Heute vor 205 Jahren: Eleonore Prochaska erliegt ihren Verletzungen

Friedrich Förster erschuf mit ihr den Mythos der Lützower Trommlerin. Die Geschichte war zwar erfunden, heldenhaft war Eleonore Prochaska’s Leben aber auch so.

Eleonore Prochaska war das, was man vielleicht am besten als einfaches Mädchen beschreiben würde. In einer Zeit, in der das Leben eben jener einfachen Menschen nicht besonders angenehm war. Ihr Vater war Soldat in der preußischen Armee und zog 1793 gegen die Französische Revolution in den Krieg. Die Kinder kam, als die Mutter sich nicht mehr kümmern konnte, in ein Militärwaisenhaus. Später, als der Vater aus dem Krieg kam, kehrten sie zu ihm zurück.

Als Napoleon sich Europa unterwarf war Eleonore als Köchin untergekommen. Doch die Welle der nationalen Begeisterung ging auch an ihr nicht spurlos vorbei. Im Zuge der Reformen führte Preußen die Wehrpflicht ein, es gab aber auch Freikorps, die sich unabhängig von den deutschen Fürsten die Aufgabe gesetzt hatten, Deutschland vom Joch der Franzosen zu befreien. Das Lützower Freikorps ist zweifellos das Bekannteste unter ihnen geworden – und genau in jenes trat Eleonore Prochaska als August Renz in das Jägerdetachements des 1. Bataillons des Lützowschen Freikorps ein. 

In der Schlacht an der Göhrde im September 1813 wurde sie verwundet und erlag einige Tage später ihren Verletzungen. Bis dahin hatte sie weitestgehend unerkannt ihren Dienst versehen, und wurde bei dem Versuch einen Kameraden zu retten von einer Kartäsche getroffen. 

Zu ihrer Beerdigung am 7. Oktober schrieb eine Zeitung:

„Heute morgen um 9 Uhr wurde die Leiche der in der Schlacht bei Göhrde verwundeten Eleonore Prochaska zur Erde bestattet, welche als Jäger im Lützowschen Korps unerkannt ihren Arm aus reinem Patriotismus der heiligen Sache des Vaterlandes geweiht hatte. Gleich einer Jeanne d’Arc hatte sie mutvoll gekämpft den Kampf für König und Vaterland […] Trauernd folgten ihr das hannoversche und russisch-deutsche Jägerkorps, Se. Excellenz der Herr Minister und Grandmaitre de la Garderobe außerordentlicher Gesandter Graf von Grote, Ihr Kommandeur und Oberst Herr Graf von Kielmannsegg, mit sämtlichen Offizieren an der Spitze, und zollten ihrem Mut den letzten Beweis öffentlicher Würdigung ausgezeichneter Tapferkeit und weiblichen Heroismus.“

Eleonore Prochaska

Eleonore Prochaska war nicht die einzige Frau, die sich während der Befreiungskriege als Mann verkleidete und den Soldaten anschloss. Aber wahrscheinlich ist sie unter ihnen die Bekannteste. Glorifiziert als die Jeanne d’Arc von Potsdam erzählten mehrere Gedichte und Theaterstücke ihre Geschichte. Und selbst Ludwig van Beethoven trug eine Komposition zu einem heute verschollenen Musikstück bei, das Eleonore Prochaska’s Geschichte erzählte. 

Ihre Geschichte wurde durchaus auch vom Feminismus wahrgenommen. Einen großen Widerhall fand sie dort allerdings nicht. Mit ihrem Patriotismus und Willen in den Krieg zu ziehen, passt sie nicht so recht in das Bild das moderne Feministinnen von sich selbst zeichnen wollen. 

Am Ende war das einfache Mädchen eben vor allem eine junge Frau, die ihre Heimat liebte und bereit war mit ihrem Leben für deren Freiheit zu kämpfen. So unmodern und anachronistisch dieser Wesenszug heute in den Ohren vieler klingen mag, war sie damals eine Heldin und ist es heute noch immer.

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