostüm auf die Bühne und hält dir einen verfickten Vortrag! Ist das wirklich euer Scheiß-Ernst?

Oder, um es deutlich, und vielleicht ein wenig unflätig zu sagen – ich entschuldige mich für meine nun folgende Ausdrucksweise schon im Vorhinein: Sollten wir nicht in uns gehen, und uns fragen, ob hier eventuell etwas aus dem Ruder gelaufen ist?

  1. Die Vorstellung, Satire dürfe alles, halte ich für Quatsch. Satire, die z.B. den Holocaust verleugnet, oder zu einem Mord aufruft, oder Bombenbau-Anleitungen verbreitet oder die ganz einfach auf Benachteiligte und Schwache einschlägt, sollte kritisiert werden und darf sich nicht unter dem Label „Satire“ Narrenfreiheit holen. Dass das Niveau auch ansonsten nicht besonders hoch ist und der Witz jetzt verglichen mit anderem, was so abgesondert wird, vielleicht nicht „so schlimm“ ist, d’accord. Wenn einem persönlich der Geduldsfaden reißt, ist das aber auch sicherlich etwas anderes, als wenn es öffentlich in Zeitungen und Blogs diskutiert wird.

    Trotzdem verstehe ich, dass das ein Thema ist. Frauen mussten noch bis 1977 den Namen ihres Ehepartners annehmen und erst seit 1957 gab es überhaupt rechtlich die Möglichkeit, den bisherigen Namen mittels Doppelname zu behalten. Dass Leute hierfür massiv kritisiert wurden, weiß ich aus Erzählungen der Eltern-Generation. Überhaupt, Namen zu tragen und zu ändern ist ein großes Ding. Dass wir 2019 immer noch es lustig finden, wenn jemand einen lustigen Namen hat (hahaha, Merkel klingt ja wie Ferkel, hahaha), spricht nicht unbedingt für uns als Gesellschaft.

    Ob es richtig ist, deshalb auf eine Bühne zu gehen? Ich weiß nicht. Gäbe aber sicherlich genug andere Sachen, über die man bei AKK Satire machen kann, als den Namen.

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