Bundeswehr – Wenn Grüne Werbung plötzlich für zynisch halten

Bestandteil der Fehlentscheidungen der Ära Merkel gehört bekanntlich auch die Abschaffung der Wehrpflicht. Die Truppe muss deshalb jetzt für sich als Arbeitgeber werben. Das gefällt nicht jedem.

Ich muss sagen, ich bin über mein Stadtviertel angenehm überrascht. Man ist hier ja eher links, dieses hipstermäßige Linkssein. Als ich neulich an den Glaskästen der Werbung an den Straßenbahnhaltestellen vorbeiging, dachte ich mir deshalb so, okay, Werbung für die Bundeswehr, hier? Mutig. Aber was soll ich sagen, alle Glaskästen sind noch heil, nur Schmierereien, auf die konnte man als Ausdruck seiner politischen Überzeugung dann doch nicht überall verzichten.

Die Werbekampagnen und Werbeideen der Bundeswehr sind in einer Zeit, in der über die Truppe weitestgehend nur schlechtes (Materialmangel, Berateraffäre, …) berichtet wird, in gewisser Weise etwas komplett anderes. Die sind wirklich gut. Und damit meine ich ein objektives, fachliches „wirklich gut“. Werbung kann man beim Bund. In ihrer traditionellen Form, den neuen Medien und auch in Sachen Guerilla-Marketing hat man einiges richtig gemacht.

Und dabei hat man es auch nicht immer mit einem positiven Umfeld zu tun. Bundeswehrangehörige, die in Schulen für eine Ausbildung werben wollen, werden schon mal wieder ausgeladen, weil sich linker Widerstand organisiert. Die Werbekampagnen stehen unter verschärfter medialer Beobachtung, und Spiegel und taz wetteifern darum mögliche Fehltritt auszuschlachten. Das die Bundeswehr kein gewöhnlicher Arbeitgeber ist, das merkt man auch an ihren Gegnern und ihren ideologischen Überzeugungen.

Klaus Kelle bemerkt zurecht, die Bundeswehr ist nun einmal nicht das THW. Und auch wenn sich manch verhinderter Pazifist es sich auch noch so dolle wünschen mag, die Kernaufgabe einer Armee ist nicht das Brunnen bohren oder Brücken bauen. Die Zeiten, in denen Helmut Kohl Schecks, statt Soldaten schicken konnte, sind ebenso vorbei, wie jene, in denen andere Länder Soldaten in den Kampf schickten, damit in der Etappe die Deutschen tatsächlich hauptsächlich Brunnen bohrten oder etwas in der Art. Das Berufsbild eines Soldaten oder einer Soldatin ist nun einmal nichts, dass in eine Denkwelt hineinpassen würde, die glaubt mit einem Sonntagsausflug auf eine Demo (bei gutem Wetter) sei genug getan, wenn andernorts gemordet und vergewaltigt wird.

Soldat sein heißt nun einmal auch kämpfen. Soldat sein heißt, sich, seine Kameraden, die ihm anvertrauten Menschen, sein Land zu verteidigen. Und Soldat sein heißt, einen Beruf auszuüben, bei dem man sich in Lebensgefahr begeben kann. Das alleine sorgt schon dafür, dass der Soldatenberuf nichts für Sesselpupser ist, die glauben sie würden die verdammte Welt retten, weil sie 10 Cent mehr für den Fair Trade-Kaffee ausgeben.

Auch die neueste Werbekampagne der Bundeswehr stößt wieder auf Kritik bei den üblichen Verdächtigen. Im Zentrum steht das Kommando Spezialkräfte (KSK), dass in einer Videokampagne auf Youtube vorgestellt wird, und mit einem Alexa-Skill, der quasi eine Art Fitnessprogramm ist, das dem Training der Soldaten entsprechen soll. Dies wiederum findet Tobias Lindner, verteidigungspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, schlicht zynisch. Man dürfe doch keine jungen Leute mit „Action-Serien“ und „einem Muskelprogramm“ ansprechen. Man muss ihm allerdings fast schon anrechnen, dass er zumindest nur eine Form kritisiert, nicht die Werbung an sich gleich aus der Öffentlichkeit verbannen möchte. Aber irgendwo gibt es sicher auch schon einen linken Hinterbänkler, der mit einem Werbeverbot auch mal seine fünf Minuten Ruhm haben möchte.

Wie eigentlich alle Videos aus der Bundeswehr-Schmiede, sind auch die KSK-Videos professionell gemacht. Und ja, sie zeigen auch, wie sich Soldaten auf den Einsatz vorbereiten. Auf den Kampf, der zum Beispiel darin bestehen könnte, Menschen aus Krisen- oder Kriegsgebieten herauszuholen. Auch wenn manch grüner Pazifist sich das so vorstellen mag, das funktioniert nicht, in dem man an die Haustür des örtlichen Warlords klopft und lieb fragt, ob die Leute nicht einfach gehen könnten. Das mag mal einer versuchen, dann wird er verdammt dankbar für die Existenz des KSK sein. Denn nicht umsonst kann jeder Soldat den linken Ideologen mit dem schönen Satz ärgern, er verteidige die Freiheit aller Menschen, auch jener, die ihn gar nicht haben wollen.

2 Kommentare zu „Bundeswehr – Wenn Grüne Werbung plötzlich für zynisch halten“

  • Bernhard Schlafke

    Wetter Thomas Matterne, ich lese Ihre Artikel gerne, da sie, aus meiner Sicht, treffend die Finger in die ein oder andere offene Wunde unserer freiheitlich demokratische Alltäglichkeit legen.
    Doch spricht aus den beiden Kommentaren über die „Zerbombung“, wie auch der „Bundeswehr“ eine grundsätzliche Haltung gegen grüne u linke „Sesselpuber“, wenn auch jene, worauf sich ihre Artikel beziehen diesem Spektrum zuzuordnen sind, die Ihre Ausführungen in dem Dunstkreis des „ich-bin-gegen-Grün/Links“ erscheinen lassen, was mich beim lesen e t w a s stört u aus meiner Sicht nicht zum offenen Konservativen passt.
    Was die Abschaffung der Allgemeinen Wehrpflicht angeht so ist und bleibt es für mich ein richtiges Zeichen im Hinblick auf den präventiven Verteidigungsgrundsatz der BW, zumal ein „ernsthafter Feind“ bisher, in meinen 65 Lebensjahren, nicht auszumachen war und ist, der ein stehendes „Volks“-Heer erforderlich erscheinen lässt. Was allerdings deutsche Soldaten am Hindukusch oder sonst wo ab arbeiten sollen ist mir immer wieder rätselhaft, den hätten unsere Weltpolizeipolitiker sich die Reiseberichte des Josiah Harlan (B. Macintyne, 2005) ernsthaft zu Gemüte geführt, hätten sie sicher auf so manch militärisches „Abenteuer“ verzichtet und wären möglicherweise auf kluge Gedanken gekommen.

    Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen alles Gute in 2019
    und bin gespannt auf den nächsten „Artikel mit Biss“

    • Thomas Matterne

      Nun, eine Abneigung gegen die Grünen kann ich leider nicht leugnen, das wird sich auch nicht ändern. Aber ich glaube, dass man mein konservatives Weltbild auch in vielen Dingen durchaus links verordnen kann. In der Wirtschaft zum Beispiel bin ich ein Anhänger der katholischen Soziallehre, mitunter dass, was man früher einmal in der CSU als Herz-Jesu-Sozialist gefunden hat. Auch so eine Politikergattung, die inzwischen ausgestorben scheint – obwohl selbst Horst Seehofer einmal einer gewesen sein soll.

      Was die Wehrpflicht angeht, ich war selbst ein Kritiker, bis ich ein Jahr lang tatsächlich meinen Wehrdienst abgeleistet habe. Ich hatte wahrlich nicht 12 Monate Spaß, aber ich glaube doch, es hatte eine gewisse Wirkung und ich konnte das auch an anderen sehen. Generell bin ich aber eher ein Freund der Dienstpflicht, für Männer und Frauen.

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