Von Instrumenten der Spaltung und einem Eisbechergate

Der eine kann mit Twitter nicht umgehen, und verdammt es daraufhin. Die andere postet per Instagram, dass sie ihre eigene Umweltbilanz mal kreuzweiße kann. Grüne Politiker eben.

Als ich ein kleiner Junge war, wollte ich mal Rollschuhe laufen lernen. Natürlich habe ich mir gleich beim ersten Versuch sprichwörtlich eine blutige Nase geholt. Interessanterweise kamen weder ich, noch jemand in meiner Umgebung auf die Idee, Rollschuhe daraufhin als ein Instrument der Kindesmisshandlung zu betrachten. Bei den Habecks muss es wohl anders gelaufen sein …

Robert Habeck ist mehr als ein Grüner Parteivorsitzender aus dem Norden, er hat durchaus das Zeug weit mehr zu werden. Jetzt nicht unbedingt ein zweiter Joschka, Gott bewahre, aber er gehört doch zu jenen Politikern, bei denen Sätze fallen, wie „ich bin nicht immer seiner Meinung, aber ich schätze ihn“.

Ob dem immer noch so ist?

Seine Karriere als Twitter-Politiker lief nie besonders reibungslos. Gleich zwei Mal stellte er kurze Videos online, die sagen wir mal, so viel Interpretationsspielraum boten, dass ihn ein Profi gewarnt hätte. Das erste zur Bayernwahl, und dann von ein paar Tagen anlässlich des Wahlkampfes in Thüringen. Bei der seine Aussage so interpretiert werden konnte, als wäre es Zeit demokratische Verhältnisse in Thüringen einzuführen. Nun hat Robert Habeck das so natürlich nicht gemeint, und jeder halbwegs intelligente Mensch weiß das auch, aber sowas konnte bekanntlich einen Shitstorm noch nie aufhalten. Gemeinsam mit der Tatsache, dass auch Habeck von dem (medial hoffnungslos aufgepumpten) Datenklau betroffen war(, dessen Urheber man tatsächlich bitte einstellen, und nicht bestrafen sollte), verkündete Habeck seinen Abgang bei Twitter (und Facebook).

Schon dafür hagelte es Kritik, verständliche, und überzogene. Niemand kann und darf einen Politiker zwingen bei Twitter (und Facebook) aktiv zu sein, aber man darf auch darauf hinweisen, dass 2019 eine derartige Social Media-Abstinenz für einen Politiker eher zu den dümmeren Ideen zu Jahresanfang gehört.

Und dann, legt der Robert erst richtig los!

Damit hätte die Geschichte zu Ende sein können, aber wenn ein Grüner was Dummes macht, dann macht er es im großen Stil. Glotzen, statt Kleckern. Und so deklarierte Robert Habeck tagsdarauf in der Zeit Twitter als „Instrument der Spaltung“. Ganz selbstkritisch, merkte er an, dass er selbst an sich gemerkt hätte, wie das Medium sein Kommunikationsverhalten geändert hätte. Das allerdings wirft zweierlei Fragen auf:

  1. Ja, bei Twitter sind auch Vollidioten unterwegs, aber eben auch das genaue Gegenteil. Manche bezeichnen das als Querschnitt der Gesellschaft, andere etwas euphorischer als Vielfalt. Also genau das, was die Grünen doch eigentlich wollen, oder? Vielfalt. (Oder stört sich da jemand doch, dass diese Vielfalt sich nicht innerhalb des Diskursraumes abspielt, den die Grünen als legitim bezeichnen?)
  2. Wollen wir wirklich einen Politiker in Verantwortung, dessen Verhalten sich schon durch das Formulieren und Absetzen von Tweets radikalisiert? Nur mal so in die Runde gefragt…

Und dann flog die Katharina Schulze in den Urlaub

Jetzt möchte ich etwas sehr seltenes tun, jemanden von der FDP loben. Aber ganz ehrlich, was Martin Hagen, liberaler Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag, als Reaktion zu einem Instagram-Post von Katharina Schulze einfiel, das hat was:

Wir erinnern uns, Katharina Schulze. Das ist die Claudia Roth 2.0, die im bayerischen Wahlkampf so viel gute Laune verbreitete, dass Dauer-Pessimisten wie mir nur noch Kopfschütteln übrig geblieben ist. Aber offenbar war das alles anstrengend, da hat sich die Katharina einen Urlaub wirklich verdient – und in Zeiten von Social Media postete sie dann auch fröhlich einen Eisbecher.

Ein Einwegeisbecher, mit Plastiklöffel, in den USA – kann man machen, aber man sollte sich nicht wundern, wenn einem zuhause dann bei der nächsten Veranstaltung zum Thema Verzicht für die eigene Ökobilanz die Bio-Tomaten um die Ohren fliegen. Interessanterweise war die erste Reaktion laut Medien sogar ein „Habe gewettet, wie lange es dauert, bis es jemandem auffällt.“, was zeigt, dass sie sich auch völlig bewusst darüber war, dass hier Anspruch und Wirklichkeit krass auseinander gehen. Inzwischen kommentiert niemand mehr, die Kommentar sind geschlossen. Ob die Schulze bald den Habeck macht?

Es stellt sich die Frage, ob die Grünen inzwischen schon so high von ihren Umfrageergebnissen sind, dass sie den Bezug zur Realität verlieren. Selbst Wein saufen, aber Wasser predigen – gute Politik sieht auf jeden Fall anders aus.

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