Katholische Kirche: Das Zölibat ist auch nicht an allem schuld

Der sexuelle Missbrauch von Kindern gehört zu den scheußlichsten Verbrechen. Und wenn er in einem Rahmen geschieht, der besonders hohe Moralvorstellungen vertritt, wirkt er noch schrecklicher.

Die Zahlen sind erschreckend, vor allem weil die Experten nicht einmal betonen müssen, dass es noch eine weit höhere Dunkelziffer gibt. Man weiß es auch so. Was in der Kirche geschehen ist, ist abscheulich. Und das die Kirchenstrukturen Fälle von Missbrauch bis vor einigen Jahren gedeckt haben, macht es nicht besser. Priester wurden versetzt, statt angezeigt usf. Dennoch kann man der Kirche zumindest zugute halten, dass sie sich dieser Vergangenheit stellt und versucht sie aufzuarbeiten. Abgesehen davon, dass das Gros der Verbrechen in der eigenen Familie passiert, kann man das von anderen Institutionen, in denen Kinder ähnlich sicher sein sollten, noch nicht behaupten. 

Das Verbrechen hat derartige Ausmaße, dass es aber leider auch von diversen Gruppen innerhalb der Kirche genutzt wird, um ihre eigene Reformagenda einzufordern. denn die Zahl der Bischöfe, die es angesichts des Grauens wagen, Differenzierung einzufordern, ist begrenzt.

Ganz oben auf der Liste: das Zölibat

Ich persönlich sehe das Zölibat recht neutral. Wenn die Kirche morgen beschließen würde, was sie ja durchaus könnte, es abzuschaffen, und mein Priester übermorgen heiraten würde – es würde keinen Unterschied machen. Nichts desto trotz sehe ich natürlich dennoch die Vorteile. Und letztlich ist das Zölibat auch ein großer Beweis für die Hingabe im Glauben.

Eines jedoch ist das Zölibat nicht, schuldig am Missbrauch. 

In einer durchsexualisierten Gesellschaft, in der Sex so allgegenwärtig ist, das er weniger Vergnügen, als Pflicht ist, muss das Zölibat natürlich die größtmögliche Provokation sein. Das sich Laien innerhalb und außerhalb der Kirche sich daran festbeißen ist nachvollziehbar, gar unvermeidlich. Die Art und Weise wie das heute allerdings geschieht, ist nicht mehr wirklich dazu geeignet über das Thema vernünftig zu diskutieren. Zwar mag manch Verbandsvertreter die Diskussion fordern, aber schon der Tonfall und Zusammenhang stellt klar, man möchte diskutieren und am Ende soll das Zölibat abgeschafft werden.

Analysiert man die Situation jedoch, kommt man eben nicht zu dem Schluss, das Zölibat würde den Missbrauch geradezu fördern. Was es aber als Lebensform sehr wohl tut, ist Menschen anzuziehen, die denken das Zölibat sei eine Lösung für ihr eigenes, gestörtes Verhältnis zur Sexualität. Der Passauer Bischof Oster hat das heute morgen im ZDF Morgenmagazin sehr gut auf den Punkt gebracht, als ein grünschnäbliger Journalist nicht mal fünf Sekunden gebraucht hatte, die in einer Frage versteckte Forderung nach Abschaffung des Zölibats, zu stellen. 

Was die Kirche seit einigen Jahren bereits tut, aber noch viel besser tun muss, ist es innerhalb der Priesterausbildung darauf zu achten, solchen Menschen klar zu machen, dass der Weg des Zölibats eben nicht der richtige ist, und ihnen gleichzeitig Hilfestellung zu geben, wie ihnen geholfen werden kann. Priestermangel darf kein Argument sein, auch mal ein Auge zuzudrücken. Es muss klar sein, dass Wegsehen keine Alternative mehr ist. 

Und das ist auch Aufgabe der Laien in der Kirche. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, nicht der Klerus alleine. Auch konkret im Bezug auf den Missbrauch haben Laien oft ebenso Schuld auf sich geladen, denn es waren nicht allein Kleriker, die die Zeichen nicht sehen wollten, und wenn sie unübersehbar waren, das Verbrechen vertuschten. Das übersehen auch manch engagierte Katholiken gerne, weil es eben immer einfacher ist mit dem Finger auf die anderen zu zeigen.

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