Billy Six ist eben kein Deniz Yücel

Als Deniz Yücel in der Türkei inhaftiert war, kam man um den Fall nicht herum. Medien, Politik, alle wollten, oder taten zumindest so, als wollten sie helfen.

Für den deutschen Journalisten Billy Six allerdings, da meldet man eher pflichtbewusst, dass er seit Tagen in einem Gefängnis der venezolanischen Geheimpolizei sitzt. Keine Medienkampagne ist im Anflug, nicht mal Heiko Maas hat sich geäußert. Billy Six hat eben ein Problem, er schreibt für die rechte „Junge Freiheit“ und dann sitzt er noch in einem Gefängnis eines betont linken Landes. Für die Freiheit von so jemanden, da setzt man sich in Deutschland doch nicht ein.

Dankenswerterweise sieht die Organisation Reporter ohne Grenzen das etwas anders. Dort mag man zwar auch nicht, für wen Six so unterwegs ist und schreibt, man ist aber integer genug die Pressefreiheit Reportern nicht nach eigenem Gusto zuzugestehen, sondern für die Pressefreiheit an sich einzutreten. Und auch international ist der Fall bekannt, wie etwa hier die BBC berichtet. Auch dort ist man sicher irritiert, wie wenig ein an Dengue-Fieber erkrankter Journalist im berüchtigten „El Helicoide“ die eigenen Landsleute interessiert.

Venezuela ist für konservativ bis rechte Medien bekanntlich ein gefundenes Fressen. Einst dank einem reichem Ölvorkommen das reichste Land Lateinamerikas haben es nur wenige Jahre unter der Herrschaft des linken Chavez und seines Nachfolgers Manduro bedurft, um das Land an den Abgrund zu bringen. Na ja, inoffiziell, offiziell gibt es in Venezuela ja keine Krise und die Millionen Venezolaner die nach Kolumbien oder Brasilien fliehen, offiziell versteht das in Caracas niemand. Ich habe zufällig erst vorgestern mit einem deutschen Journalisten gesprochen, der eines der Flüchtlingslager in Kolumbien besucht hat und dort das Elend mit eigenen Augen sehen musste. Übrigens, warum gibt es eigentlich keine Spendenaufrufe hierzulande? Nur mal so gefragt. Am UN-Flüchtlingshilfswerk kann es nicht liegen, das versucht sehr wohl zu helfen wo sie kann. Aber für aus sozialistischen Paradiesen geflohene Menschen zu spenden, ist halt nicht so populär.

Im politischen Berlin hofft man wohl, dass die Medien das Thema nicht aufgreifen. Nicht auszudenken, wenn die #Freethemall-Kampagne der Welt plötzlich auch für Journalisten wie Billy Six gelten würden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.