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Warum niemand den Hindenburgdamm umbenennen kann

Seit einigen Jahren ist man in Deutschland bemüht Straßennamen zu reinigen, und auch der Hindenburgdamm soll anders heißen.

Als Echnaton starb, war er nicht gerade der beliebteste Pharao des alten Ägyptens. Er hatte die Vielgötterei abgeschafft, und nur noch einem Gott gehuldigt. Als er starb, kehrten die Ägypter zu ihrer alten Religion zurück – und nichts sollte mehr an den Ketzer-Pharao erinnern. Im ganzen Land gingen Steinmetze daran, die Bildnisse von Echnaton zu zerstören und seine Namenskartusche auszuschlagen …

Doch kehren wir in die Gegenwart und nach Deutschland zurück. Seit Jahren gibt es in jeder Stadt, die etwas auf sich hält, eine Kommission, die sich die jeweiligen Straßennamen genauer ansieht. Viele von ihnen wurden nach Personen des Zeitgeschehens benannt, und nicht jede dieser Personen ist heute noch genauso hochangesehen, wie damals. Natürlich hat niemand nach 1945 vergessen die bis dahin obligatorische Adolf-Hitler-Straße wieder umzubenennen, aber da gibt es ja noch reichlich andere Namen. Landesweit wären da etwa unzählige Hindenburg Straßen oder Plätze. Der letzte demokratisch gewählte Reichspräsident, unterstützt von so gut wie allen Parteien außer Kommunisten und Nazis, ist für die gnädigen unter der herrschenden Linken der Mann, der Hitler zum Reichskanzler machte, für den Rest ist er ein Nazi. Kein Wunder also, dass in vielen Städten derzeit versucht wird, den Namen aus der Geschichte dem Stadtplan zu tilgen.

Aber um nicht falsch verstanden zu werden, komplett sinnfrei sind diese Kommissionen nicht. Schließlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass in vielen Städten Straßen die Namen von Männern (Frauen dürften eine extreme Ausnahme sein) tragen, die tief in den Nationalsozialismus verstrickt waren. In Lübeck etwa wurde der Lenardweg umbenannt, da sein Namensgeber NSDAP-Mitglied war. In Würzburg wurde die Helmuth-Zimmerer-Straße umbenannt, nachdem man die Doktorarbeit des verstorbenen Oberbürgermeisters der Stadt ausgrub, und feststellen musste, dass sie den Titel „Rasse, Staatsangehörigkeit, Reichsbürgerschaft. Ein Beitrag zum völkischen Staatsbegriff“ trug. Jetzt heißt die Straße Angermaierstraße, nach einem Justitiar des Bistums Würzburg, der im Widerstand aktiv war und unter ungeklärten Umständen starb.

Allein, Widerstandskämpfer gewesen zu sein, reicht in der Argumentation der linken Re-Namisierungsbewegung als Argument noch lange nicht aus. Zur Farce wird das Verfahren etwa in Berlin, wo man das Afrikanische Viertel mit neuen Namen versehen will. Da gibt es etwa die Petersallee, ursprünglich nach dem Gründer der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika benannt. 1986 gab man der Straße allerdings schon einen anderen Namensgeber, Hans Peters, einem CDU-Politiker, der ebenfalls im Widerstand gegen die Nazis aktiv war. Der Namensgleichheit wegen würde kurzerhand nur das kleine Schild geändert, das über dem Straßennamensschild erklärt, nach dem diese Straße benannt ist. Künftig soll die Petersallee dann aber nach dem Willen von Linksgrün entweder Anna-Mungunda-Straße oder Maji-Maji-Allee heißen. Offensichtlich will man jede Verwechslungsgefahr ausschließen.

Das die Bewohner darüber nicht gerade glücklich sind, ist nachzuvollziehen. Ansässige Geschäfte bleiben auf den Kosten für die unfreiwillige Adressänderung sitzen und Normalbürger graut es davor ihren Straßennamen buchstabieren zu müssen. Dagegen ist das Problem des mangelnden Bezugs von Straße und Namensgeber schon das geringste.

Das es übrigens links-grüne Bestrebungen gibt auch nach Claus Schenk Graf von Stauffenberg benannte Straßen umzubenennen, wundert einen schon gar nicht mehr. Im links-grünen Milieu ist der Mann, der versuchte Hitler zu töten und mit seinem eigenen Leben dafür bezahlte bekanntlich auch ein Nazi. Oder zumindest ein Sympathisant, was nur einen sehr kleiner Unterschied in der Beurteilung darstellt.

Aber kommen wir zurück zum Hindenburgdamm. Das ausgerechnet dieser über Jahre hinweg nicht ins Blickfeld geriet, wundert einen dann wieder doch. Aber schließlich haben sich doch ein grüner und ein SPD-Abgeordneter aus Schleswig-Holstein zusammengetan und betreiben seine Umbenennung. Und sie tun dies mit einem solchen Engagement, dass es sie nicht einmal grundlegend irritiert, dass der Hindenburgdamm eigentlich gar nicht Hindenburgdamm heißt.

Der Bahndamm zwischen dem Festland und Sylt hat nämlich eigentlich gar keinen Namen, weil die Reichsbahn und später auch die Bundesbahn ihn nie benannt hat. Bahndämme bekommen im Gegensatz etwa zu Bahntunneln nämlich gar keinen Namen. Es gibt bestenfalls eine Streckennummer, 1210. Das der 1927 eingeweihte Bahndamm im Allgemeinen Hindenburgdamm genannt wird, hat sich schlicht und einfach so eingebürgert. Die Leute haben einfach damit angefangen ihn Hindenburgdamm zu nennen … und das werden sie wahrscheinlich auch künftig tun, egal wie sich manche Kartuschenjäger vor Wut im Kreis herumdrehen.

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