Der Konservative — Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

Die Grünen sind den Bayern immer noch nicht ganz grün

Auch wenn der Jubel der Grünen am gestrigen Wahltag anderes vermuten ließ, Bayern ist nicht Baden Württemberg – und das Ergebnis der Grünen im Grunde kaum von Bedeutung.

Das Wort „historisch“ konnten manche nach der Landtagswahl in Bayern nicht oft genug in den Mund nehmen, mancher beschwerte sich dann allerdings doch, dass die CSU es nicht in den Mund nahm. Und in der Tat, die Verluste der CSU waren eine harte Bestrafungsaktion durch den Wähler. Allein – es war weder das schlechteste Ergebnis, noch der stärkste Absturz, und auch wenn gefühlt jeder zweite gestern twitterte, die CSU habe endlich ihre absolute Mehrheit verloren, nope, auch das kam schon mal vor. Die CSU hat am rechten Rand gefischt und wurde dafür abgestraft – ganz so wie es alle Experten vorhergesagt haben. Das spricht sehr für den Vorwurf, dass es sich dabei um eine Partei handelt, die nicht mehr ganz mit Bodenhaftung versehen ist.

Aber war das gestern jetzt ein Umsturz der Verhältnisse? Wird Bayern mit dem sensationellen Wahlergebnis der Grünen jetzt gar grün?

Nö, zunächst einmal gilt die beruhigende Feststellung, das 90% der Bayern nicht für die AfD gestimmt haben. Es gilt aber auch, knapp über 80% haben nicht für die Grünen gestimmt. Und der Regierungsauftrag, auch wenn es manchem in der gestrigen Euphorie schwer fiel zu akzeptieren, liegt bei der CSU. Es war ein großer Sieg für die Grünen. Ein Pyrrhussieg, denn am Ende könnte es jetzt einfach nur heißen: Die Grünen sind die neue SPD …

… und der konservativ-bürgerlichen Mehrheit im Land ist es reichlich egal, wer unter ihr Opposition ist.

Die Stabilität der CSU basierte in erster Linie auf dem Faktor, dass sie es lange verstanden hat sich als inoffizielle Staatspartei zu präsentieren. Bayern und die CSU waren eins. Außerhalb des Freistaates hat man aber stets übersehen, das das auf Landesebene galt, aber schon nicht mehr auf der kommunalen Ebene. Dort hatte die CSU in den Städten immer mit einer starken SPD zu kämpfen und auf dem Land mit den Gruppierungen der Freien Wähler. Und als sich vor zehn Jahren die Freien Wähler auf der Landesebene etablierten, war klar welche Partei darunter zu leiden hatte.

Bayern ist eben nicht nur bayrisch, sondern auch konservativ. Je weiter südlich man kommt, desto konservativer wird es. Dort holte die CSU früher auf demokratischem Weg Ergebnisse, die man im benachbarten Ostblock schon manipulieren musste. Heute ist das die Ausnahme, dank der Freien Wähler. 

(Update: 17.10.2018)

Die Mehrheit hat auch gestern konservativ gewählt: 37% CSU + 12% Freie Wähler, macht 49%. Dazu kommen noch mal rund 3 bis 4% der Bayernpartei und der ödp. Man muss nicht mal die verwirrten Seelen hinzurechnen, die glauben die AfD wäre eine konservative Partei, um auf die 50 + x zu kommen. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums haben Grüne und Sozialdemokraten einfach nur die Plätze getauscht, von einer linken Mehrheit sind sie aber verdammt weit entfernt. Und auch wenn sich jetzt vereinzelt grün-gesinnte oder grüne Kommentatoren melden, die Bayern hätten Schwarz-Grün gewählt, der Mehrheit dürfte die bürgerliche Koalition aus CSU und Freien Wählern weit lieber sein. Warum auch nicht, bestehen die Aiwanger & Co. doch auf eine bessere Kita-Betreuung und ökologisch vertreten sie den Schutz der heimischen Natur, den die CSU mit ihrem wirtschaftsliberalen Kurs schon vor Jahren verraten hat. 

Der Makel am konservativen Bayern besteht freilich darin, dass es weder der CSU, noch den Freien Wählern gelungen ist neben den ländlichen Gebieten, auch die großen Städte zu holen. Sicher, auch hier gingen die meisten Direktmandate an die CSU, aber die Siege in München und vielleicht mehr noch jener in Würzburg, zeigen am Ende, dass die Verwurzelung in den Städten doch eher krankt. Auf den ersten Blick mag man meinen, na und, haben die Grünen mit den Sozis halt eben auch hier die Plätze getauscht. Nur waren die bayerischen Sozialdemokraten selbst in ihren besten Zeiten nie in der Lage von der Stadt aus auch die ländliche Umgebung zu erreichen, die Grünen sind dort über die Neu-Dörfler hinaus anschlussfähiger. Besonders dort wo die Freien Wähler nicht stark sind, wird so manch klassischer Landwirt auch mal grün wählen – während er die Sozis nicht mal wahrgenommen hat.

Wenn also an der Bayernwahl etwas historisch war, dann vielleicht die Frage, ob 2018 vielleicht doch ein grüner Keim gesetzt wurde, der die konservative Mehrheit in Bayern brechen könnte. Die Chance hatten die Grünen unter dem zu früh verstorbenen Sepp Daxenberger schon einmal. Nach seinem Tod hatten sich aber die Linken schnell wieder durchgesetzt und den von Daxenberger eingeschlagenen Weg fluchtartig verlassen. 

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