Venezuela begräbt den Marxismus endgültig

Bisher konnten stramme Marxisten sich noch auf Karl Marx selbst berufen, wenn sie das Scheitern des realexistierenden Sozialismus begründeten. Das ist jetzt aber auch vorbei.

Für die Sieger im Kalten Krieg war der Grund für das Scheitern des Sozialismus klar. Man brauchte nur einen Blick hinter den ehemaligen Eisernen Vorhang zu werfen, und die Misswirtschaft wurde ebenso offensichtlich, wie die staatliche Unterdrückung. Das sich manch Sozialist vom Scheitern dieses sozialistischen Versuches aber nicht beirren ließ, hatte weniger mit Realitätsverweigerung zu tun, als mit der Ideologie des Marxismus an sich.

Denn das die Versuche in Russland und später Osteuropa den Kommunismus zu verwirklichen scheitern mussten, hätte man ironischerweise bei Karl Marx selbst nachlesen können. Denn die Theorie baute schließlich auf einen zuvor da gewesenen kapitalistisch-industriellen Staat auf, der durch den Marxismus abgelöst werden sollte. Böse Zungen hätten auch gesagt, erst soll der Kapitalismus das Geld verdienen und dann gibt der Sozialismus es aus. Aber das wäre natürlich eine äußerst unfaire Sichtweise.

Als 1917/18 die Kommunisten in Russland die Macht ergriffen, fanden sie ein riesiges Land vor, dessen Industrie schwach ausgebildet war. Im Grunde war Russland noch immer ein lupenreiner Agrarstaat. Und als die Sowjetunion in ihren osteuropäischen Sattelitenstaaten ihr System einführten, waren diese vom Krieg derart zerstört, dass man ebenfalls nicht davon sprechen konnte, dass die marx’schen Vorgaben erfüllt waren.

Die Begründung von Marxisten, dass der Kommunismus scheiterte, weil die grundlegenden Vorbedingungen nicht erfüllt waren, hat – im geschlossenen System des marxistischen Denkens – also durchaus ihre Richtigkeit. 

Dann aber kam ein gewisser Hugo Chavez und sein Nachfolger Nicolás Maduro in Venezuela an die Macht. Was sie vorfanden war das reichste Land Südamerikas, das dank seines Ölvorkommens nichts zu befürchten hatte. Natürlich war der Reichtum ungleich verteilt und mitunter nicht in Händen des eigenen Landes, aber die Grundvoraussetzung von Karl Marx war gegeben. Der Sozialismus hätte das Vermögen nur umverteilen müssen. 

Wer heute nach Venezuela blickt, sieht ein geschundenes Land. Millionen haben es bereits verlassen. Die Regale sind leer, ebenso Apotheken und andere lebenswichtige Ressourcen. Von der sozialistischen Führung geschaffene Milizen haben freie Hand, der Polizeiapparat ist zum Unterdrückungsinstrument geworden. Die Armen sind ärmer, der Mittelstand ist arm, und die Reichen haben das Land verlassen, oder zumindest ihr Vermögen in Sicherheit gebracht. Das Land ist in wenigen Jahren vom reichsten Land des Kontinents ganz nach unten durchgereicht worden. Die öffentliche Sicherheit ist nirgends sonst in Südamerika derart am Boden. Wen wundert es, wenn Menschen schon wegen einem Stück Brot überfallen und ermordet werden. 

Mit dem Niedergang von Venezuela muss jetzt auch der letzte aufrechte Marxist eigentlich einsehen, dass seine Ideologie nicht für den Menschen geschaffen ist. Es funktioniert einfach nicht. Punkt! Es sei denn natürlich, man stellt sich auf den Standpunkt von Maduro. Der behauptet nämlich, es gibt gar keine Krise und es geht allen ganz super. Und solange er sich nicht ohne Bodyguards auf die Straßen wagt, dürfte er das wahrscheinlich sogar selbst glauben. Hungern muss er bestimmt nicht.

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