Wie umgehen mit #Freiburg oder #Desiree?

Freiburg, mutmaßliche Gruppenvergewaltigung, tatverdächtig 7 Syrer, 1 Deutscher mit Migrationshintergrund. Rom, Gruppenvergewaltigung und Mord, tatverdächtig Afrikaner und Araber.

Es war ein Senegalese, der sich als Zeuge bei der Polizei meldete und so verhinderte, dass das Schicksal von Desiree M. in der Drogenstatistik der römischen Hauptstadt unterging. Denn als man die Leiche des 16jährigen Mädchens fand, schien sie zuerst kaum mehr als eine weitere Drogentote zu sein. Durch die Zeugenaussage wurde aber bekannt, was Italien erschüttert. Das Mädchen war Opfer einer Gruppenvergewaltigung von sechs oder sieben Männern geworden, die sie danach mutmaßlich auch getötet haben. Die Täter: Drogendealer aus Schwarzafrika und dem Maghreb. In Italien kocht die Volksseele noch, da wird heute eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Freiburg bekannt. Eine junge Frau wurde betäubt und dann von sieben syrischen Flüchtlingen und einem deutschen Staatsbürger mit Migrationshintergrund vergewaltigt, manche Medien sprechen gar von insgesamt 15 Tätern. 

Zwei Taten die erschüttern, die fragen lassen, warum Menschen solche Grausamkeiten begehen.

Aber im Jahr 2018 wissen wir längst, dass die Meldungen kaum in der Welt sind, da bringen sich Links und Rechts bereits in Stellung. Die einen urteilen pauschal, führen die Taten auf das Jahr 2015 zurück, fordern Abschiebungen, Angela Merkels Abschiebung inklusive. Die anderen ergehen sich darin entweder dem argumentationslos entgegenzutreten, oder wählen als Argumente Statistiken, die die Einzeltaten in der Masse untergehen lassen sollen. Was sie gemeinsam haben, die Opfer kümmern die Agitatoren von links und rechts einen Scheiß. Die einen missbrauchen die Tat für die Bestätigung ihrer Ideologien, die anderen verteidigen reflexhaft ihre eigenen Ideologien. 

Das Verbrechen in Rom spielte in den deutschen Medien kaum eine Rolle. Die Süddeutsche griff es größer auf, als der italienische Innenminister Salvini die Tat für die politischen Ziele der Lega zu instrumentalisieren begann. Es ist ein Artikel, wie ihn die rechte Hetze nur allzu gut gebrauchen kann. Die Schuld wird bei der italienischen Misswirtschaft gesehen, bei den Rechten der Lega und den – meiner Ansicht nach – erbärmlichen Marionetten der Cinque Stelle. Dann war noch die Wirtschaftskrise schuld, die Drogensucht des Opfers, die Mafia, die die afrikanischen und arabischen Illegalen als Dealer missbraucht. Was dabei fehlte, war die Frage nach der Schuld der Täter. 

Nun kann man durchaus fragen, warum es der Mord an Desiree nicht in die deutschen Medien geschafft hat, während man sich zeitweise vor den grauenvollsten Vergewaltigungsfällen aus Indien nur noch durch einen Medienboykott schützen konnte. Aber auch wenn es Süddeutsche & Co. den Rechten leicht machen, ein Schweigekartell liegt nicht vor. Ebenso wenig wie die auf Twitter kursierenden Meldungen wahr sind, die Tageschau hätte heute nicht über die Gruppenvergewaltigung in Freiburg berichtet, oder zumindest verschwiegen, dass die Täter fast sämtlich polizeibekannt waren und in Flüchtlingsunterkünften verhaftet wurden. Und auch den hier und da geäußerte Vertuschungsversuch, nicht zuletzt von Erika Steinbach, hat es nie gegeben. Das zwischen Tat und dem Aufgreifen der Meldung so viel Zeit verging, kann durchaus auch die berühmten ermittlungstaktischen Gründe haben, weshalb die Polizei die Öffentlichkeit im Zweifel eher im Dunkeln ließ.

Und dennoch, des lieben Friedens willen wäre es manchem lieber, solche Taten würde keine große mediale Aufmerksamkeit erlangen.

Ob Campino der Name Daniel etwas sagt?

Don Alphonso, der inzwischen bei der Welt Asyl gefunden hat, nachdem die FAZ ihn nicht mehr haben wollte, weißt zurecht darauf hin, dass man Salvinis Reaktion nicht gutheißen muss, aber es keine Metareaktion war, die weniger auf das Verbrechen Bezug nimmt, als auf die möglichen Auswirkungen. Natürlich kann und muss man sagen, dass die Mehrheit der syrischen Flüchtlinge nicht mit jenen sieben in einen Topf geworfen werden dürften, die Vorgehensweise der deutschen Politik tut aber auch gerade dieser Mehrheit keinen Gefallen. Man erinnert sich an den Mord in Chemnitz, der am Ende gar keine Rolle mehr gespielt hat, weil sich eine links-grüne Meinungsführerschaft lieber bei einem Konzert gegen Rechts engagieren wollte, statt an – ja, richtig, statt dem Opfer zu Gedenken. Kann mal jemand bei Gelegenheit Campino von den Toten Hosen fragen, ob er den Namen des Ermordeten kennt?

Zu meiner Zeit als Journalist habe ich zuweilen den Standpunkt vertreten, dass die Nennung der Herkunft von Tätern, die damals quasi tabu war, sehr wohl Bestandteil der in der Nachricht zu übermittelnden Information sein sollte. Und die alte Frage nach dem Frauenbild der aus dem arabischen und afrikanischen Raum stammenden Männer (und übrigens auch Frauen selbst) muss auch in diesem Fall gestellt werden. Der kulturelle Unterschied, allein im Auftreten der Frauen und ihrer Kleidung ist derart groß, dass es mir als absolute Notwendigkeit erscheint von vornherein klarzustellen, das ein Minirock oder eine enge Hose keine Einladung zum sexuellen Missbrauch darstellt. Abgesehen davon, dass ich keinen Cent auf egal welche Statistiken gebe, jeder Einzelfall muss die Anstrengungen in dieser Hinsicht verstärken. Gerade wenn man sich auch den Fall Susanna vor Augen führt, bei dem der Täter von seiner Familie – der Mutter inklusive – gedeckt und in die scheinbare Sicherheit des Iraks gebracht wurde. Es war nur den Kurden, jenen treuen und so oft verratenen Verbündeten, zu verdanken, dass der Mann jetzt vor einem deutschen Gericht Rechenschaft abzulegen hat. (Während ein anderes Gericht damit beschäftigt sein wird, zu klären, ob man den mutmaßlichen Täter überhaupt auf diese Weise zurück nach Deutschland hätte bringen dürfen.)

Jetzt nicht den Deckel drauf halten

Es bleibt abzuwarten, wie in den nächsten Tagen Freiburg reagieren wird. Die Stadt im Breisgau ist nicht Chemnitz. Zwar gibt es überall eine rechtsextreme Grundschicht, aber in Chemnitz ist sie traditionell nicht nur größer, sondern auch seit Jahren besser organisiert. Auch in Italien gibt es Linke, die statt die Kriminalität – egal wer sie ausübt – lieber den politischen Gegner bekämpfen, aber dort können die Menschen ihrer Trauer und Wut – und beides ist im Kern als menschliche Reaktion auf die Tat berechtigt – Ausdruck verleihen. In Deutschland jedoch wird sich kein Vertreter aus dem links-grünen Milieu auf einer solchen Kundgebung einfinden, weder Politiker noch sich zur Weltrettung im allgemeinen berufen fühlenden Künstler. Schlimm genug, dass sie damit das Feld der AfD und was weiter rechts von ihr steht überlassen, schlimmer aber noch, dass sie dann auch eben die trauernden und wütenden Bürger nicht nur in deren Arme treiben, sondern pauschal mit verurteilen. Denn wie jeder Flüchtling für die Rechten ein Verbrecher ist, war schließlich auch jeder Demonstrant in Chemnitz für die Linke ein Nazi. Die Folge dieser Verunglimpfungen werden aber nicht nur steigende Prozentpunkte für die AfD sein, sondern auch eine drohende Explosion der Bürger an sich. Wer einfach glaubt den Deckel auf den Topf tun zu können, dem wird der Topf bald um die Ohren fliegen. Und ist es das, was wir wollen?


Was ich an dieser Stelle von meinem Leser jetzt aber noch gerne hätte, wäre mit mir gemeinsam für die beiden Opfer zu beten – oder zumindest an sie zu denken. Einem Mädchen, das, wie man sicher sein kann, schon vor ihrem viel zu frühen Tod, kein schönes Leben hatte. Einer jungen Frau, die ein stunden langes Martyrium erleiden musste, und es für den Rest ihres Lebens erleiden muss.

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