Die Doppelmoral von Abtreibungs-Befürwortern

Die Forderungen 219a abzuschaffen, oder besser gleich § 218 kommen aus einem bestimmten Milieu, das sich nicht nur hier und da zu widersprechen scheint.

Edgar Jung (1894-1934)

Einer der Gründe, warum ich immer wieder Edgar Jung zur Hand nehme, ist die Aktualität seines Werkes. Denn obwohl er 1934 von den Nationalsozialisten ermordet wurde, wirken gerade in seinem Hauptwerk Die Herrschaft der Minderwertigen ganze Kapitel, als wären sie erst heute Morgen geschrieben worden. Diese Aktualität kann auch ein wenig erschreckend sein, beschrieb Jung doch eine zerrissene Demokratie, die sich sehenden Auges Adolf Hitler hingab.

Manchmal liegt es aber auch daran, dass Dinge vor 1933 diskutiert wurden, um die wir auch heute noch hitzige Diskussionen führen. Und unter all den weltanschaulichen Diskussionen, ist das Thema „Abtreibung“ sicher der Klassiker schlechthin. Zu Anfang von Die Herrschaft der Minderwertigen beschäftigt sich Edgar Jung in einer Aufzählung mit recht offensichtlichen Widersprüchen. Darunter zählt auch ein Gedanke zum Thema „Abtreibung“.

Fortschrittsbeflissene verneinen das Recht auf Tötung minderwertigen Lebens (Todesstrafe), bejahen dagegen tausendfachen Mord an wertvollem Leben (Abtreibung).

Edgar Jung

Die Formulierung ist radikal, und auch der Zeit, in der sie entstand geschuldet. Aber sie weist dennoch auf einen auch noch immer bestehenden Widerspruch hin. Die Gruppe der Abtreibungsbefürworter dürfte nahezu komplett in die Gruppenmenge der Gegner der Todesstrafe eingehen. Während man schon allein des christlichen Engagement etwa der Katholiken gegen die Todesstrafe und gegen Abtreibung das Umgekehrte nicht behaupten könne. … So weit zu Widerspruch Nummer 1.

Der 2. Widerspruch zeigte sich bei der zweiten Beratung zu §219a im Bundestag am 18. Oktober. Die CDU-Abgeordnete Launert erwiderte auf den Vorwurf das Thema „Abtreibung“ zeige das Frauenbild der Union auf, dass es doch gar nicht darum gehe und man sich im Übrigen auch dessen bewusst sein solle, dass hier auch ein „kleines Mädchen“ abgetrieben werden könne.

Wer genau hingehört hat, konnte eine Mitleid heuchelndes „Ohhh“ vernehmen. Den Berichten der Presse nach aus den Reihen der Grünen. Nun ist das Geschlecht in Deutschland tatsächlich noch kein Hauptgrund für eine Abtreibung, in rückständigen Gesellschaften wie etwa der indischen dagegen einer der Häufigsten. Und auch die Ein-Kind-Politik der KP in China wurde unter anderem deshalb beendet, weil die Chinesen der Ansicht waren, wenn schon nur ein Kind erlaubt ist, dann doch bitte ein Junge. 

Grüner Zynismus in Perfektion

Wir halten also fest, dass die „Fortschrittsbeflissenen“, seien sie jetzt links-grün oder von der FDP, kein Problem mit der Tötung unschuldigen Lebens haben, obwohl sie in anderen Fällen durchaus anderer Meinung sind. Und sie leisten mit ihrem Kampf für die Abtreibung dem weltweiten Bemühen Mädchen aus ihrer sozialen Benachteiligung zu holen, mehr als nur einen Bärendienst, indem sie sich für ein Instrument einsetzen, das weltweit betrachtet mit dafür sorgt, dass Mädchen erst gar nicht geboren werden. Ganz davon abgesehen, dass das heuchelnde „Ohhhh“ einiger Abgeordneten der Grünen in abscheulicher Offenheit ein Menschenbild zeigt, das derart von der eigenen Ideologie zerfressen wurde, wie man es eigentlich nur von weltanschaulichen Fanatikern gewohnt ist.

Verstehe das wer will, ich verstehe es jedenfalls nicht. Was im Übrigen auch nach wie vor mein Kernproblem an der ganzen Thematik ist, ich verstehe nicht, wie man ein unschuldiges Leben einfach so beenden kann, ehe es richtig begonnen hat. Ebenso wenig wie ich Menschen verstehen kann, die sich dafür mit einer solchen Vehemenz einsetzen, als ginge es gerade um das Gegenteil – dem Schutze menschlichen Lebens. Irgendetwas muss in der Feminismus-Bewegung, die ja in Gänze ihre Berechtigung hat, gewaltig schief gegangen sein. Dem Motto entsprechend, „mein Bauch gehört mir“, muss man irgendwann das menschliche Leben zu einem Blinddarm umgedeutet haben, den man sich in einem medizinischen Eingriff herausnehmen lassen kann, sobald er Problem macht. Jetzt ist die Abwertung menschlichen Lebens ein Kernproblem fast aller -Ismen, bei den meisten ihrer Art, eigentlich bei allen anderen, bezieht sich das jedoch auf den (erfundenen) Feind, nicht auf menschliches Leben an sich. 

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