Homosexualität & Missbrauch: Wenn Studien nicht stimmen dürfen

Homosexuelle Subkulturen und Seilschaften. Wenn es um das Thema Homosexualität und Priester geht, holt man auch innerkirchlich aus.

Es gibt offizielle Versionen, die schlüssig erscheinen. Es gibt offizielle Versionen, bei denen man stutzig wird. Niemand, schon gar nicht in Deutschland, würde einen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche und Homosexualität ziehen. Die Wut der veröffentlichten Meinung wäre jedem sicher, der es wagen würde. Aber, unter uns, wenn 80% der Opfer Jungen sind, 78% davon postpubertär – und dann soll das so rein gar nix mit Homosexualität zu tun haben? Sorry, aber wenn etwas aussieht wie Käse, riecht wie Käse, schmeckt wie Käse, dann ist es auch Käse.

Während bei den Missbrauchsfällen innerhalb der Katholischen Kirche also zu 80% Jungen die Opfer sind, geht man davon aus, dass allgemein Mädchen drei- bis vier Mal häufiger die Opfer von Tätern sind. Die Diskrepanz ist offensichtlich.

Und es gibt auch eine zweite Diskrepanz. Bei der Frage wie hoch der Anteil von Homosexuellen in der Bevölkerung ist, gibt es zahlreiche Antworten. Was zum einen eine Sache der Definition ist, zum anderen muss eine gewisse Dunkelziffer eingerechnet werden, weil sich leider immer noch viele nicht trauen, sich zu outen. Die Zahlen schwanken zwischen 1 bis 3%. (Angesichts der PR-Kampagnen der LGTB-Lobby, mag man das kaum glauben, oder?) Auf der anderen Seite kann man nur schwer bestreiten, dass die – definitionsgemäß – rein männliche Priesterschaft auf homosexuelle Männer eine große Anziehungskraft ausübt. Oder um eine Zahl zu nennen: 16%

Diese Zahl stammt aus der aktuellen US-Studie „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und dem sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche?“ (zur Studie, eng). Um das Ergebnis vorwegzunehmen, die festgestellte Korrelation beträgt 0,98. Klingt nicht viel, oder? Aber jeder, der mal ein bisschen Statistik im Studium hatte, wird wissen, eine absolute Korrelation beträgt 1. Mit anderen Worten, die festgestellte Korrelation zwischen Homosexualität und Missbrauch in der Kirche beträgt dieser Studie nach nahezu 100%. 

Wenn man bedenkt mit welcher Vehemenz kund getan wird, dass es keinen Zusammenhang gebe, könnte man meinen, diese Studie sei eine Sensation und würde einschlagen wie eine Bombe. Allein, an der journalistische Kaste, die sich sonst nie zu blöd ist aus dem Abstract einer Studie, deren Inhalt sie weder gelesen noch verstanden haben, eine Sensationsmeldung zu machen, scheint diese US-Studie komplett vorbeigegangen zu sein. Ein dummer Zufall? Nö, angesichts der mit dem Thema „Missbrauch in der Kirche“ erreichbaren Klickzahlen, Auflagensteigerungen und Einschaltquoten, kann man das ausschließen. Ebenfalls interessant, die Studie wird gar nicht erwähnt, also nicht einmal, um ihr wissenschaftliche Mängel nachweisen zu wollen. 

Und dennoch, ganz ohne Widerhall bleibt die US-Studie natürlich nicht. In einem Interview mit der US-Plattform LifeSite, äußert Kardinal Müller folgendes zur Frage der 80%:

Mehr als 80% der Opfer dieser Sexualstraftäter sind Jugendliche des männlichen Geschlechts. Daraus kann man jedoch nicht schließen, dass die Mehrheit der Priester zu homosexueller Unzucht neigt, sondern nur, dass die Mehrheit der Täter in ihrer tiefen Unordnung ihrer Leidenschaften männliche Opfer gesucht hat.

Kardinal Müller

Direkt auf die hier beschriebene Studie angesprochen, erwidert er:

Sexualität hat ihren Platz ausschließlich in der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. Außerhalb gibt es nur Unzucht und Missbrauch der Sexualität, entweder mit Personen des anderen Geschlechts oder in der unnatürlichen Verschlimmerung der Sünde mit Personen des gleichen Geschlechts. Nur wer gelernt hat, sich selbst zu kontrollieren, erfüllt auch die moralische Voraussetzung für den Empfang der Priesterweihe (siehe 1. Tim 3,1-7).

Kardinal Müller

Das mag den Lehren der Kirche entsprechen, aber mit deren Verteidigung hat man im deutschen Episkopat und Klerus bekanntlich so manchmal seine Schwierigkeiten. So zitiert die Tagespost den Essener Generalvikar Klaus Pfeffer mit:

Während der gerade stattfindenden Präventionstagung der Bischofskonferenz sorgen die Aussagen von Kardinal Müller für Empörung. Mit solchen Äußerungen, wie sie Müller von sich gibt, werde eine Sexualmoral zementiert, die zur sexuellen Gewalt beigetragen habe, stellte Professor Harald Dreßing, Leiter des Forscherteams der MHG-Studie, unter großem Beifall des Auditoriums fest. Darum muss solchen brandgefährlichen Aussagen auch deutlich widersprochen werden.

Klaus Pfeffer, Essener Geralvikar

Unter welchen Umständen bekommt eine Studie eigentlich „großen Beifall“? Wahrscheinlich muss sie den Zuhörern sehr gefallen haben, was nahelegt, dass das Ergebnis ihnen gepasst hat. Folgerichtig hätte Paul Sullins, der sich für die Zahlen aus den USA verantwortlich zeigt, höchstwahrscheinlich Buhrufe geerntet. 

Ja, man kann nach dem Motto vorgehen, was nicht passt, wird passend gemacht – man darf sich aber später nicht bescheren, wenn alles zusammenbricht. Wer ein Problem lösen will, muss zunächst einmal das Problem erkennen. Nur scheint dazu die Angst an den Diskriminierungspranger gestellt zu werden, zu groß zu sein, als das man sich trauen würde die Wahrheit auszusprechen. Dabei legt diese Studie ja nicht den falschen Schluss nahe, Homosexuelle würden schneller zu Tätern werden. (Ein Vorwurf, der ja lange ein besonders beliebtes Vorurteil gegenüber Homosexuellen war.) Sie weist lediglich auf einen Zusammenhang bei den Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche hin. Und egal wie man dieses Problem lösen will, man muss es zuerst einmal anerkennen, als es aus Gründen der Political Correctness schlicht zu leugnen.

Ein Kommentar zu „Homosexualität & Missbrauch: Wenn Studien nicht stimmen dürfen“

  1. Alles gut und richtig, aber wie und mit welchen Folgen betrifft es den Gläubigen an sich, jetzt mal abgesehen davon, dass die Kirche immer mehr Austritte zu verzeichnen hat. Das ist ein Dilemma, bei dem der einzelne Alleingelassen ist. (Ich sage bewusst nicht: „wird“, denn wer hat schon Vertrauen zu seinem Priester, wenn er hört, liest und mitkriegt was so passiert)? Das heißt, jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er daran festhält in der Kirche zu bleiben und somit einen direkten Draht zur Kirchenobrigkeit aufrecht erhält, egal was dort passiert, oder einfach austritt. Und dann? Einer anderen Kirche beitreten? Auch nicht unbedingt die Lösung. Vielleicht besser sich seine eigene kleine Pfarrei daheim einrichten? Wie soll man sich als gläubiger Mensch entscheiden? Diese Frage wird hier nicht beantwortet, Herr Konservativer!

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