Warnung an alle Kitas: Mädchen mit Zöpfen haben Nazi-Eltern!

Wenn es darum geht linke Ideologie mit Steuergeldern zu finanzieren, ist die Amadeu Antonio Stiftung ganz vorn dabei. Dafür gibt sie dann auch komische Broschüren raus.

In ihrem aktuellen Newsletter beschäftigt sich Publizistin Birgit Kelle mit einer Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung, die als Handreichung für Angestellte in Kitas gedacht ist. Einer Broschüre, die teils richtig liegt, aber doch auch unglaublichen Bullshit im Namen der eigenen Ideologie vertreibt. 

Zuerst werden etwa konkrete Beispiele genannt, in denen es um rechte bzw. ant-gender Vorfälle ging. Sehen wir uns diese doch einfach mal an:

Beispiel 1: Hier geht es um einen konkreten Fall einer Erzieherin, deren Mann beim NSU-Prozess als NSU-Unterstützer verurteilt wurde. Der Frau wurde gekündigt. Was die Amadeu Antonio Stiftung für korrekt hält, obwohl auch sie nicht einmal den Vorwurf erhebt, die Frau hätte ihr rechtsextremes Gedankengut bei der Arbeit mit den Kindern eingebracht.

Beispiel 2: Eltern wollten mit einem öffentlichen Schreiben verhindern, dass ein syrischer Flüchtling als Hilfskraft in einer Kita angestellt wurde. Dagegen ist man völlig zurecht vorgegangen.

Beispiel 3: Zum bundesweiten Vorlesetag hat die Stiftung Lesen nicht nur Politiker von CDU bis Linke eingeladen einen Beitrag zu leisten, sondern auch von der AfD. Das ist die alte Diskussion, die bei vielen Gelegenheiten auftritt, soll man alle im Bundestag vertretene Parteien einladen, aber nicht die AfD. Zumindest zeugt es von einem selektiven Demokratieverständnis der Amadeu Antonio Stiftung, wenn sie sich an die Stelle des Verfassungsgerichtes setzt und bestimmen möchte, welche Partei demokratisch ist und welche nicht.
Beispiel 4: Hier geht es um einen Spielplatz, der nach dem Motto von „Alibaba und die 40 Räuber“ gestaltet war. Was ihn – logischerweise – eben ein orientalisches Aussehen gab, an dem sich AfD und Pegida gestört haben. Na ja, Islamophobie eben. Hat man den Spinnern damals eigentlich nachgegeben, oder gibt es den Spielplatz noch?

Beispiel 5: Während man im oberen Falle ja recht hatte, geht es im nächsten um die Verteilung einer Broschüre an Kita-Angestellte, die die sexuelle Vielfalt preist. Warum es allerdings in diesem Umfeld wichtig ist, dass „Ben jetzt Sophie“ heißt, ist allerdings schon fraglich. Toleranz ist ein hohes Gut, aber es braucht keine LGTB-Lobbygruppen, die es als Wissenschaft verkleidet predigen.

Während man also sagen kann, das hier ja durchaus auch einiges Richtiges stand, wird es bei den in der Broschüre dann folgenden Fallbeispielen inkl. Handlungsanweisungenempfehlungen schon ein wenig bizarr: 

In einer Kita fallen zwei Geschwister auf, die besonders zurückhaltend sind und wenig von zu Hause, z.B. vom Wochenende, erzählen. So verhalten sie sich im Morgenkreis zum Wochenbeginn schweigsam und passiv. Gleichzeitig gibt es keine sogenannten Disziplinprobleme, diese Kinder scheinen besonders ‚gut zu spuren‘. Außerdem sind traditionelle Geschlechterrollen in den Erziehungsstilen erkennbar: Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt. Beide kommen häufig am Morgen in die Einrichtung, nachdem sie bereits einen 1,5-km-Lauf absolviert haben.

Quelle: Amadeu Antonio Stiftung

Woran erkennt man Kinder von Nazis? Ist doch ganz einfach, die Mädchen tragen tatsächlich so etwas altmodisches wie Kleider. Hallo!? Wir haben 2018, Mädchen ziehen keine Kleidchen mehr an, und Zöpfe, die gehen schon mal gar nicht. Alles nur Zeichen der Unterdrückung der Frau durch das männliche Patriarchat. Und dann ist dieser Nazi-Nachwuchs auch noch gut erzogen, statt ständig Widerworte zu geben und rumzulaufen, als würden sie sich jeden morgen selbst anziehen. Und das aller, wirklich allerschlimmste, die kommen nicht mit dem Auto in die Kita.

Okay, ernsthaft. Was lernen wir aus diesem links-erdachten Stereotyp. Das Rassismus genau nach dem gleichen Prinzip funktioniert? Das man seine Kinder lieber verlottert in die Kita fahren sollte, um keinen Verdacht zu erregen? Das Pädagogen, die nicht mit Kindern können, immerhin noch doofe Broschüren veröffentlichen können? Ich bin ein wenig ratlos.

Aber was empfiehlt die Amadeu Antonio Stiftung jetzt? Erstmal reden. Die Eltern einladen und ihnen ruhig erklären, dass das alles gegen das Wohl ihres Kindes ist. Natürlich weiß man auch, dass das nur eine Alibiveranstaltung ist. Ich meine, normale Eltern, die ihr Kind erziehen, statt es sich selbst zu überlassen, und an Kleidern für Mädchen jetzt auch nichts schlimmes sehen, werden sich fragen, ob ihr Gegenüber noch alle Tassen im Schrank hat. Und seien wir ehrlich, ein echtes Nazipärchen wird sich auch nicht überzeugen lassen. Angesichts dieser vorprogrammierten Ergebnisse, erinnert man schon mal daran, dass hier auch der Straftatbestand der Kindeswohlgefährdung vorliegen könnte. 

Yep, so schnell kann’s gehen. Am Morgen flechtet die Mutter ihrer Kleinen noch das blonde Haar zu zwei Zöpfen, am Nachmittag braucht sie einen Rechtsanwalt, weil durch-ideologisierte Kita-Angestellte glauben, hier würde einen Kindeswohlgefährdung vorliegen.

Kann es sein, dass wir vergessen haben, das Kinder irgendwie nun mal Kinder sind. Natürlich ist es auch Aufgabe der Kitas einzugreifen, wenn ein Kind Vorurteile gegen andere Kinder mit Migrationshintergrund haben. Aber seit wann deutet die Tatsache, dass Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen und ihre Kinder auch erziehen, etwas Schlimmes? Müssen wir diesen Laissez-faire-Erziehungsstil ernsthaft nochmal durchkauen? Lasst die Kinder einfach machen, die wissen es schon besser? Ich glaube das die Kinder sich selbst überlassen haben wir spätestens seit Kasper Hauser als Irrweg erkannt. Natürlich mit Ausnahme der 68er-Pädagogik, die in ihrem Bestreben der Freiheit des Kindes auch schon mal die Grenze zur Pädophilie überschritten. 

Die Kinderrechte, von denen in dieser Broschüre so oft die Rede ist, gibt es tatsächlich im Sinne des Wortes zurecht. Sie sollen die Kinder vor Missbrauch, vor Gewalt schützen, aber sie sind nicht dazu da, sie per Definition von jeder Handlung – die in ihrer überwältigenden Zahl ja positiv sind – der Eltern zu schützen. Ideologen wie jene der Amadeu Antonio Stiftung begreifen Kinderrechte aber offensichtlich als etwas, was gegen die Eltern ausgespielt werden muss. Aus ihrer Sicht ist das nachvollziehbar, denn ihre Stoßrichtung sind ja eindeutig erkennbar klassische Familien. Die Mehrheit, mit Vater, Mutter, Kind, nicht die Minderheit mit Vater, Weißichnichtsogenau, Jungedereigentlicheinemädchen ist. Es geht also zumindest sekundär, wenn nicht gar primär, darum die Familie zu schwächen, die nicht dem eigenen Bild der Vielfalt entspricht. 

2 Kommentare zu „Warnung an alle Kitas: Mädchen mit Zöpfen haben Nazi-Eltern!“

  1. Ja, die haben ein Sendungsbewusstsein, das voll ideologisch geprägt ist. Das merkt man nicht immer, aber es kommt leider häufig vor. Dass die Stiftung mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, ist falsch. Das heißt allerdings nicht, dass alles falsch ist, was dort gemacht wird. Aber es sollte eben nicht aus einem Ministerium heraus finanziell gefördert werden. Ich kann den Verdruss vieler Konservativer darüber nachvollziehen.

  2. Ohne dir das vorwerfen zu wollen – schließlich ist das so ein interessanterer Artikel -, aber ich finde, dass du hier sinnentstellend zitierst. Im von dir hervorgehobenen Fallbeispiel werden die Eltern der Kinder nicht als Nazis bezeichnet, weil die Kinder Zöpfe haben und diszipliniert sind, sondern, Zitat zwei Sätze weiter, von da aus, wo du bewusst aufgehört hast zu zitieren: „Einige Eltern, deren Kinder eingeladen sind, wissen um die Zugehörigkeit der Eltern in einer rechtsextremen Kameradschaft und machen sich Sorgen, was auf dem Kindergeburtstag passieren könnte.“

    Das ist das Fallbeispiel. Es wird nicht zur Hexenjagt gegen Nazis aufgerufen, sondern Vorschläge gemacht, wie ein Kindergarten darauf reagieren kann, wenn die anderen Eltern (!) sich sorgen, weil Kinder in der Kita zu einer „Unterordnung in eine völkische Gemeinschaft“ erzogen werden.

    Du wirfst hier der Stiftung vor, Ideologisch zu prägen, in einem Bereich, wo sie gerade helfen wollen, eine Ideologische Prägung zu vermeiden und Kinder für das Leben in einer Demokratie offenzuhalten. Die Broschüre schlägt dann auch vor: „Es gilt, eine Kultur der Verschiedenheit und Gleichwertigkeit aller im Alltag der Kinder erfahrbar zu machen. Damit wird der Vorstellung einer homogenen ‚Volksgemeinschaft‘ und der Ungleichwertigkeit verschiedener Gruppen – zentrale Ideologeme von Neonazis – praktisch etwas entgegengesetzt.“

    Bezogen auf den Kindergeburtstag aus dem Fallbeispiel lautet der Vorschlag dann auch nicht, wie du drei Seiten Text in wenige Sätze komprimierst, den Eltern zu erklären, das sei gegen das Wohl ihrer Kinder und ihnen dann Ämter auf den Hals zu jagen. Viel mehr wird den Pädagogen geraten, einen Ausgleich zu suchen zwischen den Interessen der anderen Eltern – die sich um ihre eigenen Kinder sorgen, weil sie nicht wollen, dass diese auf einen Kindergeburtstag bei einer rechtsextremen Kameradschaft gehen – mit den Interessen der Kinder – die gerne alle Zusammen Geburtstag feiern wollen, ohne auf die politischen Ideologien ihrer Eltern Rücksicht nehmen zu müssen.

    Wie du, Thomas, zu dem Schluss kommst, „Ideologen wie jene der Amadeu Antonio Stiftung begreifen Kinderrechte aber offensichtlich als etwas, was gegen die Eltern ausgespielt werden muss.“, kann ich mir nur erklären, wenn du den entsprechenden Teil der Broschüre nicht gelesen, sondern nur ein knackiges Zitat gesucht hast.

    Ausführlich wird beschrieben, dass gerade nicht etwas gegen die Eltern oder gar die Kinder getan werden soll. „Kita und Schule sind diejenigen Institutionen, die es ermöglichen können, den Kindern einen demokratischen Alltag erlebbar zu machen. Insofern sehen wir die Aufgabe von Pädagog*innen zuallererst darin, hier anzusetzen und letztlich ein Fenster offenzuhalten, damit diese Kinder eines Tages selbstständig entscheiden können, ob sie einen anderen Weg gehen wollen oder erwachsener Teil der rechtsextremen Szene werden/bleiben.“

    In deinem alten Blog hattest Du überzeugender argumentiert. Und ja, es gibt viel an Stiftungen, auch dieser, zu kritisieren. Und es gibt zahlreiche Dinge, die in dieser Broschüre kritisiert werden sollten und viel viel viel, was wir in gesellschaftlichen Debatten kritisieren können und sollten. Und ja, ich greife mir auch öfter „leichte“ Ziele heraus. Aber sinnentstellend Zitieren um leichter Punkte zu machen, ist faul. Und so bist du nicht.

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