Schwarz-Rot-Gold: 9 Sekunden sagen mehr als 1000 Wort

Wenn nicht gerade WM ist, hat’s der Deutsche an sich ja nicht so mit seiner Flagge. Dabei hätte es sich Schwarz-Rot-Gold durchaus verdient.

Wenn die deutsche Schriftstellering Sophie Sumburane an die Ostsee fährt, hat sie ein Problem. Aus Sicherheitsgründen muss sie nämlich durchfahren, weil sie auf keinem Rastplatz in Mecklenburg Vorpommern Pause machen kann. Zu unsicher, denn da sind alle Nazis. Woher sie das weiß, na ja, weil da überall Deutschlandfahren wehen. 

Lustig? Na ja, man ist zumindest nicht überrascht. Aber irgendwie hofft man doch, die politische Bildung von Sophie Sumburane wäre so schlecht, dass sie Schwarz-Rot-Gold nicht von der Reichskriegsflagge unterscheiden kann, und beides als Deutschlandfahne bezeichnet. Dann wäre dieser Ausschnitt aus einer Talkshow wenigstens nicht mehr ganz so – na was eigentlich?


Das Verhältnis des Durchschnittsdeutschen im Allgemeinen, und das der Elite im Besonderen, zum Begriff „Nation“ ist ja so eine Sache. „Nation“ lässt sich offenbar für eine große Anzahl von Leuten nicht mehr ohne den Zusatz „-alismus“ oder gar „-alsozialismus“ denken. Das bekommen die wenigen Symbole der deutschen Nation, die vielleicht auch nur noch existieren, weil es ohne im internationalen Vergleich fast peinlich wäre, die heilige Missachtung ab. 

Die Farben Schwarz-Rot-Gold tauchten in der deutschen Geschichte zum ersten Mal in den Befreiungskriegen auf, wurden später von Demokratie und Pressefreiheit fordernden Studenten als Symbol übernommen. Die Nationalversammlung nach der Revolution 1848 flaggten Schwarz-Rot-Gold als Zeichen für die neue demokratischer Zeit – die dann allerdings doch nicht kam. Und schließlich wurden es die Farben der ersten Republik auf deutschen Boden. Man könnte also vermuten, Schwarz-Rot-Gold stände für Werte wie Freiheit und Demokratie. 

Nonsens, sagt sich der links dominierte Mainstream. Ob Schwarz-Rot-Gold oder Schwarz-Weiß-Rot, Nationalflagge ist Nationalflagge und national ist ein Synonym für schlecht. 

Man kann es heute leider als nationalen – ja, ich verwende diese Wort absichtlich und aus Ironie – Konsens bezeichnen, so wenig wie möglich mit dem Symbol des demokratischen Deutschlands in Berührung zu kommen. Wenn das in ihrer Ideologie gefangene Intellektuellen so sehen, mag man das ihnen noch nachsehen, jeder darf verachten, was er verachten will. Das ist Bestandteil der Freiheit. Wenn man dann aber jenes inzwischen leider fast schon legendäre Video sieht, dass die CDU nach ihrem Wahlerfolg 2013 zeigt, bekommt man es entweder mit der Angst zu tun oder beginnt zumindest sich  fremd zu schämen:


Da steht die versammelte Spitze der CDU und grölt ein Lied der Toten Hosen, coole Band, aber doch eher links, und der Gröhe bekommt zum Schwenken eine Deutschlandfahne gereicht. Warum nicht, denkt sich der Beobachter, da stehen schließlich auch viele, die bald wieder die deutsche Regierung bilden werden. Die alte und neue Bundeskanzlerin denkt aber wohl etwas ganz anderes, nimmt die Deutschlandfahne und entsorgt sie möglichst schnell. Und ihr Gesichtsausdruck spricht Bände.

Diese 9 Sekunden zeigen wie unter einem Brennglas, dass das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land zutiefst gestört ist. Man möchte kein Land sein, keine Nation oder ein Staat, eher eine Verwaltungszone, die eine gemeinsame Währung und Sprache besitzt. Das soll der neue Sonderstatus sein, während unsere Nachbarn stolz ihre Flaggen schwenken, den Nationalfeiertag begehen und sich am Ende noch zu ihrem Land bekennen.  Da aber, auch wenn es ihnen nicht gefällt, Deutsche nun mal Deutsche sind, ist die De-Nationalisierung auch das neue deutsche Wesen geworden, an dem die Welt genesen soll. Nur versteht das da draußen niemand. Dankenswerter Weise nimmt es auch kaum einer wahr, oder man hat etwa in Frankreich so viel Anstand, sich sein Mitleid nicht anmerken zu lassen.

Das Problem ist eben nur, dass der Nationalstaat die gängige Form in dieser Welt ist. Daran ändert weder die EU und schon gar nicht die UN etwas. Demzufolge ist auch Deutschland ein Nationalstaat, wie sehr es offenbar selbst seine Repräsentanten leugnen wollen. Und ein gestörtes Verhältnis zu sich selbst zu haben, war noch nie ein gutes Mittel, ein zufriedenes Leben zu haben. Es sei denn natürlich, und das steht tatsächlich auch zu Befürchten, man betrachtet ein Leben unter anhaltender Selbstkasteiung als zufrieden.

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