Megyn Kelly – So schnell ist man bei NBC seinen Job los

Megyn Kelly kam von Trumps Lieblingssender FOX zu NBC, nach einer Debatte über Halloween-Kostüme ist ihr Gastspiel dort jetzt beendet worden.

Ist es rassistisch, wenn ein Weißer sich als Schwarzer verkleidet? Ja, durchaus, wenn er es etwa im Stil des frühen letzten Jahrhunderts macht, wo etwa in frühen Filmen schwarze Darsteller eigentlich weiße Schauspieler mit schwarzer Schuhcreme und schwülstigen Lippen war. Ein Schema, das noch heute in rassistischen Karikaturen verwendet wird. Ist es aber rassistisch, wenn die US-Sängerin Luann de Lesseps sich als ihr Idol Diana Ross zu Halloween verkleidet, und sich neben einer Perücke auch die Haut dunkler schminkt? Darüber könnte man doch diskutieren, oder? Hier wurde genau das getan:

Die US-Moderatorin Megyn Kelly konnte keinen Rassismus bei Luann de Lesseps ausmachen, weil sie letztes Jahr zu Halloween als Diana Ross verkleidet war. Was folgte war ein Sturm der Entrüstung gegen Kelly. Ebenso wie Luann de Lesseps sah sich Megyn Kelly gezwungen sich für ihre Aussage öffentlich zu entschuldigen. Genutzt hat es ihr nichts, ihren Job bei NBC ist sie los.

Gehen wir erst einmal zurück auf Anfang, und stellen die Frage, war Luann de Lesseps‘ Kostüm ein Ausdruck von Rassismus? Vom Standpunkt der Sängerin aus ganz sicher nicht, es war eher ein Tribut an eine große Künstlerin, der Luann de Lesseps nacheifern möchte. Das Problem ist natürlich, dass sie nicht bedacht hat, dass die eigene Intention ohne Belang ist, sondern die Interpretation der Gesellschaft. Oder sagen wir es besser so, die Interpretation der linken Mediengesellschaft. Und diese hat beschlossen, dass das sogenannte „Blackfacing“, also das schwarz Schminken durch weiße, als Rassismus definiert ist. Wie gesagt, ja, das kann auch Rassismus sein. Aber im besagten Fall sollte keine Spur an Rassismus ausgedrückt werden. 

Indem Kelly diese Position vertrat, war sie schon abgeurteilt. Dabei argumentierte sie nicht einmal allgemein, sondern meinte lediglich, als sie ein Kind gewesen sei, sei es okay gewesen sich als Schwarzer zu verkleiden, wenn man eine bestimmte Person darstellen wollte. Das sie sich dadurch selbst ein Grab schaufelte, war ihr wohl nicht einmal bewusst. Auch die FAZ stellt erst einmal fest, dass es „für amerikanische Verhältnisse [eine] ruhige Runde“ gewesen sei. Wie so oft kam der Aufschrei auch hier mit einer Verzögerung.

Was dieser Vorfall idealtypisch allerdings auch aufzeigt, ist der wahre Kern im rechten Vorwurf des Satzes „Man darf das ja heute nicht mehr sagen“. Dieser Satz ist definitionsgemäß falsch, man darf es sagen (und die Rechten tun dies ja mit einer penetranten Ausführlichkeit, dass man sich eher fragt, ob sie den Satz selbst noch glauben). Hier wie auch auf der anderen Seite des Atlantiks herrscht Meinungsfreiheit. Allein damit, dass der Staat eine Aussage nicht sanktioniert, ist die Sache eben noch nicht erledigt. Dem Staat ist die Aussage von Megyn Kelley herrlich egal, ihrem Arbeitgeber aber eben nicht. Nun mag es auch hier rechtlich in Ordnung sein, dass man die Journalistin vor die Tür setzte, nur das Problem bleibt: Man kann gewisse Dinge heute zwar sagen, man muss aber mit gesellschaftlicher Ächtung rechnen. Und das betrifft in der überspannten Jetzt-Zeit eben nicht nur unsägliche Dinge wie Rassismus, es bedarf keines gesamtgesellschaftlichen Konsens mehr, sondern lediglich eine elitäre Sprachpolizei, die zugleich Richter und Geschworene bildet. Und diese Elite lebt eben nicht, was einer ihrer geistigen Väter Voltaire einst schrieb: „Besser, man riskiert, einen Schuldigen zu retten, als einen Unschuldigen zu verurteilen.“ Sie handelt nach dem genauen Gegenteil. 

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