Der Diesel, die Reichsbürger und die neue Un-Lust zur Lüge

Frage: Wie viele Worte braucht man, um zu beschreiben, was in Deutschland gerade schief läuft? Antwort: Eines – Diesel!

Die liberale FAZ hat in ihrer Sonntagsaufgabe den nächsten Skandal im Skandal aufgedeckt. Die Messstationen würden falsch stehen. Viel zu nahe am Geschehen, weshalb es nicht weiter verwunderlich sein dürfte, dass Stadt für Stadt den Grenzwert für drohende Fahrverbote reißen würde. Beim libertären Blog Tichys Einblicke, ruft man jetzt gar schon zu einer Leseraktion auf. Quasi BILD-Reporter im Dienste der Autoindustrie von Tichys Einblicke, voll lokal und so. Alles für die Wahrheit. – Dankenswerter Weise muss man aber festhalten, das keine der beiden Publikationen eine Verschwörungstheorie in den Raum gestellt hat, dass die Deutsche Umwelthilfe die Messstationen heimlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion umgestellt hätte. Aber wer weiß, kann ja noch kommen.

Dabei könnte man jene Umwelthilfe durchaus kritisieren, handelt es sich dabei ja nicht gerade um eine von einer breiten Masse getragenen Organisation á la BUND oder Greenpeace. Ironischerweise wird sie übrigens auch maßgeblich aus staatlicher Hand mitfinanziert, was manch CDU-Hinterbänklernamen jetzt in den Live-Ticker bei N24 bringt, wenn er die Aufkündigung der Unterstützung fordert. Bei der Finanzierungsfrage stößt man zusätzlich schnell auf einen auf den ersten Blick eher seltsam wirkenden Namen: Toyota

Kritik an der Umwelthilfe als PR-Maßnahme

Ist die Deutsche Umwelthilfe also unseriös? Es ist völlig egal wie seriös diese Organisation ist, denn bekanntlich ist es vor Gericht selten der Kläger, den die Anschuldigungen und später der Richterspruch trifft. Klagt nicht die Umwelthilfe, tut es jemand anders. Insofern ist ein Großteil der Kritik – ob berechtigt oder nicht – kaum mehr als eine PR-Maßnahme. Sie hat nicht einmal den Zweck, die Deutsche Umwelthilfe aus dem Spiel zu nehmen, sie soll lediglich in der Öffentlichkeit den Fokus weg von der Autoindustrie lenkten. Frei nach dem Motto, böse ist nicht jener, der die Tat begeht, sondern jener, der sie öffentlich macht. Derartige PR-Maßnahmen sind nicht unüblich, und waren in den letzten Jahren von erschreckendem Erfolg gekrönt. Ob es allerdings in diesem Fall gelingt, trotz einer treuen Allianz aus Politik und Medien als PR-Botschafter, ist zumindest ungewiss.

Wer in diesen Tagen nach Berlin blickt, dem überkommt unweigerlich ein tiefes Gefühl der Scham. Nope, ich schäme mich nicht Deutscher zu sein, ich schäme mich dieser Regierung.

Knapp eine Million Halter von älteren Dieselfahrzeugen bekamen vor einigen Tagen Post vom Kraftfahrt Bundesamt. Ein Schreiben, bei dem man nachträglich nicht entscheiden kann, um was genau es sich dabei handelte. War es ein Skandal? Eine Bankrotterklärung? Ein Versehen, das die Wahrheit offenbarte? Was auch immer es war, es enthielt zwei Teile, die uns eigentlich den Atem stocken lassen müsste. (Was angesichts der Abgasthematik – ach, lassen wir das.)

Zum einen wurde den Dieselhaltern nahegelegt das „Umtauschangebot“ der deutschen Autohersteller anzunehmen. Wenn ich einen Diesel umtausche, dann fahre ich zu einem Autohaus, steige aus und steige in mein neues Auto ein. Das ist ein Umtausch. Wenn ich mein altes Auto abgebe, einen Rabatt erhalte, den man als geschickter Verhandler ohnehin bekommen würde, und ein neues Auto kaufe – dann ist das ein AutoKAUF. Ich weiß ja nicht wie es mit der ökonomischen Bildung im Kraftfahrt Bundesamt aussieht, aber ich hatte doch die Hoffnung sie hätten zumindest rudimentäre Kenntnisse in diesem Gebiet. Jetzt habe ich da so meine Zweifel.

Kraftfahrt Bundesamt verschickt Werbebroschüre

Zum anderen weiß man im Kraftfahrt Bundesamt natürlich, dass bei den Dieselhaltern diesbezüglich Fragen aufkommen könnten. Also bot man gleich mehrere Hotlines an. Allerdings keine eigene, sondern von BMW, Daimler und VW.

Oder mit anderen Worten: Das Schreiben des Kraftfahrt Bundesamtes war nichts weiter als ein Werbebrief der deutschen Autoindustrie.

Die Reichsbürgerbewegung glaubt ja, das Deutsche Reich sei offiziell nie abgeschafft worden, und wir würden jetzt in der sogenannten BRD GmbH leben. Wenn diese Verschwörungstheorie stimmt, dann weiß ich wer Eigentümer dieser BRD GmbH ist: BMW, Daimler und VW!

Ganz ehrlich … Das deutsche Politiker drei Meter springen, wenn der VW-Boss sagt, springt zwei Meter, das wussten wir schon seit Jahren. Das Daimler inzwischen schon grüne Ministerpräsidenten als Bauchrednerpuppen hat, wen überrascht das wirklich noch? Das BMW einen Status hat, der irgendwo weit über dem sämtlicher Götter aller Weltreligionen steht, so what? Aber früher, da hat man das noch zu vertuschen versucht. Früher hatte die Regierung noch den Anstand das Volk zu belügen! 

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