Die Monarchie in der Nachkriegszeit

Vor 100 Jahren ging in Deutschland die Monarchie unter. Aber auch nach 1945 war sie bei einigen Deutschen noch nicht in Vergessenheit geraten.

Schon in den Anfängen der Bundesrepublik erwies sich Bayern als ein wenig konsequentes Land. Wie später die CSU drohte man zwar gerne, aber zog wenig Konsequenzen. Noch immer ist Bayern das einzige Bundesland, das das deutsche Grundgesetz nicht unterschrieben hat. Seine Gültigkeit würde aber niemand zwischen Aschaffenburg und Garmisch-Partenkirchen ernsthaft in Zweifel ziehen.

Jene, die das Grundgesetz damals in Bayern ablehnten, argumentierten damals auch mit der ehemaligen Herrscherdynastie der Wittelsbacher. Die Familie war im Volk nach wie vor beliebt, während der Naziherrschaft hatte sie ihren Blutzoll entrichtet und viele Angehörige der Wittelsbacher erlebten das Kriegsende als Gefangene in Konzentrationslagern. Hatte es schon bei der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten Gedankenspiele gegeben Bayern durch die Wiedereinführung der Monarchie vom Deutschen Reich zu lösen, kam diese Möglichkeit jetzt wieder für manche ins Spiel. Selbst der Spiegel musste 1949 anerkennen, dass der Gedanke der Monarchie in Bayern noch weit verbreitet war – und die Beliebtheit der Wittelsbacher nicht unbegründet.

Höchstens 30 Prozent der Bevölkerung würden für die Monarchie stimmen, beruhigen sich bayrische Demokraten. Aber die Bayern waren 800 Jahre lang mit dem sehr liberalen und gar nicht so katholischschwarzen Haus Wittelsbach zufrieden.

Quelle: Der Spiegel 19/49

Fünf Jahre später stelle Walter Fredericia in der Zeit die Frage Ist Monarchismus heute möglich? In Großbritannien war Elizabeth II gerade gekrönt worden und so mancher schien sich nach der Monarchie zu sehen. Dahinter Sensationslust oder Sentimentalität zu wittern, erschien Fredericia zu „billig“. Für ihn steckte dahinter zwar auch die Sehnsucht nach einer guten alten Zeit, aber etwas mehr. Er vermutete, dass viele Deutschen als Reaktion auf den Nationalsozialismus eine Sehnsucht nach einem Staat entwickelten, „der nicht moralisch entartet, noch von der moralischen Entartung bedroht ist.“ Und mit diesem Bild vor allem das Deutsche Kaiserreich vor 1914 verbanden, bzw. mit der alten K.u.K.-Monarchie unter Kaiser Franz Josef. Das mochte auch daran gelegen haben, das beide Kaiserreich zwar hinter Westeuropa zurückstanden, aber eben auch kein Frankreich vor der Revolution darstellten. Die bestimmende Schicht war das Bürgertum. Mit Blick auf unsere heutige Situation könnte man anmerken, ein stabiles Bürgertum, das sich nicht durch Abstiegsängste bereit findet, sich auch selbst zu zerfleischen.

Fredericia erkannte aber auch die Vorteile einer Monarchie, die dem Volk im Gegensatz zu den Machtkämpfen der Demokratie an der Spitze des Staates einen ruhenden Pol versprachen.

Der Kern des monarchischen Systems ist die Erblichkeit der obersten staatlichen Funktion, weil andernfalls der Monarch nur Präsident, Diktator oder Führer sein könnte. Hierin liegt auch einer der wichtigsten Werte der Monarchie, die den Machtkampf an der Spitze aufhebt und ihn auf die zweiten, dritten und niedrigeren Funktionen verweist.

Quelle: Die Zeit 35/1954

Quasi als Versicherung sah er dabei das Gottesgnadentum an. Zwar mochte auch ein Monarch auf die stillschweigende Zustimmung seines Volkes angewiesen sein, die Legitimierung seiner Herrschaft aber war von Gott abgeleitet. Womit der Monarch aber zur gleichen Zeit an die christliche Moralvorstellung gebunden war. (Man erinnere sich an den damaligen belgischen König, der für einen Tag abgesetzt wurde, weil er sich weigerte ein Abtreibungsgesetz des Parlaments zu unterzeichnen.) Resigniert stellte der Autor allerdings selbst fest:

Allein, dieser hohe und wesentlichste Gewinn, den die Völker aus der Monarchie ziehen könnten, gehört der Vergangenheit an; er ist durch die Säkularisierung unwiederbringlich dahingegangen. Die Hoffnung, ihn durch eine monarchistische Verfassung wiederzuerlangen, wäre reine Illusion.

Quelle: Die Zeit 35/1954

Und so kommt Fredericia zu dem Schluss, das eine Wiedereinführung der Monarchie wenn überhaupt nur gelinge, könnte sie sich auf einen „Funktionsträger“ stützen. Die Arbeiterschaft käme nicht in Frage, der Adel sei entpolitisiert. Bliebe nur wieder das Bürgertum, doch das sah sich 1954 noch an der Macht, weshalb sollte es daran etwas ändern wollen?

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