Erwin Rommel, Peter Tauber & Twitter-Deutschland in Aufregung

Peter Tauber, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, ist bekanntlich ein fleißiger Twitterer. Auch wenn dort viele an Schnappatmung leiden.

Zumindest bemerkte Tauber das vor zwei Tagen selbst bei Twitter:

Was war geschehen? Nun, kurz zuvor hatte Tauber folgenden Tweet abgesetzt:

In einem Umfeld, in dem gebetsmühlenartig am 20. Juli jeden Jahres behauptet wird auch Claus Schenk Graf von Stauffenberg und die Männer und Frauen des Widerstandes seien ja eigentlich auch nichts anderes als Nazis gewesen, muss ein solcher Tweet natürlich als ultimative Provokation gelten. Und so kam es dann auch. Die linke Intelligenzia des Social Web versuchte sich darin zu übertreffen entweder Rommel als Vollblut-Nazi zu zeichnen, oder Peter Tauber zumindest als Halbblut-Nazi.

Was aber traditionell bei solchen „Diskussionen“ nicht vorkommt, ist der Versuch der Einordnung. Oder besser, die Berücksichtigung der Umstände. Ich stelle einmal die These auf, das 9 von 10 Twitterern, die Taubers Gedenken an Erwin Rommel angegriffen haben, zwischen 1933 und 1945 ihr Dasein als mehr oder weniger begeisterter Mitläufer gefristet hätten. Sie hätte brav an der Front gekämpft, ob als Soldat oder an der Heimatfront und bis kurz vor Schluss der Propaganda am Volksempfänger voller Andacht gelauscht.

Tatsächlich Widerstand zu leisten wäre nicht die Sache jener gewesen, die heute bequem von der Couch aus agitieren und glauben ein Tweet würde die Welt ändern können. Für tatsächlichen Widerstand brauchte es den Glauben an das Bessere, dem die Weiße Rose um die Geschwister Scholl folgte. Oder die klare Erkenntnis des Unrechts und den Willen es zu beseitigen, die Georg Elser antrieb. Oder eben Anstand, Haltung und die Liebe zu Deutschland, die Grundlage für den Widerstand in Militär, Aristokratie und Bürgertum waren. Diese Männer und Frauen haben nicht behauptet die Welt besser machen zu wollen, sie haben den Versuch gewagt – das ist unzählig viel mehr, als einen lächerlichen Tweet abzusetzen. 

Und was war Generalfeldmarschall Erwin Rommel? Die historische Rolle Erwin Rommels ist unter Historikern durchaus kontrovers diskutiert. War er Hitlers treu ergebener General, oder doch ein Mann des militärischen Widerstandes? Es lassen sich für beide Varianten ausreichend Belege finden. Und so lautet die Antwort, die der Wahrheit am nächsten kommt, er war beides – oder keins von beiden.

Rommels militärisches Talent im Nordafrikafeldzug ist unbestritten, seine Siege selbst beim Feind bewundert. Das der Stern des Generalfeldmarschalls so hell leuchtet, hat aber natürlich auch damit zu tun, dass er als die Deutschen und Italiener von den Amerikaner geschlagen wurden, nicht mehr in Nordafrika war. Dennoch hat Rommel dazu beigetragen den Krieg für Hitler fortzusetzen. Und hätte sich Hitler bei der Verteidigung in Frankreich nicht eingemischt, sondern Rommel hätte frei handeln können, er hätte die Westfront wesentlich länger halten können. (Was angesichts der Lage an der Ostfront eine Katastrophe bedeutet hätte, und noch mehr Teile Deutschlands den mordenden und vergewaltigenden Rachegelüste von Rotarmisten ausgesetzt hätte.) 

Auf der anderen Seite war es auch der Offizier in Rommel, der die Bewunderung Hitlers nutzte, um dem Führer entgegenzutreten. Zumindest in gewissem Ausmaß. Und Rommel gehörte ebenso zu jenen Offizieren der Wehrmacht, die so manchen wahnsinnigen Befehl des Führers unterliefen oder irgendwo auf dem Dienstweg verloren gehen ließen. Und auch wenn Rommels Rolle im militärischen Widerstand nicht die aktivste war, so hatte der Patriotismus und die realistische Einschätzung der Kriegslage ihn doch Kontakte zu den Widerständlern knüpfen lassen. 

Und damit hat er weit mehr getan, als jene getan hätten, die sich aus der Gnade der späten Geburt heraus in einer moralischen Überlegenheit fühlen.


Titelbild: Bundesarchiv, Bild 146-1977-017-10A / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Ein Kommentar zu „Erwin Rommel, Peter Tauber & Twitter-Deutschland in Aufregung“

  1. Die Aufregung um Taubers Tweet ist ja typisch. Unser Verhältnis zu diesem Teil unserer Geschichte ist gespalten, bei vielen aber auch völlig einseitig. Ich teile deine Meinung, dass Rommel im Rahmen seiner Möglichkeiten das getan hat, was er glaubte tun zu müssen. Ich nehme es den Autoren ab, wenn sie betonen, Rommel sei kein politischer Mensch gewesen und habe auf die Person Hitler einen naiven Blick gehabt. Dass Tauber Rommel diesen Erinnerungstweet gönnt, ist für mich allerdings auch etwas merkwürdig. Ich glaube fast, er wollte die provozieren, die prompt und völlig erwartbar reagiert haben.

    Ich habe mit meinem Vater (22-12) nicht viel über den Krieg geredet. Er sprach wenig darüber. Er war 10 Jahre in Russland, 5 Jahre im Krieg und 5 Jahre in russ. Kriegsgefangenschaft. Er war EK1 und EK2 – Träger. Zu dem wenigen, was er mir erzählte gehörte, dass er sich vor seiner Gefangennahme durch die Russen aller Orden entledigt habe. „Wenn sie mich damit erwischt hätten, wäre ich sofort erschossen worden“. Dieser Satz gilt im übertragenen Sinn bis heute. Die Männer, die in diesem verdammten Krieg ihr Leben und ihre Gesundheit verloren haben, werden nicht geschätzt. Diese Gesellschaft fordert Schweigen, wer sich daran nicht hält, wird nicht erschossen aber an den Pranger gestellt. Die Verwicklungen der Wehrmacht in verbrecherische Handlungen wurden erst spät bekannt. Das war der letzte (scheinbar) „weiße Fleck“, der den überlebenden Männern verblieben war, die aufgrund eines Zufalls für dieses Land in einem fürchterlichen und ungerechten Krieg kämpfen mussten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.