Wenn das Beichtgeheimnis stört

Es wirkt wie aus der Zeit gefallen, das Beichtgeheimnis in der Katholischen Kirche. In einer Welt, in der nichts mehr absolut sein darf, wird es zum Störfaktor.

Wenn man mal so darüber nachdenkt, gibt es heute nur noch sehr wenige Dinge, auf die man sich wirklich verlassen kann. Zu den Dingen, von denen man aber ausgeht, sie stünden noch immer fest wie ein Fels, gehört wahrscheinlich das Beichtgeheimnis innerhalb der Katholischen Kirche. Was während der Beichte gesagt wird, bleibt zwischen dem Beichtenden, dem Priester und Gott – niemanden sonst.

Und wenn man darüber nachdenkt, dann hat diese Situation heute geradezu etwas groteskes. Immerhin leben wir in einer Gesellschaft der Selbstentblößung. Und wenn wir uns nicht absichtlich entblößen, tun wir es unabsichtlich – per Facebook, Handy-App, Alexa & Co. Heute ist es dermaßen schwer ein Geheimnis für sich zu bewahren, dass selbst manche staatliche Überwachungsmaßnahme fast schon harmlos wirkt.

Das Absolute des Beichtgeheimnisses könnte einen wohltuenden Gegenpol dazu bilden – oder als störender Faktor wahrgenommen werden.

Im Rahmen der Missbrauchsskandale wurde in den letzten Wochen und Monaten schon so mancher Angriff auf das Beichtgeheimnis gefahren. In der aktuellen Tagespost (20.12.2018) wird über einen anders gelagerten Fall aus Belgien berichtet. Wegen unterlassener Hilfeleistung wurde ein Beichtvater dort von der Witwe eines Selbstmörders vor Gericht gebracht, weil er Stillschweigen über die Absichten seines Beichtkindes gewahrt hatte. Das belgische Gericht sprach ihn schuldig, und auch wenn die Strafe mit einem Monat Bewährung und einem Euro Strafe, rein symbolisch war, war es eben dennoch ein Schuldspruch. Wohl auch, weil die Anklage argumentierte, der Mann habe seinem Beichtvater auch per Telefon und SMS gesprochen. Womit die weltliche Justiz eigentlich vor allem ihr Unverständnis über die Beichte offenbarte. Es mag sein, dass ein Psychotherapeut in diesem Falle nicht mehr an seine Schweigepflicht gebunden ist, für einen Priester und das Beichtgeheimnis gilt das jedoch nicht. Beichten mag zweifellos einen therapeutischen Effekt haben können, es ist aber keine Therapie!

Therapeutische Verfahren unterliegen wie weltliche Gerichtsurteile auch, dem Zeitgeist. Therapeutische Verfahren verändern sich anhand des Standes der Forschung. Sie werden verbessert, oder verschlimm-bessert. Gerichtsurteile mögen auf einem unverändertem Gesetz beruhen, können stark differieren, wenn zwischen ihnen ein Zeitraum von zehn, zwanzig Jahren besteht. Das Beichtgeheimnis jedoch gilt heute so felsenfest, wie es vor 100 Jahren galt, und die 100 Jahre davor und davor und davor.

Es steht dennoch zu befürchten, dass an der Aufweichung des Beichtgeheimnisses fleißig gearbeitet wird. Nicht nur von einer dem Zeitgeist huldigenden weltlichen Macht oder einer atheistisch, angeblich humanistischen Clique, die am liebsten alles zerstören würden, was sich der menschlichen Herrschaft entzieht. Auch innerhalb der Kirche wird von so manchem Laien oder Priester eine Aufweichung verlangt. Zu schwer verständlich ist ihnen die Wahrung des Beichtgeheimnisses in manchen Fällen geworden. Fälle, die mir persönlich zuallererst einmal einen tiefen menschlichen Respekt vor jenen Beichtvätern entstehen lassen, die sich dort ihrer Verantwortung als Priester bewusst sind. Wir sollten nämlich auch niemals vergessen, welch Kraft es vielen Beichtvätern, die ja auch nur Menschen sind, kosten kann, so manch Beichtgeheimnis zu wissen, und dennoch zu wahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.